Aachen - VHS steht vor dramatischen Einschnitten

VHS steht vor dramatischen Einschnitten

Von: Gerald Eimer
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Aachen. Die Volkshochschule (VHS) Aachen muss erstmals Bewerber abweisen, die den Hauptschulabschluss nachholen wollen. Mindestens 100 Interessenten müssten laut Werner Niepenberg, Leiter der VHS, mit einem Platz auf der Warteliste vertröstet werden.

Auch im weiteren Angebot der VHS mit insgesamt gut 3000 Veranstaltungen sind Abstriche nicht mehr zu vermeiden - betroffen sind auch Sprach- und Alphabetisierungskurse. Damit wirken sich in Aachen die Kürzungen der Bundesregierung für Weiterbildungsmaßnahmen unmittelbar aus.

Um 35 Prozent hat die Bundesregierung die Mittel für die Weiterbildung und Förderung der Berufsfähigkeit zurückgefahren. Der Arge der Städteregion stehen demnach im nächsten Jahr nur noch 29 Millionen Euro zur Weitergabe an die städteregionalen Bildungsträger zur Verfügung, 2010 waren es noch 46 Millionen.

Die Folge für die VHS Aachen: Sie muss ein laut Niepenberg „hoch erfolgreiches Angebot” zusammenstreichen, weil ihm rund 400000 Euro aus dem Arge-Topf fehlen. Seine ganzen Hoffnungen ruhen nun auf der rot-grünen Landesregierung, die zumindest einige von der schwarz-gelben Vorgängerregierung verfügte Kürzungen wieder rückgängig machen will. „Vieles wird sich aber erst im Laufe des Jahres regeln”, sagt er.

Wegen der schwierigen Haushaltslage konnte die VHS bereits erste Dozentenverträge nicht mehr verlängern. Im VHS-Betriebsausschuss kündigte Niepenberg am Donnerstag für die nächsten Jahre weiteren Personalabbau an. Freiwerdende Stellen könnten nicht mehr besetzt werden, was spürbare Auswirkungen auf das Weiterbildungsangebot haben wird. Die breite Angebotspalette wolle er möglichst erhalten, sagt Niepenberg, die Menge der Kurse wird dennoch zurückgefahren werden müssen.

Die ersten konkreten Folgen bekommen nun Bewerber für einen Hauptschulabschluss aus dem ehemaligen Kreis zu spüren. Sie werden vorerst in Aachen nicht mehr angenommen. „Das ist zwar ein blödes Zeichen, aber wir wissen uns nicht mehr anders zu helfen”, sagt unter anderem Grünen-Politiker Hermann Josef Pilgram.

Er wirft vor allem der Arge vor, nicht ernsthaft genug nach Lösungsmöglichkeiten und anderen Finanzierungswegen gesucht zu haben. Auch die SPD-Politikerin Sibylle Reuß sieht die Rolle der Arge und des Geschäftsführers Stefan Graaf „sehr kritisch”. „Es ginge auch anders”, sagt sie. Die Arge gebe den Druck der Bundesregierung einfach „an die Schwächsten” weiter. „Das ist sehr unbefriedigend.”

Bedeutung nicht erkannt?

Wie sie glauben auch andere Politiker im VHS-Ausschuss, dass ihre Kollegen auf städteregionaler Ebene die sozialpolitische Bedeutung der VHS-Schulabschlüsse nicht erkannt haben.

Für die Linke spricht sich Matthias Fischer angesichts der prekären Lage der VHS für eine Abkehr von der bisherigen städtischen Sparpolitik aus. Die Zuschüsse der Stadt - derzeit eingefroren auf jährlich 4,1 Millionen Euro - müssten nun aufgestockt werden. Wer jungen Leuten die Ausbildung verweigere, müsse die Kosten später an anderer Stelle tragen.

Dagegen sprachen sich die anderen Fraktionen aus. Die Stadt könne nicht einfach draufsatteln und damit geradewegs in den Nothaushalt rutschen. Sibylle Reuß sieht vor allem die Bundesregierung in der Pflicht: Sie müsse die Steuermittel richtig umleiten und die Grundversorgung bei der Bildung sichern.
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