Aachen - Videokonferenz: Von Aachen aufs Forschungsschiff

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Videokonferenz: Von Aachen aufs Forschungsschiff

Von: Lee Beck
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Videokonferenz mit einem echten Forschungsschiff: Die Kinder der Grundschule Vaalser Quartier lauschen gespannt den Worten von Romain Meyer. Er erforscht im östlichen Pazifik die Erdkruste. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Gespannt schauen die Kinder der Grundschule Vaalserquartier auf die große Leinwand. Die Verbindung der Internettelefon-Software zum Forschungsschiff Joides Resolution irgendwo in der Nähe der Galapagosinseln im östlichen Pazifik ist noch etwas stockend. Es braucht zwei, drei Versuche, um zu diesem entfernten Ort auf der anderen Seite der Erde eine gute Verbindung aufzubauen. Aber dann ist er klar und deutlich zu hören und zu sehen: Wissenschaftler Romain Meyer.

Im Hintergrund ist es laut. Er läuft durch einen Gang zeigt den Kindern, wo zum Beispiel der Arzt auf dem Schiff seine Praxis hat. Die Augen der Kinder werden größer, die Münder stehen offen – Wer ist auch schon einmal an Bord eines echten Forschungsschiffs gewesen? Anfang Dezember startete die Joides Resolution in Costa Rica zu ihrer 60-tägigen Expedition. An Deck sind dreißig internationale Wissenschaftler, eben so viele Techniker und noch einmal eine sechzig-köpfige Crew.

„Hier wird für uns gekocht und die Betten werden auch gemacht, es ist wie in einem Traumland“, sagt der Geochemiker lächelnd. Bei ihm ist es jetzt mitten in der Nacht. Als er draußen auf dem Deck auf den Bohrer zeigt, ist es stockdunkel und das Meer schlägt hohe Wellen. „Wir arbeiten rund um die Uhr“, sagt 36-Jährige.

Doch was genau schaut er sich denn eigentlich da an? Die Joides Resolution führt tiefe Bohrungen am Rande der Erdkruste durch, und die Zusammensetzung des Gesteins gibt Aufschluss über den Ursprung der Erde. „Jede Probe wird in zwei Teile geschnitten, eins für uns und die andere Hälfte wird für die Zukunft archiviert, damit später, wenn neuere Techniken entwickelt sind, auch für diese Proben da sind“, erklärt Meyer den Schülern.

Denn das Gestein aus dem inneren der Erdkugel lässt weitreichende Schlussfolgerungen über die Entwicklung unseres Planeten über millionen von Jahren zu. „Was glaubt ihr passiert mit einem Styroporbecher in 5000 Metern Tiefe?“, fragt Meyer die Grundschüler und hält ein Exemplar hoch. Er zerbricht durch den hohen Druck, antworten die Kinder. Fast: Meyer hält einen zerquetschten Becher hoch. „So sieht er dann aus.“

Für die kleinen Naturwissenschaftler der dritten und vierten Klasse, die an der Begabtenförderung „Sachkundeunterricht Plus“ teilnehmen, ist es ein großer Moment. „Wir haben uns vorher viele Videos angeschaut und uns vorbereitet“, meint Ceana aus der vierten Klasse. Während Meyer durch Labore und über das Schiff führt, schreibt die Neunjährige eifrig und konzentriert mit. Vorher hat sie sich auch schon Fragen ausgedacht. „Herr Dewes hat gesagt, wir sollen uns Notizen machen“, meint sie stolz. Wilhelm Dewes ist der Leiter der Grundschule und für ihn ist dieser Austausch ebenfalls etwas ganz Besonderes: „Wir arbeiten hier mit sehr interessierten Kindern, die sich toll vorbereitet haben. Es ist wirklich eine einmalige Situation.“

Auf dem Weg durch das Schiff trifft Meyer viele andere Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die Stimmung an Bord ist entspannt. Draußen zeigt er den langen Bohrer, im Labor erklärt er den Kindern eine mikroskopische Aufnahme des Gesteins. „Die enthaltenen Mineralien und auch das Magnetfeld des Gesteins ist wichtig“, sagt Meyer. Auch Meyers Ehefrau Christiane konnte sich die Schiffsführung nicht entgehen lassen und kam deswegen an die Schule ihrer Tochter. „Für ihn ist diese Expedition definitiv ein Karrierehöhepunkt. Es ist sehr entscheidend für ihn ein Netzwerk aufzubauen. Aber auch die Veröffentlichungen in Fachzeitschriften werden in der Zukunft sehr wichtig sein“, sagt sie.

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