Verwaltung: Zahlen zur Campusbahn sind solide

Von: Heiner Hautermans
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Aachen. „Vorzeigeprojekt, Jahrhundertchance, persönlicher Traum”: Beim Tagesordnungspunkt 6, Campusbahn Aachen, verteilten die Mitglieder des Mobilitätsausschusses gehörige Vorschusslorbeeren.

Mit großer Mehrheit wurde schließlich beschlossen, das deutlich über 200 Millionen Euro teure Vorhaben weiterzuverfolgen. Die nächsten Schritte werden nun die Information und Beteiligung der Bürger sein, bevor für die etwa zwölf Kilometer lange Achse Uniklinikum-Brand die Planung für eine standardisierte Bewertung erarbeitet wird, die wiederum Voraussetzung für einen Förderantrag nach dem 2019 auslaufenden Gemeindefinanzierungsgesetz ist. Den Auftakt dabei macht eine Veranstaltung am 10. Februar, 19 Uhr, im Super C, Templergraben 57. Anschließend sollen Informationen in den Stadtbezirken erfolgen.

Das bedeutet aber lange noch nicht, dass die Stadtbahn nun kommen wird. Das wird von Zahlen abhängen: der Höhe der Investitionen, der Höhe der Zuschüsse und des städtischen Eigenanteils. Bei den bisherigen Ansätzen kommt man auf 224 bis 237,5 Millionen Euro. Bei einer Länge von 12,263 Kilometer und Kosten von 10,5 Millionen pro Kilometer ergeben sich 128,8 Millionen für den Fahrweg, je nach zu bestellender Menge 54 bis 67,5 Millionen Euro für die Fahrzeuge, 24 Millionen für den Betriebshof, dazu noch 17 Millionen für Planung und Nebenkosten. Diese Zahlen seien eher konservativ gerechnet und belastbar, versicherte Planungsdezernentin Gisela Nacken, außerdem habe man sich fachkundigen Rats der Kölner Verkehrsbetriebe versichert: „Wir meinen, dass wir uns solide bewegen.”

Viele Vorzüge

Vielfach wurden in der Sitzung die Vorteile einer Stadtbahn hervorgehoben. Einmal ist das bestehende Bussystem (30.000 Passagiere allein täglich auf dem Adalbert-steinweg) an Kapazitätsgrenzen angelangt, Mehrbedarf entsteht durch die 10.000 neuen Arbeitsplätze, die in den Campus-Projekten entstehen sollen, viele junge Leute steigen auf öffentliche Verkehrsmittel um, Öl und Diesel sind endlich, die kritischen Luftmesswerte können gesenkt werden, die Elektrobahn ist bequemer als „der wackelige Bus”.

Innerhalb des Grabenrings sollen die Triebwagen ohne Oberleitung fahren, außerhalb werden sie angeschlossen und aufgeladen. Diese Ausweitung der elektrischen Mobilität wurde hervorgehoben, an den alle zwei Kilometer aufzustellenden Ladestationen könnten beispielsweise auch mit Strom betriebene Pkw aufgetankt werden.

Widerstand gegen das Mammutprojekt kam lediglich aus den Reihen der FDP. Daniel George meinte, dass man in Aachen zu wenig Platz und Geld dafür habe. Massive Platzprobleme werde es auf dem Adalbertsteinweg und der gerade erst fertiggestellten Trierer Straße geben, befürchtete er: „Man kann sich das Projekt schön rechnen und fotoshoppen.” Die Liberalen sprachen sich stattdessen für ein innovatives Bussystem aus. Ruth Crumbach-Trommler fürchtete, dass die Stadtbahn für einen Haushalt mit derartigem Defizit eine Numer zu groß ist: „Wenn wir die Mittelbewilligung erreicht haben, hören wir auf zu rechnen.”

Belastbare Zusagen

Dem widersprachen die anderen Fraktionen vehement. Man werde sehr genau prüfen, ob man sich die Campusbahn leisten könne. So wurde ausdrücklich beschlossen, eine Entscheidung für oder gegen den Bau erst dann zu treffen, „wenn belastbare Zusagen für die eingeworbenen Fördermittel vorliegen und die finanziellen Auswirkungen für die Stadt Aachen abschließend bewertet werden können”. Mit dieser Formulierung versuchten alle Fraktionen, die Liberalen noch ins Boot zu holen, doch die beiden Ratsvertreter verweigerten sich und stimmten dagegen.
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