Vaalser Bürger halten die Augen für die Polizei offen

Von: Heiner Hautermans
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Aachen/Vaals. Der Vaalser Bürgermeister Reg van Loo hat keinen Hehl daraus gemacht, dass man in der Gemeindespitze durchaus gemischte Gefühle hatte, als über die Entscheidung nachgedacht wurde, beim Projekt „Burgernet” mitzumachen.

Wenn es um ein Netzwerk zwischen Gemeinden, Polizei und Tausenden von Bürgern geht, liegt der Gedanke an Big Brother schließlich nicht fern. Doch in der Abwägung von Vor- und Nachteilen habe sich schließlich der Nutzen durchgesetzt, nämlich das Ziel, mehr Sicherheit im privaten und beruflichen Umfeld zu schaffen. Und das habe man schon wiederholt erreicht, erklärte Marlies Goldsmits-Brouns, Direktorin der Polizei Limburg-Süd. Etwa bei der Fahndung nach dementen Senioren oder verschwundenen Kindern sowie der Suche von flüchtigen Räubern: „Es handelt sich um ein Instrument der Bürgerbeteiligung.”

Das Motto von „Bur-gernet” lautet: Horen - Zien - Bellen ((Hören - Hinschauen - Anrufen). Es funktioniert so: Bei einem Überfall, einem Einbruch, bei Vandalismus oder einer Vermisstenmeldung kann die Polizeizentrale eine „Burgernet”-Aktion auslösen, etwa die Beschreibung einer vermissten Person oder eines Täterfahrzeugs eingeben. Alle registrierten Teilnehmer (in Vaals sind es schon mehr als 300) erhalten dann eine Sprachnachricht oder eine SMS auf ihr Handy oder den Festnetzanschluss mit der Bitte, Augen und Ohren offen zu halten.

Den Aktionsradius kann der diensthabende Beamte am Computerbildschirm stufenlos festlegen. Wer Angaben machen kann, wählt die angegebene Nummer und ist direkt mit der Polizei verbunden. 15 Gemeinden mit 30.000 Teilnehmern haben sich bislang in Süd-Limburg diesem System angeschlossen, drei fehlen noch. Angestrebt wird, dass fünf Prozent der Bevölkerung mitmachen.

Drei Prozent sind es bislang in Vaals mit seinen knapp 10.000 Einwohnern. Bürgermeister van Loo erwartet aber, dass die fünf Prozent weit übertroffen werden. Ein ähnliches, im Jahr 2005 gestartetes Projekt in Deutschland war nach kurzer Zeit wieder zu den Akten gelegt worden, weil sich kaum Bürger an der Öffentlichkeitsfahndung per SMS beteiligen wollten.

In den Niederlanden ist die Mentalität offenbar eine andere. Es sind nach den bisherigen Erfahrungen vor allem Ältere, die sich bei „Burgernet” anmelden, weiß Jo de Bie von der Sicherheitsregion Süd-Limburg: „Das Sicherheitsbedürfnis ist in dieser Altersgruppe vielleicht höher als bei jungen Leuten. Die Alten rufen die Polizei, die Jungen filmen erst mal mit ihrem Smartphone.” Doch nicht nur für Fahndungszwecke wird „Burgernet” eingesetzt. Bei der Rad-WM in Valkenburg wurden auch Infos über Staus auf den Straßen oder besetzte Parkplätze versendet.

Allerdings sollen die Bürger nur Augen und Ohren offenhalten und sich nicht selbst in Gefahr begeben, mahnt Jo de Bie von der „Veiligheidsregio Zuid-Limburg”. Und die größte Effizienz hat „Burgernet” natürlich, wenn alle Gemeinden mitmachen (Landgraaf, Simpelveld und Gulpen-Wittem fehlen noch). „Bei Mamalis (an der Grenze von Vaals in Richtung Maastricht, d. Red.) darf nicht Schluss ein”, formulierte es Bürgermeister Van Loo.

Doch wenige Kilometer weiter ist auch nach der Beteiligung von Vaals endgültig Schluss, in Vaalserquartier. Es handelt nämlich um ein niederländisches System, das zum Beispiel die Nummern deutscher Mobiltelefone nicht erkennen kann - in Vaals mit seinen rund 30 Prozent deutschen Einwohnern durchaus ein handfester Nachteil. „Das Problem muss gelöst werden, auch angesichts der steigenden Zahl deutscher Studenten in Vaals”, sagt der Bürgermeister. Er werde beim nächsten Runden Tisch mit der Aachener Stadtverwaltung vorschlagen, eine Rufnummer einzurichten, die für die ganze Euregio gilt.
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