Verbraucherzentrale zieht Jahresbilanz: Zu wenig Personal

Von: Martina Stöhr
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Leiterin Jutta Reimnitz (rechts) und Schuldnerberaterin Jutta Wedrich legten den Jahresbericht der Verbraucherzentrale vor. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Es gibt zu wenig Personal für ein wachsendes Problem”, meinte Hilde Scheidt, OB-Kandidatin der Grünen, als die Verbraucherzentrale am Boxgraben jetzt ihren Jahresbericht erstattete und auf zehn Jahre Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung zurückblickte.

Die Beratungsfälle insgesamt nahmen 2008 leicht zu - 26.641 Kontakte, das sind etwa 1000 mehr als im Vorjahr. Doch Veränderungen beim Personalbestand gab es nicht.

„Wir könnten durchaus zwei Stellen mehr gebrauchen”, sagte Jutta Reimnitz, Leiterin der Verbraucherzentrale. Derzeit könnten telefonische Anfragen oft nicht entgegengenommen werden, da die Beraterinnen bereits im Gespräch seien. Bis zu 40 Anrufe pro Stunde blieben so unbeantwortet. Und die Wartezeiten für eine persönliche Beratung liegen bei ein bis zwei Wochen.

Laut Reimnitz nehmen vor allem Rechtsberatung und Vertretung zu: Bei der Rechtsvertretung haben sich die Fälle seit 2005 mehr als verdoppelt, im Jahr 2008 waren es etwa 450.

Schwierigkeiten mit Telekommunikationsanbietern stehen dabei an erster Stelle. 46 Prozent der Beratungen konzentrieren sich laut Verbraucherzentrale auf Fragen der Telekommunikation. Und immer wieder würden ahnungslose Surfer nach vermeintlichen Vertragsabschlüssen mit dreisten Mahnungen zur Zahlung gedrängt.

Hier sollten die Verbraucher die Nerven bewahren, rät Jutta Reimnitz. In den meisten Fällen seien die Forderungen unzulässig. Daneben hielten laut Verbraucherzentrale unzulässige Preiserhöhungen bei einem Kabelnetzbetreiber und verzögerte Freischaltungen beim „schellen Internet” die Berater auf Trab.

Darüber hinaus bot die Verbraucherzentrale 2008 auch wieder eine umfassende Energiebratung an. Unter dem Motto „Energiesparer sind Eisbärenschützer” informierte sie darüber, wie man Energie und Geld sparen kann. Bei einem Haus aus den 50er Jahren könnten bei einer entsprechenden Sanierung zwischen 50 bis 70 Prozent der Energiekosten eingespart werden, sagte Ulrike Leidinger, die den Verbrauchern als Energiebraterin mit Rat und Tat zur Seite steht.

Mit vier neuen Honorarberatern deckt sie nun den Bereich Aachen, Heinsberg und Düren ab. Ihr besonderer Stolz: das Haus, das den jüngsten Aachener Energiepreis gewann, ging auch über ihren Tisch. Für 60 Euro können sich die Verbraucher vom fachkundigen Personal einen Energiebericht erarbeiten lassen.

Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung der Verbraucherzentrale blickt inzwischen auf zehn Jahre zurück. Laut Umfrage kommt sie bei den Verbrauchern ganz besonders gut an. Ein dickes Lob ging dabei an Beraterin Jutta Wedrich. Bei ihr fühlen sich die Schuldner offensichtlich besonders gut aufgehoben.

In der Schuldenfalle

Im Schnitt haben die Ratsuchenden einen Schuldenberg von 45.000 Euro angehäuft, bevor sie in die Beratungsstelle kommen. „Heutzutage ist es viel zu leicht, Kredite zu bekommen”, kritisierte Hilde Scheidt. Sie wünscht sich eine konsequente Beratung und Präventionsarbeit in den Schulen und eine Gesetzgebung, die auch die Banken mehr in die Pflicht nimmt. Und um die Finanzierung der Schuldnerberatung langfristig auf eine solide Basis zu stellen, fordert sie mehr Unterstützung seitens der Landesregierung.

Während der bundesweiten Aktionswoche, die bis zum Freitag 19. Juni läuft, wollen die Verbraucherzentralen einmal mehr auf ihre Arbeit aufmerksam machen.
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