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Vernichtung von Lebensmitteln: Verbot gefordert

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
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Das Aktionsbündnis „Containern ist kein Verbrechen“ kämpft dafür, die Lebensmittel retten zu dürfen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Bundestag soll mit Blick auf das „Containern“ den Diebstahlparagrafen aufheben und die Menschen, die sich Lebensmittel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum aus Containern holen, nicht weiter kriminalisieren. Das wünscht sich das Aachener Aktionsbündnis „Containern ist kein Verbrechen“.

Laut Christian Walter, Vertreter des Bündnisses, sind rund 50.000 Unterschriften notwendig, um eine entsprechende Petition einzureichen. Er ist optimistisch, dass das gelingen wird. Am Elisenbrunnen machte das Aktionsbündnis am Wochenende einmal mehr auf sein Anliegen aufmerksam.

„Öffentliche Debatte befeuern“

„Wir containern, damit es keine Container mehr gibt“, sagt Christian Walter. Er und seine Mitstreiter wollen Druck aufbauen und die „öffentliche Debatte über die Vernichtung von Lebensmitteln befeuern“. Dass nach ihren Angaben jährlich rund elf Millionen Tonnen eigentlich genießbare Lebensmittel auf dem Müll landen, wollen sie nicht hinnehmen.

Aus Protest organisieren sie regelmäßig Container-Touren und versorgen sich mit all dem, was noch zu genießen ist. Als vor zwei Jahren zwei junge Aachener angezeigt wurden, weil sie „containert“ haben, entstand aus Protest gegen diese Entscheidung das Aachener Aktionsbündnis „Containern ist kein Verbrechen“.

Laut Christian Walter wurde das Gerichtsverfahren gegen die zwei jungen Leute immer wieder verschoben. Sie sind des „schweren Diebstahls“ angeklagt und müssen sich nun voraussichtlich am 9. Juni vor Gericht verantworten. „Und das geht gar nicht“, meint auch Jörg Bergstedt, der aus Gießen angereist ist, um die Aachener zu unterstützen. Seiner Meinung nach muss man bei den weggeworfenen Lebensmitteln von einer „herrenlosen Sache“ sprechen, und dann sei es kein Diebstahl. Das Aktionsbündnis zeigt sich durchaus optimistisch, was die entsprechende Gesetzesänderung betrifft, und verweist auf die Unterstützung unter anderem durch den Bundesvorstand der Linken.

Nach Meinung des Aktionsbündnisses steht die Politik auf der Seite der großen Konzerne, statt gegen die Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Und immer wieder würden Leute angezeigt, die die noch genießbaren Lebensmittel aus den Containern holen, „um sie so letztendlich zu retten“. „Unsere riesige Wegwerfgesellschaft rechnet sich im Kapitalismus“, sagt Bergstedt und spielt darauf an, dass eine gewisse Überproduktion an Lebensmitteln kalkuliert ist. „Es ist immer noch billiger, Lebensmittel zu vernichten, als sie sinnvoll zu verteilen“, meint er. „Wir können die Probleme nur lösen, wenn wir die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern“, fügt er noch hinzu.

Das Aktionsbündnis „Containern ist kein Verbrechen“ fordert die sofortige Einstellung des Verfahrens gegen die zwei Aachener, die Entkriminalisierung des Containerns und ein Verbot, genießbare Lebensmittel aus Landwirtschaft, Handel und Industrie zu vernichten.

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