Aachen - Versuch wird beendet: Bitteres Aus für feinherbes Degraa

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Versuch wird beendet: Bitteres Aus für feinherbes Degraa

Von: Heiner Hautermans
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Helmut Schwichtenberg (l.) und Otto Schneider starteten Mitte 2011 mit großen Hoffnungen. Neben dem feinherben Pils sollte auch wieder ein obergäriges Lagerbier aufgelegt werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es hat nicht sollen sein. Knapp drei Jahre haben Helmut Schwichtenberg und Otto Schneider versucht, eine legendäre Marke in Aachen neu zu etablieren, das Degraa-Bier. Der Versuch ist auch nicht schlecht angelaufen, in 40 Supermärkten wird das von ihnen nach einer Marktforschung neu komponierte Pils heute verkauft.

Doch der große Sprung ist nicht gelungen. Das Ziel der beiden gelernten Brauer war es nämlich, eine eigene Brauerei zu errichten und andere Bierspezialitäten herzustellen. „Leider konnten wir keine geeigneten Investoren dafür begeistern“, erklären die beiden Geschäftsleute im Internet. Deshalb ist jetzt Schicht am Firmenstandort Süsterfeldstraße 21, gegenüber dem Bendplatz: „Leider müssen wird mitteilen, das wir zum Monatsende die Herstellung und den Vertrieb von Degraa-Pils einstellen.“ 400 Bierkästen sind noch auf Lager, die werden noch verkauft. Als Dank gibt es pro Kasten einen Karton mit sechs Degraa-Gläsern als Geschenk.

Die Verbundenheit der Aachener mit ihrem Bier ist wieder groß. Schwichtenberg: „Die Leute kommen mit dem Hänger vorbei und holen kistenweise Bier.“ So ähnlich war es auch, als das Traditions-Mineralwasserunternehmen Kaiserbrunnen seine Pforten schloss. Dennoch kommt dem 49-Jährigen das Wort „Aus“ nur schwer über die Lippen. „Die Firma Degraa GmbH existiert weiter. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt.“ Zunächst aber ist Schluss, suchen sich die beiden Gesellschafter einen neuen Job und sind natürlich auch etwas enttäuscht, dass ihr Versuch misslungen ist. Zumal mit dem Namen Degraa ganz viel Lokalhistorie verbunden ist.

Helmut Schwichtenberg ist Ururenkel des Josef Degraa, der 1888 die Brauerei Degraa Erben KG am „Bärenhof“ in der Königstraße gegründet hatte, sein Vater Karl-Heinz, letzter Degraa-Braumeister, führte mehr als 20 Jahre lang das Degraa am Theater. Oma Käthe Schwichtenberg war mehr als 25 Jahre lang die allseits beliebte Chefin im Degraa-„Os Oche“ am Hansemannplatz. Legendär auch der Großonkel, Vereins- und Lokalpatriot Willy Vonderbank, der trotz aller Aufrufe „Öcher, drenkt Öcher Bier“ mit seinem obergärigen Lagerbier 1989 der kölschen Übermacht weichen musste. Die durstige Dom-Brauerei schluckte Degraa. Später ließen die Kölner die Firma im Handelsregister löschen. Den Namen aber ließ sich Nachfahre Helmut Schwichtenberg 2007 beim Marken- und Patentamt München sichern, es kam in Mode, alte regional-lokale Biermarken zu reaktivieren. 2011 erfolgte der Neustart. Gebraut wurde im Lohnauftrag in Krefeld.

Wenn er selbst die Mittel für eine eigene Privatbrauerei gehabt hätte, hätte er nicht gezögert, doch die Banker hätten das Geld nicht herausgerückt, sagt Schwichtenberg. Dabei wollte man sich bescheiden: 20 Hektoliter sollte der Sudkessel groß sein, der bei der Bitburger fasst 1000 Hektoliter, zum Größenvergleich. „Der Markt ist hart, der Kunde ist sehr preisbewusst“, nennt er einen weiteren Grund für den Rückzug: „In Deutschland gibt es die billigsten Lebensmittel.“

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