Aachen - Veranstaltungen für Trauernde: „Trauer will mit anderen geteilt werden“

Veranstaltungen für Trauernde: „Trauer will mit anderen geteilt werden“

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
6821662.jpg
Foto: Harald Krömer Datum: 20.11.2013 Trauerbegleitung, Hund Momo Job: Trauer 3
6840022.jpg
Sie gestalten das ökumenische Trauercafé „Lichtblick“: Pastorin Bettina Donath-Kreß (links) und Schwester Irmtraud Thurn. Foto: Harald Krömer
6840020.jpg
Gemeindereferentin Maria Pirch (links) und Adelheid Schönhofer-Iyassu vom Malteser Hilfsdienst wenden sich im Trauerprojekt „diesseits“ an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. „Momo“, der kleine Malteser, ist als inoffizieller „Trauerhund“ immer dabei. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die kleine Schwester, die als Baby gestorben ist; der Bruder, der gewaltsam ums Leben kam; die Mutter, die viel zu früh aus der Familien gerissen wurde; der Vater, der so plötzlich starb: Trifft der Tod eine Familie, dann zieht er auch den Kindern den Boden unter den Füßen weg.

So unterschiedlich die Schicksale auch sind, eines verbindet sie: das Gefühl, oft allein und todunglücklich zu sein – und plötzlich fremd in einer Welt, die sich einfach weiterdreht. Bei „diesseits“ brauchen die Kinder dieses Gefühl nicht zu erklären.

Hier wissen alle, wie sich das anfühlt. „diesseits“ ist ein Trauerangebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. In Aachen ist die Arbeit mit trauernden Kindern in dieser Form bisher einzigartig. Für Erwachsene dagegen gibt es eine ganze Palette an Angeboten.

Es gibt Frühstückstreffen für Trauernde, es gibt Trauercafés, es gibt Singabende und Wanderungen für Trauernde, es gibt sogar Tango für Trauernde. Wer einen lieben Menschen verloren hat, der kann in einer Stadt wie Aachen mittlerweile aus einer ganzen Palette von Angeboten auswählen. Vor Jahren gab es das alles noch nicht. Hat sich also etwas verändert in der Art zu trauern? Gibt es heute einen Bedarf, der früher nicht da war?

In die Mitte der Gesellschaft

„Trauer will mit anderen geteilt werden“, ist Adelheid Schönhofer-Iyassu vom Malteser Hilfsdienst Aachen überzeugt. „Trauer kann nur durch Kommunikation ausgelebt werden.“ Gemeinsam mit Maria Pirch, Gemeindereferentin in der Pfarre Franziska von Aachen, und ehrenamtlichen Kräften gestaltet sie das Trauercafé Tabitha in der Pontstraße und das Projekt „diesseits“.

„Viele Menschen“, beobachtet Maria Pirch, „wissen heute nicht, wohin mit ihrer Trauer“. Rituale der Trauer, die früher in der Familie, in der Nachbarschaft selbstverständlich waren, gerieten zunehmend in Vergessenheit. Gerade in der Großstadt lebten viele vereinzelt.

Da sei es hilfreich, dass der Umgang mit der Trauer allmählich enttabuisiert werde. Die Hospizbewegung habe auch hier vieles in Bewegung gebracht. „Trauer rückt als erlaubte Lebensform in die Mitte der Gesellschaft“, sagt Schönhofer-Iyassu. „Und es gilt als erlaubt, sich Hilfe zu holen.“

Das Trauerprojekt „diesseits“ will diese Hilfe ausdrücklich jungen Menschen angedeihen lassen. Denn sie kommen im Trauerfall häufig zu kurz. „Erwachsenen sind nach einem schweren Verlust natürlich sehr mit sich selbst beschäftigt“, sagt Schönhofer-Iyassu. „Wir wollen für Kinder einen kreativen Trauerrahmen schaffen.“

Dabei gehe es nicht darum, das Leid „wegzumachen“: „Wir wollen der Trauer einen neuen Platz im Leben zuordnen.“ Die Kinder erkunden bei den Gruppentreffen zum Beispiel, was sie stark macht, was sie trösten und ihnen helfen kann, wieder Boden unter den Füßen zu finden.

„Lichtblick“ im Aachener Westen

Im Aachener Westen gibt es seit 2008 das Trauercafé „Lichtblick“. Gestaltet wird das ökumenische Projekt von der evangelischen Kirchengemeinde Aachen-West und der katholischen Gemeinschaft der Gemeinden Aachen-Nordwest. Die Gäste aber kommen aus dem gesamten Stadtgebiet, berichtet Pastorin Bettina Donath-Kreß, Synodalbeauftragte für Trauerbegleitung und Friedhofskultur. Sie gestaltet die regelmäßigen Treffen zusammen mit Schwester Irmtraud Thurn und einem Team von Ehrenamtlern. „Wir wollen eine Lücke füllen“, sagt sie. „Nach der Beerdigung ist die Trauer ja nicht zu Ende.“

Wie sehr diese Begleitung gebraucht wird, das erlebte Donath-Kreß gleich beim allerersten Trauercafé. Da drängten sich fast zwei Dutzend Menschen in einem viel zu kleinen Raum. Mit einem solchen Interesse hatte niemand gerechnet. Einige Gäste von damals sind auch heute noch regelmäßig dabei. „Sie finden hier einen Raum, wo sie sich nicht verstellen müssen“, sagt Donath-Kreß.

Das Trauercafé hat feste Abläufe. Die Begrüßung an der Tür soll denen, die zum ersten Mal kommen, den mutigen Schritt erleichtern. „Alle können für ihren lieben Verstorbenen eine Kerze entzünden“, erläutert Schwester Irmtraud. In lockeren Tischrunden sitzen die Teilnehmer dann bei Kaffee und Kuchen beieinander. Wer reden will, redet, wer schweigen möchte, schweigt.

Trauerbegleitung, sagt Pastorin Donath-Kreß, habe viele Formen: „Derzeit sind Trauercafés sehr im Trend und für viele Trauernde eine wertvolle Hilfe.“ Die verschiedenen Angebote in Aachen sind auch eng vernetzt. Donath-Kreß ist aber überzeugt: „Wir dürfen nicht stehenbleiben mit dem, was wir haben.“ Sie denkt zum Beispiel über einen Kochkurs für verwitwete Männer nach.

Der Tod, sagt die Pastorin, sei eines der letzten Tabus in der Gesellschaft. „Und es ist unsere Aufgabe, den Menschen einen Raum zum Trauern zu geben.“ Im Umgang mit Trauer stellt aber auch Donath-Kreß einen Umbruch fest. Für viele sei es selbstverständlicher geworden, über ihr Leid zu reden. „Es bricht was auf. Und das ist gut.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert