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Viel Rot setzt die Eisenbahnbrücke ins rechte Licht

Von: Heike Nelsen-Minkenberg
Letzte Aktualisierung:
Rot für Rothe Erde: Die Eisen
Rot für Rothe Erde: Die Eisenbahnbrücke am Bahnhof Rothe Erde ist in den vergangenen drei Jahren massiv umgestaltet worden. Das Ergebnis wurde zum Tag der Architektur vorgestellt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Als ich das erste Mal hier war, habe ich mich gewundert, dass alle anderen durch den Bahnhof gegangen sind und nicht unter der Brücke her. Auf der anderen Seite angekommen, wusste ich warum: Eine Taube hatte ausgerechnet auf meine Zeichnungsrolle gemacht”, sagt Architekt Markus Ulrich lachend.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Joachim Schmidt vom Architekturbüro „archigraphus” hat er in den vergangenen drei Jahren die Eisenbahnbrücke am Bahnhof Rothe Erde umgestaltet.

Mittels eines innovativen Lichtkonzepts haben die beiden das dunkle Loch in ein echtes Schmuckstück verwandelt und am Samstagabend zum Tag der Architektur präsentiert. Die Taubennester unter der Brücke sind inzwischen Geschichte. Sämtliche Tiere wurden friedlich in ein städtisches Taubenhaus umgesiedelt, die Brücke mit Netzen abgespannt. Danach konnte das archigraphus-Team so richtig loslegen und sein durchdachtes Lichtkonzept umsetzen. Als Grundfarbe dominiert Rot, sowohl bei dem Betonprallschutz als auch in der Beleuchtung. Klar, bei „Rothe Erde” ist das naheliegend.

Rote Erde im Pflanzbeet

Um die Verortung im gleichnamigen Stadtteil zu betonen, ist auch das Beet auf der Mittelinsel mit roter Erde gefüllt. „Es gibt darin eine Grundbepflanzung, die ab und zu durch ein paar Wildkräuter ergänzt wird - aber es ist uns wichtig, dass auch immer etwas von der roten Farbe der Erde sichtbar bleibt,” betont Joachim Schmidt. Eingefasst ist das Beet mit Cortenstahl - als Reminiszenz an die ehemalige Schwerindustrie im Viertel. Weiße Lichtbänder im Beet betonen den Verlauf der Trierer Straße. Denn die wurde von Napoleon bewusst als städtebauliche Achse gezogen und ist genau auf den Obelisken am Lousberg ausgerichtet.

Noch wichtiger ist aber die Eisenbahnstrecke, die oben auf der Brücke quert und durch archigraphus mit einem breiten grünen Lichtband in Szene gesetzt wird. „Es ist die erste internationale Eisenbahnlinie Europas überhaupt, die damals Köln mit Antwerpen verband”, erklären die Architekten. Der sogenannte „Eiserne Rhein” machte die Ansiedlung der Schwerindustrie in Aachen erst möglich. „Im Grunde genommen ist Aachen auch dadurch Großstadt geworden, dass hier dieser Standort Rothe Erde geschaffen wurde”, betont Joachim Schmidt.

Ein derart geschichtsträchtiger Ort hat die Neugestaltung mehr als verdient. Schade nur, dass an den Außenwänden unter der Brücke immer noch wilde Plakate kleben. Aber auch das sei in Angriff genommen, sagen die Architekten.

Inzwischen sitzen sie endlich mit den unterschiedlichen Inhabern der Werbeflächen an einem Tisch, die Plakatwände bekommen demnächst ein einheitliches Design - und dazwischen einen Infokasten, der das ganze Projekt und seine Bedeutung den Passanten erklärt, die sich endlich wieder unter der Brücke durch trauen.

Denn bei aller Durchdachtheit - erst einmal ist die Lichtinstallation einfach nur schön und lädt zum abendlichen Genießen ein. Das sehen auch die Einwohner des Viertels so. Schmidt und Ulrich freut es sehr, dass bisher noch kein Vandalismus vorgekommen ist. Im Gegenteil, oft bleiben Jugendliche sogar stehen und machen Handyfotos von „ihrer” Brücke.

Und weil das ganze Konzept so gut aufgegangen ist, planen die beiden Architekten schon das nächste Projekt in Aachen - diesmal in der Königstraße.
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