Verwaltung uneins in der Standortfrage

Von: Gerald Eimer und Margot Gasper
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Aachen. Zwei Tage vor der Ratsdebatte über die räumliche Zukunft der David-Hansemann-Realschule zeigt sich die Verwaltungsspitze von ihrer unentschiedenen Seite.

Während die Fachverwaltung unter Leitung der neuen Dezernentin Susanne Schwier den Umzug in die Eintrachtstraße favorisiert, hat Oberbürgermeister Marcel Philipp betroffenen Schülern per E-Mail Hoffnung gemacht, an der Sandkaulstraße bleiben zu können.

Den Schiedsrichter sollen die Politiker am Mittwoch im Rat spielen. Erst am Montag wurde den Politikern die Verwaltungsvorlage als Entscheidungsgrundlage zugeleitet. „Wir legen die Gesamtlage sachlich dar und stellen die Alternativen für die Realschule zur Abstimmung“, sagte Schwier.

Die Gesamtlage heißt: Die auslaufende David-Hansemann-Realschule mit ihren ab Sommer noch rund 180 Schülern soll aus ihrem Gebäude raus, um Platz zu machen für die vierte Gesamtschule. Gerne hätte man seitens der Verwaltung eine geräuschlose Einigung herbeigeführt, doch dazu waren die beiden Schulen nicht in der Lage.

Zwischenzeitlich wurde die Realschule vor die Wahl gestellt, entweder in die Pavillons der Gesamtschule oder in die Räume der ehemaligen Grundschule Eintracht­straße zu ziehen. Aus Sicht von Schuldezernentin Schwier spricht alles für die Eintrachtstraße: „Das hätte pädagogische, organisatorische und wirtschaftliche Vorteile.“

Denn nicht nur Baulärm und Dreck blieben dort den Realschülern erspart, auch die Nähe zur Hugo-Junkers-Realschule könnte der geschrumpften David-Hansemann-Schule zugute kommen. Anders hat sich zwischenzeitlich der Oberbürgermeister positioniert, wie er am Montag auf Nachfrage der „Nachrichten“ bestätigte.

„Ich halte die Lösung mit den Pavillons für verträglicher“, sagte er – wohl wissend, dass die Lösung Eintrachtstraße „konsequenter wäre“. Aber man müsse eben auch den Willen der Schule einbeziehen. Angesichts der Proteste, mit denen Schüler, Eltern und Lehrer unter Verweis auf frühere Versprechen jeglichen Umzug verhindern wollen, bleibt die Frage, ob der Oberbürgermeister diesem Willen tatsächlich gerecht werden kann. „Wir haben keine Lösung, mit der alle leben können“, weiß auch er.

Unterdessen wurde offenbar auch Schwier von der neuen Meinung des Oberbürgermeisters überrascht. Von dessen Antwortschreiben an die Schüler wusste sie offenbar nichts. Das Thema werde heute im Verwaltungsvorstand besprochen, „dann werde ich erfahren, was der Oberbürgermeister gesagt hat“, meint sie.

Gerade mal zwei Monate im Amt, kann Schwier mit dem Schulstreit an der Sandkaulstraße erste Erfahrungen mit den Fallstricken Aachener Lokalpolitik sammeln. „Streit ist in Ordnung“, sagt sie, „aber jetzt müssen wir zu einem vernünftigen Ergebnis kommen.“

„Intensiver diskutieren“

Dafür sollen die Politiker sorgen, deren Fraktionen am Montagabend die Linie für die morgige Ratssitzung (ab 17 Uhr im Rathaus) abgesteckt haben. Allerdings zeichnet sich ab, dass die Politik, die im März noch einmütig für die Eintrachtstraße votierte, die Entscheidung vertagen wird.

„Wir werden am Mittwoch keinen Beschluss fassen können“, erklärte der schulpolitische Sprecher der CDU, Peter Tillmanns. Vielmehr werde man die Verwaltung bitten, erneut sehr intensive Gespräche mit der Schule zu führen. Ziel müsse sein, alle Beteiligten mitzunehmen. „Wir wollen nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden.“

Die Grünen halten einen Umzug an die Eintrachtstraße zwar nach wie vor für die „vernünftigste Alternative“, wie Sprecherin Ulla Griepentrog am Abend mitteilte. Allerdings dürfe man nicht allein auf die Raumfrage schauen. „Uns fehlt das inhaltliche Konzept für die Eintrachtstraße“, sagte Griepentrog, „das müssen wir intensiver diskutieren.“ Mehr Zeit sei nötig.

„Wir sind ganz beim OB, wenn er noch eine Möglichkeit sieht, die Realschüler an der Sandkaulstraße zu lassen“, erklärte Schulpolitiker Bernd Krott nach der Fraktionssitzung der SPD. „Die Verwaltung muss uns aber genauere Informationen geben.“ Schließlich gebe es ernsthafte Bedenken gegen die Pavillons. „Sind diese Infos nicht bis Mittwoch zu liefern, dann soll der Rat erst im Mai entscheiden“, sagte Krott

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