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„Ungetreuer” Bestatter vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Beinahe auf den Tag genau ist es ein Jahr her, dass der Bestattungsunternehmer Guido F. (46) aus Aachen in die Schusslinie der Öffentlichkeit geriet.

Verschiedene „Kunden”, heißt in diesem Fall Verwandte von Verstorbenen, hatte dem Unternehmer aus Aachens Ostviertel Untreue und Unterschlagung vorgeworfen, weil die von den Verstorbenen bei dem Unternehmen zu Lebzeiten eingebrachten Versicherungsbeträge für anstehende Beerdigungskosten einfach nicht gezahlt wurden. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelte in zig Fällen.

Inzwischen sind bei Gericht zwei Strafverfahren anhängig, von denen das erste, ein Steuerstrafverfahren, am Mittwoch vor Amtsrichterin Melanie Werz begann. Das Strafverfahren wegen Untreue und Betrug ist beim Aachener Schöffengericht anhängig, bislang gibt es jedoch noch keinen Verhandlungstermin.

Auch für das Geschäft mit dem Tod gilt, dass ausreichend Steuern abgeführt werden müssen, wie Staatsanwalt Jost Schützeberg dem inzwischen in der Insolvenz befindlichen Bestattungsunternehmer F. durch die Verlesung der Anklage unmissverständlich klar machte. Danach soll der Bestatter auch das Finanzamt um etwa 40.000 Euro geprellt haben.

Der zentrale Vorwurf ist, die gesetzlich vorgeschriebenen Erklärungen zur Umsatzsteuer nicht oder nur „verkürzt”, so der Staatsanwalt am Mittwoch, angegeben zu haben. Betroffen sind die Jahre 2008 und 2009, in denen der Unternehmer in 13 Fällen zu geringe Angaben gemacht haben soll. Die Beträge summieren sich für 2008 auf rund 17.000 Euro und für das Folgejahr 2009 auf weitere 23.000 Euro.

Inwieweit es sich bei diesen Beträgen um Forderungen aus möglicherweise unterschlagenen und nicht an die Hinterbliebenen ausgezahlten Gelder handelte wurde nicht klar, das das Verfahren nach der Erörterung der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten abgebrochen wurde. Der Vertreter des Finanzamtes war aufgrund eines Ladungsfehlers nicht anwesend, jetzt wird ein neuer Prozesstermin bestimmt.

Die ganze Sache war ans Tageslicht gekommen, als im März 2010 die Tochter eines Verstorbenen stutzig wurde. Ihr flatterten plötzlich Mahnungen der Stadt Aachen und eines Steinmetzes ins Haus, sie solle doch Beerdigungskosten bezahlen.

Dabei hatte der Vater bei dem Unternehmer eine Versicherung für den Todesfall abgeschlossen und regelmäßig eingezahlt. Damit waren, so hieß es vor einem Jahr, die Kosten der Beisetzung, der Blumenschmuck bis hin zur Grabeinfassung abgedeckt. Als der Fall offenbar wurde, wurde offenbar, dass eine Vielzahl von Hinterbliebenen Anzeige erstattet hatten.
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