Aachen - Viele Gastwirte fürchten sich vor dem Rauchverbot

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Viele Gastwirte fürchten sich vor dem Rauchverbot

Von: Heiner Hautermans
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Die von der rot-grünen Landesregierung angekündigten Verschärfungen des Nichtraucherschutzes sorgen für heftige Diskussionen und herbe Kritik bei Aachens Gastwirten. Gerade kleinere Kneipen seien in ihrer Existenz bedroht, befürchteten zahlreiche Gastronomen. Foto: dpa

Aachen. Die von der rot-grünen Landesregierung angekündigten Verschärfungen des Nichtraucherschutzes sorgen für heftige Diskussionen und herbe Kritik bei Aachens Gastwirten. Gerade kleinere Kneipen seien in ihrer Existenz bedroht, befürchteten zahlreiche Gastronomen.

Allerdings gibt es auch gemäßigte Stimmen, die von schärferen Regelungen keine negativen Auswirkungen befürchten. Das neue Nichtraucherschutzgesetz, das ein totales Rauchverbot in Restaurants und Gaststätten vorsieht, ist freilich noch nicht beschlossen. Die SPD hatte nach heftiger Kritik Lockerungen in Einraumkneipen und bei geschlossenen Gesellschaften nicht ausgeschlossen.

Dennoch ist Dirk Deutz, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes in Aachen und Inhaber des „Alten Zollhauses” am Marschiertor, auf 180, wenn man ihn auf die Düsseldorfer Bestrebungen anspricht: „Wir sind entsetzt über das Vorhaben der Landesregierung. Das ist ein Riesenthema und für viele existenzbedrohend.” Man habe doch schon ein funktionierendes und liberales Gesetz: „Es gibt keine Veranlassung, das zu verschärfen.”

Besonders das Verhalten der Grünen findet er schizophren, spricht sogar von „Gesundheitsrassismus”. Auf der einen Seite richteten sie Drogenkonsumräume für Heroinabhängige ein, auf der anderen Seite wollten sie den Verzehr legal erworbener Genussmittel verbieten: „Wir fürchten Umsatzrückgänge im hohen zweistelligen Bereich. Viele können den Laden zumachen.” In seinem eigenen Betrieb habe er die Bereiche unterteilt und seit 2008 mit dem geltenden, von Schwarz-Gelb erlassenen Gesetz positive Erfahrungen gemacht: „Es gibt so gut wie keine Beschwerden.”

Michaela Vonderlinden im „Goldenen Einhorn” am Markt befürchtet ebenfalls negative Auswirkungen: „Ich bin selbst Raucherin. Wenn ich nicht mehr rauchen darf, trinke ich mein Bier eben zu Hause. Das sehen auch viele Kunden so.” Stephanie Kessel, Wirtin im „Insulaner” an der Bismarckstraße, ärgert sich vor allem darüber, dass in ihrem Ecklokal für viel Geld eine Trennwand eingebaut worden ist.

„Das bekommt man nicht zurück.” Deshalb fordert sie mehr Kontinuität in der Gesetzgebung. „Vor vier Jahren war es schon ein einziges Hickhack.” Wenn denn eine neue Regelung komme, müsse sie schon für alle gleich sein: „Ich finde es am besten, wenn man es dem Wirt und dem Gast selbst überlässt.” Weil der „Insulaner” Speisen und Getränke anbietet, geht sie davon aus, dass sie nicht so stark betroffen sein wird. „Das wird sich einpendeln.” Die nächste Krise könnte aber folgen, wenn die Leute zum Rauchen nach draußen gingen. Dann dürfte es Proteste der Anwohner hageln.

Das befürchtet auch Wolfgang Schumacher vom „Jakobshof” an der Stromgasse. Dort darf nur im Saal geraucht werden, im vorderen Bereich ist Nichtraucherzone: „Das Problem verlagert sich aus den Gaststätten in den öffentlichen Raum. Dann kommen vor allem nachts Klagen, dass der Lärm zu groß ist.”

Norbert Schiewald, Inhaber des „Kaktus” an der Pontstraße, hat nach dem ersten Gesetz 2008 sofort reagiert und den hinteren Bereich seiner seit 22 Jahren bestehende Eckkneipe mit erheblichem Aufwand abgetrennt, „inklusive einer komplett neuen Lüftungsanlage mit Aktivkohle-Filter”.

Als er dann aber merkte, dass die Kollegen wenig weiter nur die Schilder „Raucherclub” und „Ab 18 Jahren” an die Eingangstüre hängten und keine großen Kontrollen vorgenommen wurden, hat er sich mächtig geärgert: „Dann habe ich gesagt, wenn es tatsächlich keinen interessiert, dann mache ich eine Abstimmung unter dem Personal.” Und die fiel eindeutig aus: Sieben gegen Rauchen, zwei dafür.

Seitdem ist der „Kaktus” Nichtraucherkneipe, die erste in Aachen, möglicherweise in ganz Nordrhein-Westfalen. Einige Stammgäste seien daraufhin richtig sauer gewesen, abgewandert und hätten angekündigt, nicht mehr wiederzukommen - der Umsatz sank deutlich. Er jedoch habe sich besser gefühlt: „Es gibt nicht Überflüssigeres als Rauchen.”

Irgendwann hätten die Abtrünnigen aber gemerkt, dass es auch seine Vorteile hat, wenn die Kleider nicht nach Nikotin stinken und man morgens das Hemd wieder ins Büro anziehen kann. Schiewald: „Die Stammgäste sind alle wieder da.”
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