Vennbahnradweg wird teurer: Zusätzlich knapp 250.000 Euro bewilligt

Von: Gerald Eimer
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Peinlich und teuer: Der Erdwall entlang des Vernnbahnradwegs muss wieder verschwinden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Unverständnis und Empörung sind zwar anhaltend groß, doch letztlich sehen die Finanzpolitiker auch keinen anderen Ausweg, als weiteres Geld für die Fertigstellung des Vennbahnradwegs nachzuschieben. Knapp eine Viertelmillion Euro nickten sie in ihrer Sitzung am Dienstag, damit ein erst kürzlich aufgeschütteter Erdwall entlang der Strecke möglichst umgehend wieder beseitigt werden kann.

Als „Geschichte aus dem Tollhaus“ bewertete CDU-Finanzpolitiker Eberhard Büchel, zugleich Bezirksbürgermeister im Aachener Süden, die Vorgänge um das Teilstück des internationalen Premiumradwegs zwischen Walheim und belgischer Grenze. Andere fühlen sich an Schilda erinnert oder nennen das Ganze schlicht „Irrsinn“.

Wie berichtet, handelt es sich bei dem Erdwall um Gesteinsmassen, die für den Bau des Radwegs im Grunde nur um wenige Meter verschoben und wieder aufgehäufelt wurden. Übersehen haben Planer und Bauverwaltung dabei jedoch, dass sie in einer Wasserschutzzone unterwegs waren und dort strenge Vorschriften und Gesetze gelten. Ein uraltes Gleisbett und natürliche Gesteinsmassen müssen demnach als belastetes Material betrachtet werden, dass alleine deswegen auf eine Deponie gehört, weil es bewegt wurde.

„Uns ist ein Fehler unterlaufen“, musste Regina Poth, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, im Finanzausschuss einräumen. Denn ihre Abteilung habe nicht rechtzeitig den Rat der unteren Wasserbehörde eingeholt. Um den Radweg in einen „gesetzeskonformen Zustand“ zu bringen, seien nun nachträgliche Arbeiten nötig.

Der etwa 1,5 Kilometer lange Erdwall, aus dem an vielen Stellen bereits wieder das Grün sprießt, muss wieder weg. Rund 18.400 Tonnen Gestein sollen abgetragen, analysiert, sortiert und zur Deponie gefahren werden. Alles in allem schlägt dies mit rund 670.000 Euro zu Buche, wobei jedoch ein Großteil der Mehrkosten durch zuvor eingesparte Restmittel aufgefangen werden kann.

Die Politiker zeigten sich am Dienstag über alle Parteigrenzen hinweg gleich aus zwei Gründen dem Verstehen fern: Einerseits sei die Gesetzeslage in diesem Fall nicht zu begreifen – und den Bürgern noch weniger zu erklären. Andererseits sei nicht nachvollziehbar, wie der Verwaltung ein solch verhängnisvoller Fehler unterlaufen konnte.

Denn die Nachbesserungsarbeiten werden nicht nur teuer, sie verzögern auch schmerzlich die endgültige Fertigstellung des Radwegs. Bevor die letzte Deckschicht aufgebracht werden kann, müssen nun noch einmal schwere Maschinen anfahren und den Dreck wegkarren. Mit der offiziellen Eröffnung des Vennbahnradwegs, der von Aachen bis Luxemburg führt, ist nun wohl erst Ende des Jahres zu rechnen.

„Für diesen Irrsinn wird öffentliches Geld verbrannt“, schimpfte SPD-Finanzfachmann Claus Haase. „Dafür werde ich nicht den Arm heben.“ Doch seine war die einzige Gegenstimme. Alle anderen stimmten mehr oder minder zähneknirschend den Mehrausgaben zu. „Es muss ja aus der Welt geschaffen werden“, konstatierte Ruth Crumbach-Trommler für die FDP.

Derweil fürchten sowohl Andreas Müller (Linke) als auch Michael Janßen (CDU), dass die Panne dem Ruf der Stadt geschadet habe. Aus ihrer Sicht hätte die Verwaltung gut daran getan, offensiver damit umzugehen. Stattdessen aber haben nicht wenige Politiker das Gefühl, dass in diesem Fall zunächst mehr verschleiert als erklärt werden sollte. Die Beratungsunterlagen habe er als „Wischiwaschi“ empfunden, kritisierte Büchel.

Auf einen ebenso deutlichen wie kurzen Nenner brachte es im Finanzausschuss hingegen Kämmerin Annekathrin Grehling: „Dumm gelaufen.“ Doch alles klagen nütze ja nichts: „Der Fehler ist da, nun muss er beseitigt werden.“ Nachdem der Finanzausschuss die zusätzlichen Mittel bewilligt hat, gilt die endgültige Zustimmung im Rat Ende des Monats als Formsache.

Zu klären bleibt jedoch die Frage, wer letztlich verantwortlich für den Fehler ist. „Die Prüfungen laufen“, sagt Grehling. Erst dann könne auch die Frage beantwortet werden, ob die „Eigenschadenversicherung“ einspringt, oder ob die Stadt den Schaden alleine tragen muss. Sichergestellt sei inzwischen immerhin, dass künftig keine Behörde mehr übergangen wird und dass ein solcher Fehler kein zweites Mal vorkommt.

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