Verwaltung will die Prostitution im „Sträßchen” zurückdrängen

Von: Heiner Hautermans
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Beste Innenstadtlage und doch seit Jahrzehnten ein trostloser Anblick: Die Antoniusstraße soll nun etwa zur Hälfte zum Sperrbezirk erklärt werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Spitze der Stadtverwaltung will die Prostitution in der Innenstadt eindämmen. Deshalb soll etwa die Hälfte der Antoniusstraße zur Sperrzone erklärt und städtebaulich aufgewertet werden. Ein Jahr lang habe man sich mit dem Thema beschäftigt und wolle nun Nägel mit Köpfen machen.

Begründet wird der Vorstoß mit dem Jugendschutz. Angestrebt wird das Zieldatum Anfang 2011, bis dahin soll die Ausdehnung der Sperrbezirksverordnung nach der Vorstellung von Oberbürgermeister Jürgen Linden umgesetzt sein. Die letzte Entscheidung trifft die Bezirksregierung in Köln.

Es handele sich um ein Thema, das „die Stadt seit mehr als einem Vierteljahrhundert bewegt”, leitete der OB die Pressekonferenz im Rathaus ein. In der Tat hatte es seit Jahrzehnten diverse Vorschläge gegeben, das Rotlichtmilieu aus dem Herzen der Stadt zu entfernen und in ein Bordell an die Peripherie zu verlagern.

Entsprechende Anregungen waren zuletzt von der SPD und der FDP gekommen, die das „Sträßchen” von beiden Enden her aufrollen wollten. Zumindest vom oberen Ende, also der Nikolausstraße her, folgt die Verwaltungsspitze jetzt den Vorschlägen.

Das Verbot in den Häusern Antoniusstraße 3-13 solle nur ein erster Schritt in Richtung eines vollständigen Verbots der Prostitution in der gesamten Straße sein, sagte Linden weiter. Wann das geschehe, sei allerdings offen: „Das wird die Zeit erbringen, ob in drei, fünf oder acht Jahren.”

Freilich sei das Verfahren nicht einfach, deshalb habe es geraume Zeit gedauert, es in die Wege zu leiten. In der Begründung beruft sich die Stadt hauptsächlich auf den Jugendschutz, immerhin ist nebenan auf dem Gelände des bisherigen Parkhauses Büchel ein Trendkaufhaus namens Bel Etage geplant. Rechtsdezernentin Annekathrin Grehling brachte die Sache auf den Punkt: „Es geht darum, dass ein 14-Jähriger, der einkauft, nicht automatisch dorthin sehen muss.”

Vom künftigen Kaufhaus, das für eine städtebauliche Aufwertung sorge, nämlich hat man einen direkten Blick auf die bisherige Rotlichtmeile. Nicht verhindern könne und wolle man, etwa durch den hin und wieder geforderten Sichtschutz, dass ein neugieriger 17-Jähriger einen Blick ins Milieu werfen könne.

Keine Auslagerung

Das städtische Grundstück an der Ecke Antoniusstraße/Nikolausstraße, auf dem heute noch ein Teil des Betriebshofs untergebracht sei, solle an private Investoren verkauft werden, außerdem gebe es Anfragen für Nutzungsänderungen einzelner Grundstücke zwischen der benachbarten Kleinkölnstraße und der Antoniusstraße, denen die jetzige Rotlichtmeile entgegenstehe. Eine Auslagerung des Bordells an eine andere Stelle ist nach Einschätzung von Linden nicht erforderlich, weil „die Frequenz in den letzten Jahren zurückgegangen” sei: „Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir diese Hälfte nicht mehr brauchen.”

Zunächst will man den Vorstoß, wahrscheinlich im September, in die zuständigen politischen Gremien, Hauptausschuss und Rat, bringen, bevor die Erweiterung der Sperrgebietsverordnung nach Köln weitergeleitet wird. Die Bezirksregierung nämlich hat das letzte Wort. Allerdings hat jeder Hauseigentümer das Recht, gegen das Prostitutionsverbot zu klagen. Und ob das aufschiebende Wirkung haben könnte, diese Frage konnte auch Jurist Linden nicht eindeutig beantworten: Aber das werde sich wohl bis zur geplanten Umsetzung Anfang 2011 klären lassen.
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