Aachen - Verheyen sorgt sich ums Wasser der Aachener

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Verheyen sorgt sich ums Wasser der Aachener

Von: Gerald Eimer
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Garant für Qualität: Ralf Paulus, Leiter des Stawag-Wasserlabors, erläuterte der Europaabgeordneten Sabine Verheyen, welche Untersuchungen im Labor vorgenommen werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Beim Kaffekochen erlebt die CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen jeden Morgen den Unterschied: In Brüssel nimmt sie das Wasser lieber aus der Flasche, in Aachen schmeckt der Kaffee auch mit Leitungswasser.

„Wasser ist in Deutschland für alles zu verwenden, das ist Lebensqualität“, sagt sie. Weil sie diese Lebensqualität erhalten will, kämpft sie gegen eine von der EU-Kommission vorgeschlagene Richtlinie, die auf eine Privatisierung der Wasserversorgung in Deutschland hinauslaufen könnte.

„Wir wollen die guten und bewährten Strukturen erhalten“, betonte sie am Montag bei einem Besuch des Wasserlabors der Stawag. Die Aachener Stadtwerke sind Teil dieser „guten und bewährten Strukturen“, die die Menschen in Deutschland zuverlässig mit dem wichtigsten Lebensmittel überhaupt versorgen. Eine neue Richtlinie, die am 24. Januar vom Binnenmarktausschuss des EU-Parlaments verabschiedet wurde, stellt die gewohnte Wasserversorgung und damit auch die anerkannt hohe Wasserqualität in Aachen nun jedoch in Frage.

Zwar sollen die Kommunen auch künftig selber entscheiden können, wen sie mit der Wasserversorgung beauftragen. Doch der Teufel steckt im Detail. Denn je nachdem, wie die Stadtwerke organisiert sind und auf welchen Geschäftsfeldern sie tätig sind, müsste nach derzeitigem Stand die Wasserversorgung vielfach europaweit ausgeschrieben werden. Die Stawag müsste sich dann möglicherweise auch dem internationalen Wettbewerb mit großen Unternehmen wie Veolia, Suez oder Eurawasser stellen.

Die Folgen seien bereits in vielen europäischen Städten zu erleben: Private Unternehmen, deren Ziele vor allem auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, sparen an der Wasserqualität und am Versorgungsnetz. Es wird kaum noch investiert. Am Ende streichen die Unternehmen die Gewinne ein und überlassen den Kommunen ein marodes Netz, fürchtet auch Verheyen.

Im Wasserlabor der Stawag konnte sie sich überzeugen, welch hohe Standards in öffentlichen Stadtwerken gewährleistet sind. Täglich werden bis zu 30 Proben an verschiedenen Kontrollpunkten der Stadt entnommen, erläuterte Laborleiter Ralf Paulus. Mit 6000 bis 7500 Proben jährlich werde die Qualität gesichert. Gesetzlich verpflichtend wären für Private in unserem Versorgungsgebiet nur noch rund 600 Proben jährlich vorgesehen.

Schlechte Qualität, hohe Preise

Ein hoher Reinheitsgrad werde bereits bei der Wassergewinnung gewährleistet, betont Paulus. Private würden diesen Aufwand kaum betreiben und stattdessen oftmals auf einen höheren Einsatz von Chlor zurückgreifen. Und nicht zuletzt scheint die Wasserversorgung nach einer Privatisierung für die Bürger eher teurer als billiger zu werden, wie das Beispiel Berlin zeigt, das nach einer Teilprivatisierung der Wasserversorgung nun wieder die Rekommunalisierung anstrebt.

„Wasser ist kein Handelsgut wie jedes anderes“, sagt Verheyen, die sich daher – anders als etwa bei der Strom- und Gasversorgung – gegen eine Liberalisierung des Wassermarktes ausspricht. Europaweite Ausschreibungen halte sie für unnötig, da Trinkwasser in aller Regel regional gewonnen wird – in Aachen etwa aus Brunnen und aus den Eifel-Talsperren.

Stawag-Vorstand Peter Asmuth freut sich über Verheyens Unterstützung. Er verweist darauf, dass laut Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen 82 Prozent aller Bürger gegen eine Privatisierung der Wasserversorgung sind. Und mehr als 95 Prozent sind zufrieden mit der Wasserqualität. „Die EU sollte daher die Wasserqualität in den Vordergrund stellen, nicht die Privatisierung“, schlussfolgert er.

Doch aktuell scheint es für diese Haltung keine Mehrheit im EU-Parlament zu geben, das möglicherweise noch vor der Sommerpause die neue Richtlinie verabschieden wird. Widerstand gegen eine Liberalisierung gibt es vor allem in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Befürworter gibt es vor allem in südlichen Ländern, wo einige Politiker wohl auch darauf hoffen, durch den Verkauf der Wassernetze hochverschuldete Staaten entlasten zu können.

Jetzt sei die „kritische Phase“, in der eine Kompromisslösung erarbeitet werden muss, sagt Verheyen. Eine Privatisierung werde man nicht generell verhindern können, erhalten aber wolle sie zumindest die kommunale Trinkwasserversorgung in Deutschland.

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