Aachen - Und plötzlich sitzt er neben Giscard dEstaing

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Und plötzlich sitzt er neben Giscard dEstaing

Von: Martina Rippholz
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Unternehmer, Vater dreier Kinder und Diplomat: Dr. Francois Briolant hat viel zu erzählen. Am 5. Mai wird der französische Honorarkonsul in Aachen im Weißen Saal des Rathauses verabschiedet. Foto: H. Krömer

Aachen. Da saß er auf einmal mit Valéry Giscard dEstaing in einer Limousine. Direkt neben dem ehemaligen französischen Präsidenten. Es ging ganz schnell. Damals, im Frühjahr 2003. Da war Francois Briolant gerade französischer Honorarkonsul in Aachen geworden. Am zweiten Tag seiner Amtszeit wurde der Karlspreis verliehen -an seinen Landsmann.

„Das sind die Dinge, die einem im normalen Leben nicht widerfahren”, sagt Briolant. Das klingt ein bisschen komisch. Denn während er das sagt, sitzt der 72-Jährige in einem elegant geschwungenen Holzsessel aus der Zeit Napoleons. Um ihn herum entfaltet sich ein weiter Raum mit weiteren Kostbarkeiten, Stühlen, Tischen, Gemälden, Porzellanfiguren und Skulpturen aus den verschiedensten Jahrhunderten. All diese Dinge stehen in einer umgebauten Scheune im Aachener Nordwesten. Dort wohnt, nein residiert Briolant seit 1987, mit seiner Frau Christiane und den drei Kindern. Ganz „normal” war Briolants Leben wohl nicht.

Anfang der 70er Jahre ist der gebürtige Pariser ins Dreiländereck gekommen. Damals war er schon erfolgreicher Unternehmer, ließ sich mit der Medizintechnikfirma Vygon nieder. Doch Deutschland hatte es Briolant schon viel früher angetan. Als Schüler fuhr er zum Austausch in den 50er Jahren nach Warendorf. „Das war meine erste Auslandserfahrung”, erzählt er. „Das blieb hängen. So sehr, dass er zum Studieren wiederkam. In Berlin promovierte er im Fach Wirtschaftswissenschaften, um dann nach Aachen zu gehen. Schon 1993 schlug ihn Jürgen Linden als Honorarkonsul vor. Zehn Jahre später war es dann soweit. Briolant fand sich neben Giscard dEstaing in der Limousine wieder. „Da kamen ganz neue Dinge auf mich zu”, sagt er. Denn nun stand er vor der Aufgabe, offiziell sein Land zu repräsentieren. Er begrüßte Gerhard Schröder, Angela Merkel und Papst Johannes Paul II., der 2004 in Rom der außerordentlichen Karlspreis bekam. Und Jacques Chirac und Nicolas Sarkozy.

Doch auch für weniger bekannte Landsleute war Briolant da. So er weit es konnte. So vermittelte er, wenn Afrikaner bei der Einreise Probleme hatten. Oder er stellte Zertifikate für ehemalige deutsche Fremdenlegionäre aus, die für ihre Rente regelmäßig den Beweis bringen mussten, dass sie noch lebten. Jetzt, nach sechs Jahren als Honorarkonsul, gibt Francois Briolant den Stab weiter an Dr. Wolf Steinsiek. Am 5. Mai wird er im Weißen Saal des Rathauses offiziell verabschiedet. „Es war eine spannende Zeit”, sagt er. Aber nun freue er sich auf den Ruhestand. Vielleicht kauft er noch ein paar Gemälde, oder Möbel, oder Porzellan. Nur das freie Plätzchen in seinem Heim muss er noch finden.
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