Uniklinik trotzt dem Mangel an Fachkräften

Von: André Schaefer
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Den Heilungsprozess verbessern und beschleunigen: Professor Gernot Marx (l.), Leiter der Weaning-Station, und seine Mitarbeiter leisten wertvolle und in der Städteregion einzigartige Arbeit. Foto: Andreas Steindl
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Vorstandsvorsitzender Prof. Thomas Ittel: Der Ausbau des Klinikums schreitet voran. Foto: Klinikum

Aachen. Beim Betreten der Station fällt es schwer, sich wohlzufühlen. Zu sehr überwiegt das Bild der von Schläuchen und Maschinen umgebenen Patienten, die vom Flur aus durch die weit offen stehenden Türen zu sehen sind. Doch um Ästhetik ging es in der Uniklinik der RWTH Aachen noch nie.

Das soll es auch nicht. Erst recht nicht auf der Weaning-Station im achten Stock – der Ort, an dem sich von Beatmungsgeräten abhängige Patienten wieder daran gewöhnen sollen, selbstständig zu atmen. Weaning bedeutet im Englischen so viel wie abstillen oder entwöhnen. Und genau darum geht es: Patienten, die lange auf einer Intensivstation künstlich beatmet worden sind, stehen nach einiger Zeit vor dem Problem, dass ihre Muskulatur erschlafft ist. Bloß ein Drittel der Patienten gelingt es durchschnittlich, von der Beatmungsmaschine entwöhnt zu werden, um das selbstständige Atmen wieder zu erlernen. Zwei Drittel klagen entweder ein Leben lang über Atembeschwerden oder erliegen sogar am Ende ihrer Krankheit.

Im Aachener Uniklinikum soll der Heilungsprozess in Zukunft durch die neue Weaning-Station verbessert und beschleunigt werden. „In der Städteregion Aachen ist diese Station einzigartig, und ihre Besonderheit liegt in der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegekräften, Logopäden und Physiotherapeuten“, sagt Vorstandsvorsitzender Professor Thomas Ittel.

Erste Herz-Nieren-Station

Die neu geschaffene Station ist nur ein Teil, der den in diesem Jahr erfolgten deutlichen Ausbau des Uniklinikums dokumentiert. Ganze sechs Stationen hat das Krankenhaus in den vergangenen Monaten dazugewinnen können. Während mit den Bereichen der Gastroenterologie, Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie sowie Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie das Angebot erweitert werden konnte, ist es der Uniklinik ebenso gelungen, Deutschlands erste Herz-Nieren-Station zu eröffnen. Besonders mit letztgenannter Station reagiere man auf die medizinischen Forschungserkenntnisse, dass die Nieren und das Herz-Kreislauf-System eng miteinander verbunden seien, erklärt Ittel. „Ist das eine Organ krank, wird meist auch das andere Organ beschädigt.“

Durch die Erweiterung des medizinischen Angebotes sind während des gesamten Jahres 80 Betten hinzugekommen, so dass das Klinikum nun Platz für 1320 Betten bietet. Im kommenden Jahr sind unter anderem durch die Einrichtung einer psychosomatischen Station für Erwachsene sowie einer Station für Schlaganfallversorgung 80 weitere Betten geplant. Damit reagiere man auf den in den letzten Jahren gestiegenen Bedarf, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Reagieren musste man durch den Ausbau des Angebotes auch in Sachen Pflegepersonal. 116 neue Stellen hat die Uniklinik in den vergangenen zwölf Monaten geschaffen. „Ein echter Kraftakt“, sagt Ittel angesichts des bundesweiten Fachkräftemangels. Da verwundert es nicht, dass stolze 90 neue Pflegefachkräfte aus Rumänien stammen, die laut Ittel „allesamt studierte und bestens qualifizierte Fachkräfte“ seien. Eine Kooperation mit der Universität Sevilla wird zudem auch in Zukunft dazu führen, dass das Uniklinikum den Bedarf an Fachkräften mit qualifizierten Pflegern aus dem Ausland decken wird. „Die Integration funktioniert sehr gut. Das liegt vor allem an der hervorragenden Arbeit des Pflegedirektors Heinz Pelzer. Dennoch schauen wir uns immer zuerst auf dem heimischen Markt um“, betont Ittel.

Einzelne Bereiche bündeln

Gegen den Eindruck, die Uniklinik müsse aufgrund von Fachkräftemangel gar einzelne Stationen schließen, wehrt sich der Vorstandsvorsitzende jedenfalls mit Blick auf die jüngste Berichterstattung unserer Zeitung zur Schließung der Leukämie-Station vehement. „Es wird immer wieder Fluktuationen geben. Man wird auch immer wieder dazu gezwungen sein, einzelne Bereiche zu bündeln“, meint Ittel. „Wenn man jedoch sechs neue Stationen und 116 neue Stellen schafft, ist das etwas sehr Positives.“

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