Viele Schlägereien, nur ein Raubüberfall

Von: Daniel Gerhards
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Einsatzbesprechung: Polizeipräsident Dirk Weinspach begleitete in der Halloween-Nacht eine Streife. Auf dem Platz vor dem Elisenbrunnen war die Polizeipräsenz angebracht. Etliche, zum Teil stark alkoholisierte Jugendliche hielten sich dort auf. Foto: Ralf Roeger
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Erhitzte Gemüter: Wenige Meter neben einem Streifenwagen prügeln sich zwei junge Männer. Die Polizei geht dazwischen, schreibt eine Anzeige und erteilt Platzverweise. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zur Geisterstunde fährt ein Streifenwagen am Elisenbrunnen vor. Zwei uniformierte Polizisten steigen aus. Auf der Rücksitzbank sitzt ein weiterer Mann. Er trägt keine Uniform. Er wolle sich anschauen, was in dieser Nacht in der Städteregion geschieht, sagt er. Polizeipräsident Dirk Weinspach möchte sich ein Bild von der Belastung der Beamten und den Einsätzen in der Halloween-Nacht machen.

„Vor dem Hintergrund der Raubüberfallserie war es mir besonders wichtig, mir an so einem Tag einen Eindruck zu machen“, sagt er. Damit ist Weinspach gleich im Thema. Der Einsatz in der Nacht vor Allerheiligen hat zwei Schwerpunkte: Halloween-typische Straftaten und die Serie brutaler Raubüberfälle. In den vergangenen Monaten wurden mehr als 45 teils wehrlose Passanten in Aachen überfallen.

Jede Menge Arbeit

Am gesamten Wochenende gibt es nur einen Raubüberfall: Am frühen Freitagabend, gegen 19.45 Uhr, fragen drei Männer einen 24-jährigen Aachener an der Katharinenstraße nach Zigaretten. Nachdem er den jungen Männern diese gibt, will das Trio sein Handy und Bargeld haben. Es kommt zu Faustschlägen, der Mann wehrt sich. Nach einen harten Schlag gegen den Kopf fällt der Mann zu Boden und die Angreifer flüchten. Die Täter sollen zwischen 16 bis 25 Jahre alt sein.

In der Halloween-Nacht gibt es laut Polizei keine weiteren Raubüberfälle. Die Beamten haben aber trotzdem jede Menge Arbeit. Die mehr als 100 Polizisten, die in der Nacht zum Samstag in der Städteregion unterwegs sind, haben rund 280 Einsätze zu bewältigen. 70 davon seien „typisch“ für Halloween. Das sind deutlich mehr als im vergangenen Jahr: 2013 fuhren sie an Halloween zu 44 „typischen“ Einsätzen. Dabei geht es um Sachbeschädigungen, Randale, Körperverletzungen, Schlägereien und Belästigungen.

Das für die Jahreszeit ungewöhnlich warme Wetter spielt der Polizei an diesem Wochenende nicht in die Karten. Auf den Plätzen in der Aachener Innenstadt – etwa vor dem Elisenbrunnen – tummeln sich etliche Nachtschwärmer. Einige von ihnen haben schon gegen Mitternacht erkennbar zu viel Alkohol getrunken.

Der Raubserie begegnet die Aachener Polizei seit einigen Wochen mit einem massivem Aufgebot: Uniformierte Beamte und Polizisten in Zivil sollen weitere Überfälle verhindern. Man wolle die Täter nicht nur verdrängen, sondern die Straftaten schnell aufklären und die Verantwortlichen festnehmen, sagt Weinspach.

Der Polizeipräsident sieht in dieser Strategie bereits erste Erfolge: Zwar habe die Polizei „sicher nicht alle Täter“ gefasst, die an der Überfallserie beteiligt waren. Aber durch die auffallend große Zahl von Polizisten in der Stadt solle sich bei potenziellen Täter herumsprechen, dass „das Erfolgsrezept wehrlose Opfer und geringes Entdeckungsrisiko“ nicht mehr funktioniere. Die Polizei will die Überfallzahlen „auf einem niedrigen Niveau stabilisieren“, sagt Weinspach.

Der Aufwand, den man dafür betreibt, ist immens. Trotzdem will Weinspach das Polizeiaufgebot an Wochenenden in der Innenstadt vorerst groß halten: „Wir machen das solange, bis wir uns sicher sind, dass wir den Rückgang der Raubüberfälle gesichert haben“, sagt er. Klar sei jedoch: „Man kann das nicht unbegrenzt fortführen.“ Irgendwann müsse man die Zahl der Beamten reduzieren oder nur noch in unregelmäßigen Abständen mit einem großen Aufgebot präsent sein. Das Entdeckungsrisiko soll für die Täter hoch bleiben.

Und das will die Polizei alleine machen, ohne die Bürgerstreife „Wir helfen Aachen“, die seit einigen Wochen an den Wochenenden in der Stadt patrouilliert. „Wenn heute Nacht eine Bürgerstreife unterwegs ist, wäre das äußerst kontraproduktiv. Das würde unser Konzept konterkarieren“, sagt Weinspach. Genauer erklären will er das nicht, dann müsste er die Einsatztaktik preisgeben, sagt er. Und das will er nicht.

Während Weinspach redet, rennen die beiden uniformierten Polizisten los. Es ist ein kurzer Sprint. Nur wenige Meter neben dem Streifenwagen gibt es eine Schlägerei. Sofort rufen die Beamten Verstärkung. Binnen Sekunden sind weitere Polizisten vor Ort. Nun stehen sechs Streifenwagen vor dem Elisenbrunnen. 15 Polizisten sind da. Die beiden Streithähne sind längst getrennt. Es gibt eine Strafanzeige und Platzverweise.

Ein verbaler Streit habe zu Handgreiflichkeiten geführt, sagt eine Polizistin, die dazwischen gegangen ist. Einer der Beteiligten hatte Alkohol getrunken. „Das ist typisch für den Abend und den Ort“, sagt sie. Weinspach greift nicht ein. Er schaut nur einmal kurz rüber. Dann redet er weiter. Er dürfe auch gar nichts machen, er sei schließlich kein Polizeivollzugsbeamter. Er schaue nur zu. Dann steigt die Polizistin wieder in ihren Streifenwagen, Weinspach setzt sich auf die Rückbank. Sie fahren weiter.

In dieser Nacht gibt es weitere Schlägereien, Pöbeleien und Sachbeschädigungen. Alkohol spielt dabei häufig eine Rolle. Bei vielen Betrunkenen steigt die Aggressionsbereitschaft und der Respekt gegenüber der Polizei nimmt ab.

Polizeipressesprecher Werner Schneider sagt, dass häufiger als in vergangenen Jahren mit Eiern geworfen werde: gegen Hauswände, in Bussen und auf fahrende Autos. Und in einem Bus in Merkstein hat die Sachbeschädigung noch größere Auswirkungen: Zehn maskierte Jugendliche stürmen in das Fahrzeug. Mit Baseballschlägern zerschlagen sie Einrichtung und Scheiben. „Der Busfahrer ist durch herumfliegende Glassplitter verletzt worden“, sagt Schneider. Eine Halloween-typische Straftat.

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