Viele Verbände warnen vor einem „Einfallstor für das Fracking“

Von: Heiner Hautermans
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Im Bebauungsplan Nr. 954 N Laurentiusstraße in der Nähe von Haus Linde ist eine Aufsuchungserlaubnis eingetragen. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Die Bundestagsabgeordneten aus der Region entscheiden über Dinge, die unser aller Leben beeinflussen werden“, sagt Claus Mayr, Vorsitzender des Nabu-Stadtverbandes Aachen, in einer Pressekonferenz im Welthaus an der Schanz.

Es geht um das Thema Fracking, das Gesetz über die Gasgewinnung aus unkonventionellen Lagerstätten in Deutschland soll in der nächsten Woche verabschiedet werden. Die zweite und dritte Lesung ist für den 3. Juli vorgesehen. Eine neue Großtechnologie, die für nur wenige Jahre billiges Gas verspreche, aber viele Gefahren – etwa Erdbeben oder Verseuchung des Grundwassers – beinhalte, aber dennoch von einer Lobby durchgepeitscht werden solle, ist sich ein breites Bündnis aus Natur- und Menschenrechtsorganisationen sowie Gewerkschaften einig.

Mayr: „Diese Diskussion haben wir bei der Atomenergie auch gehabt, die angeblich billige Energie hat den Steuerzahler bisher 230 Milliarden Euro gekostet, und die Endlagerung ist immer noch nicht geklärt.“ Die Wintershall AG, eine Tochter des Milliardenkonzerns BASF, hat sich das 1400 Quadratkilometer große „Erlaubnisfeld Rheinland“ gesichert, das auch die Norden Aachens umfasst. So ist bekanntlich in ersten Bebauungsplänen in Laurensberg eine „öffentlich-rechtlich verliehene Berechtigung zur Aufsuchung und Gewinnung von Kohlenwasserstoffen zu gewerblichen Zwecken“ verankert worden. Mit diesen Sucherlaubnissen nach dem geltenden, dreistufigen Bergrecht sei quasi schon die erste Stufe erfüllt, anschließend brauchten nur noch Betriebspläne erstellt werden, erläutert Oliver Kalusch vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz: „Wenn das Gesetz in Kraft tritt, dann braucht man nur einen Betriebsplan, und ab 2018 kann die kommerzielle Nutzung beginnen.“ Und dann könnten die Bürger in Richterich oder Laurensberg nichts mehr ausrichten.

Die Folgen für Aachen schildert Claus Mayr drastisch: „Die Menschen regen sich jetzt noch über Windräder auf. Wenn in zwei Jahren die Bohrtürme stehen, wird die Aufregung noch viel größer sein.“ Christina Horres, Fracking-Fachfrau des Nabu Aachen: „Das ist ein riesengroßes Einfallstor, in die kommerzielle Nutzung reinzugehen.“ Probebohrungen könnten nach dem vorliegenden Gesetzesentwurf im Gegensatz zu den Beteuerungen der Regierung überall erlaubt werden. Marika Jungblut von der Initiative No Fracking Rur, Inde, Wurm beklagt die Doppelmoral an der Grenze. Plänen der niederländischen Regierung, das im Nachbarland geltende Moratorium für Fracking aufzuheben, sei von allen Parteien im Landtag, im Aachener Stadtrat und den politischen Vertretungen anderer Kommunen der Region vehement widersprochen worden. „Das ist ein Pro-Fracking-Gesetz.“

„Für unverantwortlich“

Dennoch habe ein Großteil der Abgeordneten der Region sich noch nicht geäußert, wie sie sich bei der Abstimmung verhielten, etwa Ulla Schmidt (Aachen), Thomas Rachel und Dietmar Nietan (beide Düren), Wilfried Oellers und Norbert Spinrath (beide Kreis Heinsberg). Ein klares Nein komme von Andrej Hunko (Aachen) und Oliver Krischer (Düren). Rudolf Henke (Aachen) habe sich immerhin dafür ausgesprochen, dem Fracking einen strengen Rechtsrahmen zu geben und die „unbefriedigende rechtliche Situation, in der Fracking weitgehend erlaubt ist“, zu ändern. Ob es einen Bedarf für Fracking gebe, lasse sich mit guten Gründen bezweifeln. Wie er abstimme, wisse er noch nicht. Ähnlich äußert sich CDU-Kollege Helmut Brandt (Städteregion), der in der ehemaligen Bergbauregion wegen der geologischen Besonderheiten „jede Form von Fracking für unverantwortlich hält“.

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