Aachen - Unwetter vom Mittwoch bringt Öko-Bauern um die Hälfte der Erträge

Unwetter vom Mittwoch bringt Öko-Bauern um die Hälfte der Erträge

Von: Werner Breuer
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Vom Hagel zerschossen: Was Thomas Lomb und seine Partner vom Kronhof auf zwei Hektar Freifläche nahe dem Grauenhofer Weg angebaut haben, können sie zum größten Teil wohl abschreiben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eine gute Viertelstunde reichte, um Alfred Prellers Existenz zu gefährden. Nach dem Unwetter von Mittwochabend steht der Öko-Landwirt auf seinem Gemüsefeld unweit des Grauenhofer Wegs und blickt auf seine zerzausten Pflanzen.

„Das da hätte mal Rotkohl werden sollen”, sagt Preller und deutet auf Gewächse, die aussehen, als ob eine Jagdgesellschaft sie mit Schrotflinten beschossen hätte. Der Salat nebenan ist ebenfalls vollständig geschreddert.

Und von den 18.000 Porree-Stangen, die Preller mit seinen beiden Partnern Thomas Lomb und Horst Finger im Mai angebaut hat, ist ebenfalls nicht mehr viel übrig. „Zwei bis drei Prozent davon haben haben das Gewitter vielleicht überstanden”, schätzt Lomb.

„Geht an die Existenz”

Aber was nützt das schon? Wäre das Unwetter etwas weiter nördlich oder südlich vorbeigezogen, dann hätte das Trio, das den Kronhof am Grauenhofer Weg bewirtschaftet, „etwa 5000 bis 6000 Kilo Porree” ernten können, so Preller.

„Die können wir nun abschreiben.” Und nicht nur den Porree: Auch die Petersilie hat´s verhagelt und eigentlich fast alles, was die Kronhof-Leute auf etwa zwei Hektar Freifläche angebaut hatten. Die Ernte hätte ihnen 60.000 bis 80.000 Euro einbringen sollen. „Das geht an die Existenz”, sagt Preller.

Nachdem für nur kurze Zeit Hagelkörner von der Größe von Walnüssen auf die rund 20 Hektar bewirtschafteter Fläche niederprasselten, bricht nun wohl die Hälfte der Erträge weg. Geblieben ist den Öko-Landwirten immerhin das Gemüse in den Treibhäusern, obwohl es auch da einige Pflanzen erwischt hat.

„Die haben erstaunlicherweise gehalten”, sagt Preller. Das Vlies, mit dem im Freilandbereich ein Teil der Felder abgedeckt war, ist hingegen vom Hagel zerschossen. „Kostet 850 Euro”, sagt Lomb, „wenn wir Glück haben, können wir es wenigstens an einem Stück runterziehen und wegwerfen.”

Strenge Demeter-Auflagen

Wenn sie Glück haben, bringen ihnen auch die Schafe, Legehennen oder Mastgänse noch so viel ein, dass sie über die Runden kommen. Zudem können die Drei vom Kronhof, die auch noch zwei Mitarbeiter beschäftigen, vielleicht noch etwas anpflanzen, was in diesem Jahr noch ein wenig Ertrag bringt. Viel sei damit aber nicht zu retten, meint Preller.

Der Betrieb arbeite im Demeter-Verbund und müsse diverse Auflagen beachten. „Wir können nicht einfach irgendwas anbauen”, sagt Thomas Lomb. Und obwohl die bisherige Arbeit schon „für die Katz´” gewesen sei, müsse man auf den verhagelten Gemüsefeldern nun noch einmal kräftig Hand anlegen. „Das wird jetzt abgehäckselt und eingearbeitet”.

Sie wollen nun irgendwie über die Runden kommen. „Als Gemüsebauer lebt man immer mit dem Wetter-Risiko”, sagt Alfred Preller. Dagegen könne man sich teilweise versichern, „aber das ist zu teuer”. Da müsse der Landmann vorher gut überlegen, wie groß denn die Gefahr derart vernichtender Unwetter für seine Flächen ist.

Auch Alfred Preller, der seit neun Jahren den Kronhof bewirtschaftet und seit gut drei Jahrzehnten in der Branche arbeitet, ist nicht immer von der Sonne verwöhnt worden. „Aber einen solchen Hagelschauer habe ich zum ersten Mal erlebt.” Noch am Tag danach habe es auf dem Hof ausgesehen wie „in einer bizarren Winterlandschaft”.

Mit den Folgen dieses Naturereignisses müssen die Männer vom Kronhof wohl alleine klarkommen. Preller hat sich zwar hilfesuchend an die Landwirtschaftskammer gewandt und auch mit dem Landwirtschaftsministerium telefoniert. Erfolg war ihm nicht beschieden. Allenfalls ein zinsgünstiges Darlehen habe man ihm anbieten können, erzählt er. Unbürokratische Soforthilfen gebe es nicht. „Man hat mir gesagt, ich bräuchte eigentlich gar keinen Antrag zu stellen”, berichtet der Gemüsebauer, „das würde zu lange dauern”. Immerhin zeigten die Gesprächspartner am anderen Ende der Telefonleitung Verständnis für seine Sorgen. „Am Schluss hat man mir viel Glück gewünscht.”

Bleiben Kunden treu?

Etwas Glück braucht das Kronhof-Trio allerdings auch. Die Bemühungen, den Betrieb zu retten, könnten auch noch empfindlich gestört werden durch ungeduldige Kunden. „Wir können ja jetzt nicht liefern”, sagt Preller. Zu befürchten sei, dass manche Abnehmer sich andere Lieferanten suchen und sich an diese dann gewöhnen könnten.

Die wären dann verloren, wenn auf dem Kronhof demnächst wieder Porree, Rotkohl und Petersilie wachsen.
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