Urbanes Wohnen für junge Aufsteiger

Von: Gerald Eimer
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Städtebaulich entwicklungsfähig: Dass sich auf dem Gelände der ehemaligen Paketpost am Bahnhof etwas tun soll, wird allenthalben begrüßt. Übers Knie brechen will die Politik allerdings nichts. Foto: Harald Krömer
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Blick auf das geplante Bauprojekt zwischen Burtscheider Brücke (rechts) und Hauptbahnhof (oben). Im vorderen Gebäude soll ein Hotel untergebracht werden, daran schließt sich Wohnbebauung an. Im Hintergrund ist das umstrittene Bürohochhaus zu erkennen. Entwurf: Bluegate Aachen GmbH

Aachen. Mit einiger Zuversicht geht die Entwicklungsgesellschaft „Bluestone Group“ zu Werke, die das seit Jahren dahingammelnde Bahngelände an der Zollamtstraße zwischen Hauptbahnhof und Burtscheider Brücke gekauft hat und bebauen will. Allein: Noch fehlt die Zustimmung der Politik.

Erstmals wird sich der Planungsausschuss am Donnerstag mit dem ambitionierten Vorhaben befassen. Mit einem schnellen Baubeschluss ist noch nicht zu rechnen.

Gut 70 bis 80 Millionen Euro will Bluestone investieren und dafür nach Entwürfen der Planer vom „Büro 5“ aus Maastricht fünf Baukörper errichten, in denen ein Mischkonzept aus Wohnen, Büros, Hotel, Geschäften und Dienstleistung verwirklicht werden soll.

Im Mittelpunkt stehen sogenannte „Urban Lodges“, die vor allem junge Menschen ansprechen sollen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, sagt Frans Mirandolle, Geschäftsführer der an der Karmeliterstraße ansässigen Gesellschaft Bluestone Real Estate. Rund 220 Appartements sind geplant, die qualitativ deutlich über Studentenbuden-Niveau liegen sollen und in ähnlicher Weise auch in anderen Universitätsstädten geplant sind.

Garniert wird das urbane Wohnprojekt – getauft auf den Namen „Bluegate“ – durch allerlei zusätzliche Angebote, die das Leben an dieser Stelle interessant machen sollen: ein Fitnesscenter etwa, Gastronomie, Serviceangebote und kleine Geschäfte. Da alle Gebäudeteile quer zur Bahn liegen, ist der Lärmschutz eine besondere Herausforderung. Wie die Lärmschutzwand am Ende aussehen wird, ist derzeit noch offen. Im Gebäudeteil an der Burtscheider Brücke will der Investor ein Hotel mit rund 170 Zimmern im Drei-Sterne-Bereich unterbringen.

Und schließlich ist da noch ein zwölfgeschossiges Hochhaus, das direkt neben dem Hauptbahnhof hochgezogen werden soll und von dem sich der Architektenbeirat einen besonderen städtebaulichen Akzent verspricht – als Antwort auf den Turm des nahen Verwaltungsgebäudes. In dem gut 38 Meter hohen Hochhaus sollen dereinst Büros, ein Fahrradparkhaus sowie Pkw- und Fahrradverleih beheimatet werden.

Doch ausgerechnet dieser vom Architektenbeirat gewünschte Turm stößt nun auf die größte Skepsis bei Politik und Verwaltung, wie sie morgen auch im Planungsausschuss deutlich machen wollen. Er störe das Stadtbild, argumentiert die Verwaltung. Die Sichtachsen zur historischen Innenstadt und zum Dom könnten eingeschränkt werden, warnen Denkmalpfleger. Und der vor mehr als 100 Jahren errichtete Hauptbahnhof könne durch die Türme zu beiden Seiten regelrecht erdrückt werden, fürchtet nicht nur SPD-Planungspolitiker Norbert Plum.

Mirandolle nimmt derlei Einwände bislang gelassen. „Das Hochhaus ist für uns kein K.o.-Kriterium“, sagt er. Man habe ohnehin zunächst in kleineren Dimensionen geplant, dies könne man gerne wieder aufgreifen. Ansonsten blickt er gespannt der Diskussion entgegen, die seinem Vortrag morgen im nichtöffentlichen Teil des Planungsausschusses folgen wird.

Die dort vertretenen Politiker zeigen sich bislang vor allem erleichtert, dass sich auf dem langgestreckten Gelände der ehemaligen Paketpost, das derzeit vornehmlich als Parkplatz genutzt wird, nach Jahren des Stillstands überhaupt noch etwas tun könnte. „So weit waren wir noch nie“, sagt Ausschussvorsitzender Harald Baal (CDU). „Wir wollen das weitere Vorgehen positiv begleiten“, meint er.

Von einer „interessanten Variante“ spricht auch Planungspolitiker Michael Rau von den Grünen. Mit Harald Baal ist er sich aber darin einig, dass am Hauptbahnhof nun nichts übers Knie gebrochen werden soll. So sei „Bluegate“ letztlich ein Baustein, der sich in das gesamte Bahnhofsumfeld einfügen muss.

Beide verweisen darauf, dass sich dort in den nächsten Jahren viel bewegen wird. Der geplante ICE-Halt, der neue Südeingang zum Bahnhof auf Burtscheider Seite, der Bunkerdurchbruch an der Kasinostraße und weitere Planungen müssten berücksichtigt und in ein städtebauliches Gesamtkonzept eingearbeitet werden, meinen sie. „Wir wollen eine qualitativ gute Umsetzung“, sagt Rau – und dafür müsse noch einiges „Schritt für Schritt“ weiter ausgearbeitet werden.

Auch SPD-Mann Plum hält es für besser, noch mal sehr genau hinzuschauen. Die Bauten müssten zum Stadtbild passen und dürften „das Viertel nicht abwerten“. Sorgen bereiten ihm auch die Freiräume zwischen den einzelnen Baukörpern. „Man muss aufpassen, dass diese Plätze nicht das falsche Publikum anziehen.“

Im Hintergrund lässt sich zudem heraushören, dass die Politik insbesondere nach den Erfahrungen rund um die Kaiserplatzgalerie nicht mehr so leichtfertig Zusagen bei Großprojekten geben will. Vertrauen schaffen, heißt daher die Devise. Bluestone gehört noch nicht zu den bekannten Größen in Aachen. „Wir brauchen noch mehr Futter“, meint ein Planungspolitiker, weshalb der Ausschuss morgen zwar interessiert die vorgelegten Pläne zur Kenntnis nehmen wird, aber nicht kritiklos durchwinken will. Die Vorstellung, auf dem 11 000 Quadratmeter großen Gelände am Ende eine weitere Ruinenlandschaft oder halbfertige Gebäude stehen zu haben, lässt Politiker und Verwaltung auf Nummer sicher gehen.

Derweil hofft Mirandolle darauf, möglichst bald Baurecht zu bekommen. „Wir würden gerne 2014 anfangen“, sagt er. Andert–halb bis zwei Jahre später könnten dann die ersten Mieter einziehen.

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