Sporter des Jahres Freisteller Sportlerwahl Sportlergala Freisteller

Verordnung: 16.000 Holzöfen sollen bald entschärft werden

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
brenn-bu
Die Zahl der Kamin- und Kachelöfen in Aachen wird auf bis zu 16.000 geschätzt. Um die Luftverhältnisse im Talkessel zu verbessern, sollen jetzt per Verordnung Grenzwerte eingeführt werden. Foto: ddp

Aachen. Aachens hochverschmutzte Luft muss sauberer werden. Neben verkehrlichen Maßnahmen (etwa Teilsperrung der Wilhelmstraße) sollen die Belastungen durch eine verschärfte Brennstoffverordnung für Holz- und Kohleöfen deutlich reduziert werden.

Durch die Lage in einem Talkessel ist nämlich die westlichste Großstadt der Bundesrepublik lufthygienisch stark belastet, allzu häufig werden die zulässigen Grenzwerte etwa für Feinstaub oder Stickstoffoxid überschritten. Die Verwaltung schätzt, dass sich in Aachen 12.000 bis 16.000 Holzfeuerungsanlagen befinden, die bis zu 20 Prozent zur lokalen Feinstaubbelastung beisteuern.

Die Festbrennstoffverordnung soll deshalb ein wichtiges Signal für Klimaschutz und Emissionsarmut beim Heizen mit Holz setzen. Und beispielsweise dafür sorgen, dass die Zahl der Überschreitungstage an der Wilhelmstraße (zurzeit 48 pro Jahr, erlaubt sind 35) um sechs bis 18 zurückgeht.

Das Thema steht am nächsten Dienstag auf der Tagesordnung des Ausschusses für Umwelt und Klimaschutz, der sich auch im Mai letzten Jahres schon einmal damit beschäftigt hatte, aber für Vertagung stimmte. Durch die Einbeziehung der einschlägigen Verbände wie Handwerkskammer, Schornsteinfegerinnung oder Verband des Brennstoff- und Mineralölhandels, ist der seinerzeit vorgelegte Verwaltungsentwurf deutlich verändert worden.

Er ist schon von der Bezirksregierung in Köln positiv geprüft worden, so dass von einer vorgeschriebenen Genehmigung nach der Verabschiedung durch den Rat ausgegangen werden kann.

Grünes Licht

Eine Zustimmung der Politik zeichnet sich nämlich ab. CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal: „Wir haben das in der Fraktion beraten und grünes Licht gegeben.” Auch die Grünen als Koalitionspartner können damit „gut leben”, sagt Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig: „Ziel ist es, in einem Zeitraum von mehreren Jahren veraltete Feuerstellen gegen moderne auszutauschen.”

Bei der größten Oppositionspartei, der SPD, hat man noch nicht entschieden. Ratsherr Claus Haase: „Wir werden das am Montag in der Fraktion besprechen.” Er zeigte sich allerdings skeptisch bezüglich der Durchsetzung der Verordnung: „Werden wir dann Leute einstellen, die in den Einfamilienhäusern riechen gehen?”

Die Verwaltung jedoch setzt große Stücke auf die Brennstoffverordnung und bezeichnet sie in ihrer Vorlage als „lufthygienisch wirksam und ausgewogen mit Blick auf die Bürgerinteressen”. Sie liefere wichtige Impulse für „Städte mit vergleichbaren kritischen Luftschadstoffproblemen und entfaltet damit überregionale Bedeutung”.

Kernpunkte der Verordnung sind unter anderem Grenzwerte für neue Holzheizanlagen und Übergangsregelungen für Altanlagen. Moderne Systeme, etwa mit Holzpellets, sind vergleichsweise emissionsarm und erzielen vor allem einen Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent, so dass sie häufig das Umweltsiegel „Blauer Engel” erhalten.

Die Kosten für Nachrüstsysteme (Staubabscheider und -filter) beziffert die Verwaltung auf 800 bis 1200 Euro pro Einheit. Problematisch sind vor allem ältere Einzelraumfeuerungen als Zusatzheizungen, die hohe Emissionen verursachen.

Die Gesamtzahl dieser Öfen wird auf 15 Millionen in Deutschland geschätzt, ihr Feinstaubausstoß ist insgesamt genauso hoch wie der der Motoren der gesamten Kfz-Flotte. Zunehmend gibt es laut Verwaltung auch Klagen von Bürgern über „Stinker” in der Nachbarschaft.

Ausnahmeregelungen

Nicht betroffen von der Verschärfung sind offene Kamine, sie dürfen allerdings nach geltender Rechtsprechung ohnehin nur gelegentlich (maximal an acht Tagen pro Monat für jeweils fünf Stunden) betrieben werden. Für Anlagen wie Kachelöfen oder gemauerte Grundöfen, für die es noch keine Nachrüsttechnik gibt, werden Ausnahmeregelungen geschaffen.

In einer Kampagne „mitmachen.durchatmen” sollen Hausbesitzer und Mieter über die Problematik informiert und einbezogen werden. Die Grenzwerte der Aachener Verordnung entsprechen denen, die ab 2015 auf Bundesebene gelten sollen. Die Prüfung und Einhaltung der Verordnung soll vorwiegend durch Schornsteinfeger erfolgen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert