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Uniklinikum: Nur mit OP-Leibchen auf den Heimweg geschickt

Von: Georg Dünnwald
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Klagt über das Uniklinikum: G
Klagt über das Uniklinikum: Gusti Brammertz sorgt sich um seine Mutter. Foto: Harald Krömer

Aachen. Das war kein schönes Wochenende für Gusti Brammertz und seine 87-jährige Mutter Maria. Und auch kein schöner Wochenanfang. Daran soll das Uniklinikum Aachen großen Anteil haben, wie Brammertz versichert.

Am Donnerstag vergangener Woche begann demnach der Leidensweg der Maria Brammertz im Aachener Uniklinikum. Da brachte ihr Sohn Gusti die alte und demente Dame ins Krankenhaus. Die Batterie ihres Herzschrittmachers musste ausgewechselt werden. Um 9 Uhr morgens waren die beiden da, am Nachmittag waren alle für die bevorstehende Operation nötigen Untersuchungen erledigt.

Weil die Operation für den nächsten Morgen um 7 Uhr angesetzt war, sollte die 87-Jährige gleich im Klinikum bleiben. Doch auf der Station gab es Probleme: Man habe leider zu wenig Personal und könne nicht die ganze Nacht auf die alte Dame aufpassen. Demente Menschen seien sehr unruhig und aktiv in fremder Umgebung. Auch Gusti Brammertz weiß, wie belastend der Aufenthalt in ungewohnter Umgebung für seine Mutter ist, deshalb brachte er sie zurück in die Altenwohngemeinschaft in Stockheim bei Düren, in der sie seit geraumer Zeit wohnt und sich wohl fühlt.

Am Freitag voriger Woche musste Maria Brammertz schon um 5 Uhr morgens aufstehen, denn um 6 Uhr wollte Sohn Gusti sie abholen. Der Operationstermin war schließlich für 7 Uhr angesetzt. Weder essen noch trinken durfte die Patientin. „Das Pflegepersonal hat sich nett um meine Mutter gekümmert”, betont Gusti Brammertz. Der geplante Eingriff fiel hingegen aus. „Gegen 17.30 Uhr musste ich meine Mutter wieder abholen.” Die Operation wurde auf den folgenden Montag, 10 Uhr, verschoben worden. „Die Mutter war zu diesem Zeitpunkt schon sehr verwirrt. Eine so lange Wartezeit geht an Dementen nicht spurlos vorüber”, weiß der Sohn.

Am vergangenen Montag fanden sich Mutter und Sohn wieder pünktlich im Uniklinikum ein. Die Mutter wurde auch operiert. Bis zum nächsten Tag sollte Maria Brammertz im Krankenhaus bleiben. Zunächst war sie auf der Aufwachstation untergebracht. Ihre persönlichen Sachen blieben auf der Aufnahmestation.

Der Betreuerin der Altenwohngemeinschaft erkundigte sich am Dienstag im Uniklinikum nach dem Befinden der Patientin. Die könne am Nachmittag abgeholt werden, hieß es, und die Betreuerin versprach, sich darum zu kümmern.

Allerdings sei da bereits der Malteser-Hilfsdienst vom Uniklinikum beauftragt worden, Maria Brammertz nach Hause zu fahren, berichtet Sohn Gusti. Der Krankentransportwagen habe sie so befördert, wie sie auf der Aufwachstation untergebracht war: Nur mit einem OP-Leibchen bekleidet sei sie in Stockheim angekommen, die Zugänge für die Infusionen steckten noch im Arm, die Pflaster für die Elektroden klebten noch auf der Haut. Ihre persönliche Dinge, darunter auch ihr Gebiss, ihre Brille und der Ehering kamen nicht in Stockheim an.

Der verzweifelte Sohn fuhr noch am frühen Abend ins Klinikum und suchte gemeinsam mit Pflegekräften nach den Sachen. „Die Reisetasche war überhaupt nicht markiert und in irgendeinem Schrank eingeschlossen. In einem anderen Fach fanden wir dann das Gebiss und die Brille. Nur der Ring ist nicht mehr aufzufinden”, erzählt Gusti Brammertz.

Seine Mutter sei zurzeit sehr verstört: „Ich hoffe jetzt inständig, dass sich meine Mutter keine Lungenentzündung beim Heimtransport geholt hat.”

Prof. Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, erklärte auf Anfrage der „Nachrichten”: „Ich bin betroffen über die geschilderten Vorkommnisse bei der Versorgung der Patientin und bedauere den dargelegten Ablauf des stationären Aufenthaltes, der in keinster Weise unserem Standard und unseren Vorstellungen entspricht. Wir klären die Geschehnisse aktuell zügig und rückhaltlos auf und werden gegebenenfalls strukturelle Veränderungen vornehmen, um sicherzustellen, dass derartiges in Zukunft nicht mehr vorkommt.”
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