Verkehrsplaner fahnden nach Geldquellen

Von: Gerald Eimer
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Die Leistungsfähigkeit der Busflotte soll unter anderem durch neue Trassen gesteigert werden, auch am Adalbertsteinweg. Foto: Harald Krömer
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Aseag-Chef Michael Carmincke vor dem Modell „Capacity“: Der neue Bus wird schon auf den Hochschullinien eingesetzt.

Aachen. Der Blick der Aseag-Verantwortlichen schweift in diesen Tagen etwas neidvoll nach Mainz: Dort haben soeben die Vorbereitungen für den Bau der sogenannten Mainzelbahn begonnen – eine neue Straßenbahnverbindung vom Hauptbahnhof zum Lerchenberg.

Rund 44 Millionen Euro schießt die Bundesregierung zu – Geld, das die Aseag-Spitze gemeinsam mit Politik und Verwaltung zu gerne nach Aachen gelenkt hätte, um damit die Campusbahn zu realisieren.

Bekanntlich machten die Aachener den Planern einen Strich durch die Rechnung. Die Skepsis und der Sparwille der Bürger, der sich in einem deutlichen Nein zur Campusbahn niederschlug, beglückt nun in jeder Hinsicht die Mainzer, die mit Bundeshilfe auf ein deutliches Fahrgastplus, hohe Energieeinsparungen und bessere Luftqualität dank einer modernen Elektrobahn hoffen können.

Derweil müssen Aachens Verkehrsexperten umdenken und nach neuen Lösungen für einen umweltfreundlichen Nahverkehr suchen, mit dem zugleich Kapazitätssteigerungen möglich sind. „Nur weil die Campusbahn nicht kommt, sind unsere Probleme ja nicht gelöst“, sagt Aseag-Chef Michael Carmincke, dessen Vertrag soeben verlängert wurde, und der nun mindestens fünf weitere Jahre Zeit hat, neue Verkehrsstrategien zu entwickeln. Sein Problem: „Das kostet Geld, und das fehlt uns.“

Ohne Fördermittel wird es auch in Zukunft nicht gehen. Und so sind Carmincke und zahlreiche weitere Verkehrsexperten, darunter viele aus dem Hochschulbereich, derzeit damit befasst, mit überzeugenden Projekten Fördergelder nach Aachen zu lenken. Sie tragen Namen wie „Civitas Dynamo“ oder „eMove“ und sollen Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft geben.

Individualverkehr begrenzen

Wichtigstes Ziel ist es, den Individualverkehr zu begrenzen und den Menschen alternative Fortbewegungsmittel zu bieten. „Nur 19 Prozent aller Wege werden mit Bussen zurückgelegt“, sagt Carmincke. „Da ist noch Luft nach oben“, meint er mit Blick auf den Anteil der Autos, in denen die Aachener bislang noch gut die Hälfte aller Wege zurücklegen. „Wir müssen die Bedürfnisse der Menschen besser erfüllen“, sagt Carmincke, dann könne auch der Marktanteil gesteigert werden.

Nötig ist das unter anderem deshalb, weil die Luftqualität in Aachen schwer zu wünschen übrig lässt. Wenn nicht schnell etwas geschieht, wird eine Umweltzone nicht länger zu verhindern sein.

Gegen die großen Freiheitsversprechen und die aufwendigen Marketingkampagnen der Autolobby ist zwar schwer anzukommen, doch kampflos wollen Carmincke und die Seinen nicht aufgeben. Mit neuen „Kombiprodukten“ will man spätestens 2016 am Markt sein, und den Fahrgästen je nach Bedürfnis stets das richtige Verkehrsmittel anbieten: Bus, Fahrrad oder Auto – alles kann dann aus einem Guss per Chipkarte oder Smartphone jederzeit gebucht und genutzt werden. Dafür sollen Bussystem, E-Bike-Verleih und Carsharing eng vernetzt werden. Die neue Mobil-App, die dafür erarbeitet wird, hat den Segen des Bundesministers für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel (SPD).

Parallel dazu arbeitet die Aseag laut Carmincke derzeit daran, „Teile des Campusbahn-Konzepts mit Bussen zu realisieren“. Die Leistungsfähigkeit der Busflotte soll unter anderem durch neue Trassen gesteigert werden, so etwa am Campus-Melaten, am Kaiserplatz, am Willy-Brandt-Platz, am Bushof und wohl auch am Adalbertsteinweg. Ampelbevorrechtigungen und zurückgebaute Busbuchten sollen zusätzlichen Zeitgewinn bringen.

Größere Fahrzeuge mit mehr Stehplätzen sollen zudem Kapazitätssteigerungen ermöglichen. Erfolgreich eingesetzt wird bereits das neue Bus-Modell „Capacity“ auf den Hochschullinien. Etwas länger als ein Gelenkbus und etwas kürzer als der „Long Wajong“ bietet das Fahrzeug Platz für gut 180 Fahrgäste. Das größere Stehplatzangebot ermögliche zugleich einen schnelleren Fahrgastwechsel, was sich vor allem im Unibereich bewähre.

Und dann ist da ja auch noch der Anspruch, mehr für den Klimaschutz zu tun. Spätestens bis nächstes Jahr will die Aseag in Zusammenarbeit mit der Aachener Futavis GmbH erstmals einen Gelenkbus zum Voll-Elektrobus umrüsten und im Linienverkehr einsetzen, kündigt Carmincke an. Die Batterieleistung dürfte zunächst für kaum mehr als eine 50 Kilometer lange Strecke reichen, was noch weit entfernt von der benötigten Tageslaufleistung von rund 230 Kilometern entfernt ist. Dennoch sieht man sich auf einem guten Weg mit dem Elektromotor „made in Aachen“.

Was fehlt, ist die Lade-Infrastruktur für Elektrobusse, die seinerzeit zusammen mit der Campusbahn geschaffen werden sollte. Nun muss sie anderweitig finanziert werden – Mainz lässt grüßen.

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