Aachen - Unhaltbare Zustände in Feuerwehrhäusern

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Unhaltbare Zustände in Feuerwehrhäusern

Von: Georg Dünnwald und Heiner Hautermans
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Das alte, denkmalgeschützte G
Das alte, denkmalgeschützte Gebäude der Feuerwache 1, der Hauptfeuerwache an der Stolberger Straße, wird ab Herbst 2013 in drei Abschnitten saniert. Decken, die einzustürzen drohen, und Befall von Ratten gehören dann der Vergangenheit an.

Aachen. Gerätehäuser, die unter Wasser stehen, wenn die Wehrmänner ihren Einsatz beginnen wollen, weil das Flachdach seit Jahren undicht ist. Brandschutzvorschriften, die in einer Reihe von Gebäuden nicht eingehalten werden - wohlgemerkt bei der Aachener Feuerwehr.

Betondecken, die so brüchig sind, dass sie mit Stahlplatten abgestützt werden müssen, damit die Löschfahrzeuge nicht in den Keller krachen. Ratten im Keller und undichte Abwasserleitungen mit untragbaren hygienischen Bedingungen, diesmal in der Hauptwache an der Stolberger Straße.

An vielen Stellen, an denen in Aachen freiwillige oder hauptberufliche Feuerwehrleute untergebracht sind, herrschen Zustände, die man eher in der Dritten Welt als in der westlichsten Großstadt Deutschlands vermuten würde. Doch das Problem ist erkannt, Politik und Verwaltung bemühen sich um rasche Abhilfe. Die ist allerdings teuer und wird noch Jahre in Anspruch nehmen.

Ein weiteres Beispiel: Das Tanklöschfahrzeug ist nur von der Beifahrerseite aus zu besteigen, mit dem 7,5-Tonner, einem Löschfahrzeug, müssen die Wehrmänner der Freiwilligen Feuerwehr in Sief vorsichtig manövrieren, wenn sie von einem Einsatz zurückkommen. Denn bis zur Heizung sind gerade noch drei Zentimeter Platz. Für den Fahrer ist das eine echte Herausforderung, wenn er den Laster wieder in die Garage bringen möchte. „Wenn es stark regnet, läuft hinten im Gerätehaus das Wasser hinein und vorne heraus”, sagt Löschzugführer Georg Bartz.

Reiner Mertens, der Chef der Laurensberger Feuerwehr, erzählt davon, dass seine Männer vor einem Wassereinsatz erst mal im eigenen Gebäude einen Wassereinbruch bekämpfen mussten, ehe sie ausrücken konnten. Das Flachdach des Gerätehauses stamme aus dem Jahr 1979 und sei immer wieder undicht, an einer Stelle bilde sich Schimmel, im Aufenthaltsraum, in dem zum Beispiel Veranstaltungen mit Jugendlichen stattfinden: „Das ist hochgradig gesundheitsgefährdend.” Die Missstände seien seit Jahren bekannt und dem Gebäudemanagement gemeldet, aber nichts passiere: „Da tut sich nichts. Jeder der ein Haus hat, weiß, dass er für den Unterhalt etwas auf Seite legen muss.”

Viele Feuerwehrleute, ob freiwillig im Einsatz oder hauptberuflich, sind frustriert. In den Gerätehäusern fehlen getrennte Duschen fürs männliche und weibliche Personal, die Einsatzkleidung hängt direkt neben den Einsatzwagen und ist entsprechend kontaminiert, vor allem nach Einsätzen -auch in der Hauptwache an der Stolberger Straße. Vorgeschrieben ist eigentlich eine Trennung in einen Schwarz-Weiß-Bereich, doch ältere Gebäude stehen unter Bestandsschutz. Ein Feuerwehrmann: „Da hören wir von Großprojekten, die errichtet werden und Millionen von Euro kosten. Aber für uns ist kein Geld da.”

Der zuständige Dezernent, Lothar Barth, sagt: „Ich habe mich mit allen Löschzugführern in Brand getroffen. Auch der Chef der Berufsfeuerwehr, Jürgen Wolff, war dabei. Dabei haben mir die Leiter der Freiwilligen Feuerwehren ihr Leid geklagt. Das Thema ist bei mir angekommen, wir werden gemeinsam auf Abhilfe sinnen.” Er findet es gut, dass sich die Löschzugführer zu Wort melden, „dann wissen wir wenigstens Bescheid”. Schon am Dienstag tagte Barth zusammen mit Vertretern der Ratsfraktionen im neuen Gebäude der Feuerwache an der Stolberger Straße. Dort wollten sie auch über die Missstände in den Gerätehäusern der Freiwilligen Feuerwehren und auch über die im alten Gebäude an der Stolberger Straße sprechen.

Der Leitende Branddirektor Jürgen Wolff, Chef der Aachener Feuerwehr, bestätigt die Missstände. „Die sind bis in die Spitze hinein bekannt. Der Oberbürgermeister hat auf einem Empfang für Feuerwehrleute am 15. September im Weißen Saal des Rathauses deutlich gesagt, dass nun die Sanierung der Feuerwache an der Stolberger Straße ansteht.” Die Mittel dazu seien auch schon bereitgestellt. Was die Gerätehäuser, beispielsweise in Sief und Laurensberg, angehe, so gebe es Rahmenbedingungen, die vieles erschwerten.

„Der Naturschutz, der Gewässerschutz, der Landschaftsschutz”, zählt Wolff auf. Vorschläge, die unterbreitet würden, müssten passen. Er könne sich für Sief einen Neubau vorstellen, der allerdings nicht mehr so ortsnah gelegen sei. „Da laufen Gespräche.” Auch im Bereich der Wache 3 sei einiges zu klären. Denn an der Mathieustraße platze alles aus den Nähten. In Richterich sei man dabei, die Zufahrten zum Gerätehaus zu verlegen, weil bei Feten in der Peter-Schwarzenberg-Halle die An- und Abfahrt nicht gewährleistet sei.

In drei Abschnitten wird die Feuerwache saniert

Das alte Gebäude der Feuerwache 1, der Hauptwache an der Stolberger Straße, soll in drei Teilen saniert werden. Ein zuerst favorisierter Neubau wurde wieder verworfen. „Bei Abriss und Neubau hätten wir Probleme mit der Unterbringung der rund 300 Kollegen bekommen, die hier rund um die Uhr arbeiten”, erklärt Jürgen Wolff, der Aachener Feuerwehrchef.

Zunächst sei die Rettungswache dran. „Die Kosten werden refinanziert durch die Krankenkassen”, kommentiert Wolff ein Nullsummenspiel für die städtische Kasse.

Danach sei der Abschnitt Brand­schutz, anschließend der Bereich Umweltschutz und Logistik dran. Wolff: „Im Frühjahr 2013 wird die Ausschreibung verschickt, im Herbst nächsten Jahres können wir mit der Sanierung beginnen.” Zwei bis drei Jahre dauerten die Maßnahmen. „Solange müssen wir zusammenrücken”, sagt Wolff.

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