Vermisst: Zwei alte Bekannte fehlen im neuen Elisengarten

Von: Werner Breuer
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Umgezogen ins Depot: Der „Flötenspieler” von Matthias J. Corr wird bei der Stadt zwischengelagert, die weitere Verwendung der Figur ist noch unklar. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Zwei alte Bekannte hat Hubert Jansen im neuen Elisengarten nicht mehr wiedergefunden. Er vermisst den „Flötenspieler” und den „Sämann”. Vor der Umgestaltung standen die beiden Skulpturen noch in dem kleinen Park hinter der Rotunde des Elisenbrunnens.

Dass die einst eher versteckte Grünanlage in zentraler Lage nun etwas offener geworden ist, begrüßt auch Jansen. „Das gefällt mir alles ganz gut.” Nur wüsste er eben gerne, was aus den beiden vertrauten Figuren geworden ist. „Sie passten nicht mehr ins Konzept des neuen Elisengartens”, sagt Axel Costard vom städtischen Presseamt.

Klingt plausibel: Schließlich wurde das Vorgängermodell der Anlage in der Nachkriegszeit nach den damals zeitgemäßen Vorstellungen gestaltet. Der Sämann des Künstlers Fritz Klimsch bezog im Mai 1955 dort seinen Posten, ein Jahr darauf kam der Flötenspieler von Matthias J. Corr, der zuvor im Farwickpark gestanden hatte, nach. Allerdings dürfte der Sämann des Bildhauers Klimsch (1870-1960) bei seinem Einzug in den Elisengarten schon kein junger Mann mehr gewesen sein.

Nach den Erkenntnissen des Aachener Stadtarchivs stammt die Figur aus dem Jahr 1910 und gehörte zur Sammlung eines gewissen Major von Lüttiz. Später sei sie in London vom Architekten Walter Brune aufgekauft worden. Auf welchen Wegen der Sämann dann in den Elisengarten gelangte, kann man im Stadtarchiv ebensowenig auf die Schnelle sagen wie den Zeitpunkt seines Verschwindens. Jedenfalls war er schon weg, als die Archäologen im Sommer vergangenen Jahres mit ihren Schaufeln im Elisengarten anrückten, um vor dessen Umbau nach Hinterlassenschaften der Altvorderen zu suchen.

In einem Buch über Aachens Brunnen und Denkmäler aus dem Jahr 1986 taucht die Skulptur des in den 1930er Jahren renommierten Bildhauers Klimsch noch auf. „Das war eine Leihgabe”, sagt Presseamtsmitarbeiter Costard, „sie wurde inzwischen zurückgegeben.” Im Stadtarchiv weiß man derweil, dass der Sämann inzwischen in Düsseldorf gelandet ist. Ein Werk über die „Kunststadt Düsseldorf” aus dem Jahr 2006 nennt als Standort den Clemens-Markt in Kaiserswerth.

Irgendwann in den 20 Jahren zwischen 1986 und 2006 muss also Hubert Jansen den ersten seiner beiden alten Bekannten aus den Augen verloren haben.

Den zweiten sieht er zwar jetzt auch nicht mehr, aber er ist immerhin noch in der Stadt. „Der Flötenspieler ist bei uns sicher verwahrt”, verspricht Axel Costard. Vor dem Umbau wurde im Jahr 2008 die Skulptur des 1880 geborenen Bildhauers Matthias J. Corr von ihrem angestammten Platz nahe dem Restaurant abmontiert und ruht seither in einem städtischen Depot. Unterdessen versucht man im Stadtarchiv, die Spur des Flötenspielers zurückzuverfolgen.

Corr, der zeitweise in Aachen lebte, hatte die Bronzefigur in den 1920er Jahren geschaffen. Sie wurde offenbar mehrfach gegossen, Exemplare tauchten laut der Internet-Enzyklopädie Wikipedia bei Gartenbauausstellungen in Dresden 1926 und in Liegnitz 1927 auf.

Was aus dem 1956 im Aachener Elisengarten postierten Flötenspieler wird, ist ungewiss. Laut Axel Costard ist er nur „zwischengelagert”. Eine „weitere Verwendung” ist „noch unklar”. Vielleicht wird er irgendwann wieder zeitgemäß.
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