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Verwaltungsrat bremst Präsidenten aus

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Alemannia Aachen / Prof. Horst Heinrichs
Horst Heinrichs wird nicht mehr als Präsident vorgeschlagen - und steht auch nicht mehr zur Verfügung. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Sonntag war alles wie immer. Eine knappe Stunde vor Spielbeginn parkte Horst Heinrichs seinen Wagen direkt am Spielertrakt. Der schöne Stellplatz am Tivoli gehört zu den wenigen Privilegien des ehrenamtlich tätigen Alemannia-Präsidenten. Das schöne Privileg könnte aber auch bald Geschichte sein.

Nicht, weil der Verein nach den letzten sieben Heimspielen den alten Tivoli für alle Zeiten abschließt. Wie es derzeit aussieht, ist Heinrichs nach dem Umzug in die neue Arena nicht länger der Präsident des Gesamtvereins.

Kandidat der Fans

In der letzten Woche hat sich der Verwaltungsrat nach intensiver Debatte gegen ihn ausgesprochen. Der Verwaltungsrat ist das Gremium, das letztlich die Kandidaten für das Präsidium vorschlägt. „Ich schätze Horst Heinrichs, aber es gibt Überlegungen, die gegen ihn sprechen”, sagt der Vorsitzende des Verwaltungsrats Hubert Herwartz. Konkreter möchte er nicht werden.

Erst im Juni steht die Jahreshauptversammlung an, den Tagesordnungspunkt „Präsidentschaftskandidat” hatte Heinrichs indirekt selbst auf die Tagesordnung gesetzt. Kurz vor Weihnachten hatte er öffentlich seine Bereitschaft bekundet, erneut zu kandidieren. Vorgeschlagen hatte ihn die IG der Fans. Laut überarbeiteter Satzung reichen 50 Unterschriften für einen solchen Vorschlag aus. „Mit ihm haben wir die schwersten Zeiten des Vereins überstanden und gleichzeitig auch zwei Bundesliga-Aufstiege feiern können”, flochte ihm IG-Sprecher Dirk Heinhuis einige Lorbeerkränze.

Der Verwaltungsrat denkt anders. Dort stört man sich, so ist zu hören, an manchen Alleingängen des seit 2002 amtierenden Präsidenten. Im letzten Sommer, so berichten Funktionäre, habe Heinrichs verhindert, dass die etwa 10.000 Mitglieder per Brief zur laufenden Anleihenzeichnung aufgefordert werden. Heinrichs, der auch beim Tivoli-Spatenstich fehlte, sei gekränkt gewesen, weil er bei der Road-Show für die Anleihe kaum berücksichtigt worden sei. Das präsidiale Veto irritierte damals. „Darüber kann man irritiert sein, aber ich will den ganzen Vorgang heute nicht kommentieren”, sagt Heinrichs. „Nicht kommentieren” will er auch die aktuellen Vorgänge nicht. „Das ist die Sache des Verwaltungsrats, der den geeigneten Präsidenten vorschlagen muss.”

Im Verwaltungsrat schwingt noch eine andere Sorge mit: Heinrichs könne mit zwei Präsidiumsmitgliedern in den Aufsichtsrat einziehen und dort quasi eine klub-interne Opposition bilden.

Alle Parteien streben eine einvernehmliche Lösung „im Sinne des Vereins” an - sagen sie. Wie die aussieht?

Am Wochenende trafen sich Verwaltungsratsvorsitzender Hubert Herwartz und Heinrichs. Ein greifbares Ergebnis blieb aus, vorerst verzichtet der 62-Jährige nicht. „Das ist eine schwierige Situation”, sagt Heinrichs. „Ich muss mich erst mit einigen Leuten beraten.”An einem Kleinkrieg sei niemand interessiert, sagen beide Männer. Parallel laufen die Gespräche mit Nachfolgekandidaten an. Der Verwaltungsrat ist das Siebzentrum des Vereins. Herwartz: „Uns geht es darum, Kompetenz ins Boot zu holen.”

Ausgeschlossen ist bereits, dass der Vorsitzende des Aufsichtsrats der GmbH, Jürgen Linden, auch Präsident des Gesamtvereins wird. „Ich halte nichts von einer solchen Doppelfunktion”, sagt Aachens OB am Sonntagabend.

Protestveranstaltung?

Nun könnte es aber sein, dass die Hauptversammlung zu einer Protestveranstaltung wird, weil der auserkorene Lieblings-Kandidat der Fans nicht zur Wahl steht. So könnten auch honorige Kandidaten beschädigt werden. „Die Gefahr sehe ich”, sagt Herwartz, „das möchten wir unter allen Umständen verhindern.”
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