Aachen - Unbegleitete Flüchtlinge: Land soll helfen

WirHier Freisteller

Unbegleitete Flüchtlinge: Land soll helfen

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
6279358.jpg
Fluchtpunkt Deutschland: Der Zustrom unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge hält an. Viele werden in Aachen aufgegriffen. Foto: Stock/Becker&Bredel

Aachen. Sie kommen aus Afghanistan oder Nordafrika, aus Syrien oder Eritrea. Wo auf der Welt es gerade besonders schlimm ist mit Krieg und Gewalt, das lässt sich in Aachen daran ablesen, aus welchen Ländern die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge stammen, die in der Grenzstadt von der Bundespolizei aufgegriffen werden. Der Verwaltungsjargon hat auch längst eine Abkürzung für die Jugendlichen: UMF.

Mit der Versorgung und Betreuung der UMF aber tut sich Aachen immer schwerer. Kinderheimplätze oder Wohngruppen sind längst mehr als voll. Der Kinder- und Jugendausschuss hat die Verwaltung deshalb nun beauftragt, den Kontakt mit der Landesregierung zu suchen. In Düsseldorf will man auf die Aachener Problematik aufmerksam machen und um Unterstützung bitten.

Aufgrund der Grenzlage kommen in Aachen besonders viele minderjährige Flüchtlinge an, die vor Ort von der Jugendhilfe versorgt werden müssen. Im Mai verzeichnet die Statistik 32 Neuankömmlinge, im Juni waren es 25, im Juli 22 und im August sogar 42. Nicht alle bleiben in Aachen. Viele versuchen zum Beispiel, sich nach Skandinavien durchzuschlagen. „Aber von den 42 Neuankömmlingen im August sind 22 bis heute geblieben“, informierte Brigitte Drews vom städtischen Jugendamt die Politiker. Und der Zustrom halte unvermindert an: „Neulich hatten wir den ersten jungen Syrer hier, letzten Dienstag kamen vier Jugendliche aus Eritrea an.“

Die Versorgung der minderjährigen Flüchtlinge treibt in Aachen auch die Kosten für die Hilfen zur Erziehung in die Höhe. Nach den jetzt vorliegenden, vorläufigen Zahlen muss laut Drews für 2013 mit einem Mehrbedarf von rund 1,4 Millionen Euro gerechnet werden. Damit steigen die HZE-Ausgaben auf rund 39 Millionen Euro. Alleine 4,5 Millionen Euro davon entfallen auf die Versorgung der jugendlichen Flüchtlinge.

Einen Großteil der Unterbringungskosten erhält Aachen zwar zeitversetzt von überörtlichen Trägern ersetzt, ein ordentlicher Batzen bleibt dennoch an der Kommune hängen. Am heutigen Dienstag befasst sich der Finanzausschuss mit den Zahlen.

Spitze in NRW

„Bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sind wir Spitzenreiter in NRW“, stellte Hilde Scheidt (Grüne) fest, „wir wissen nicht mehr, wo wir die Leute unterbringen sollen.“ Aachen nehme bei der Betreuung der Jugendlichen überörtliche Aufgaben wahr“, sagte Martin Künzer (SPD).

Auch die städteregionale Bürgermeisterkonferenz hat sich bereits mit der Unterbringung der minderjährigen Flüchtlinge in Aachen befasst. „Wenn uns die Räume fehlen, müssen wir den Blick stärker auf die Region richten“, sagte Fachbereichsleiterin Elke Münich.

Die jungen Flüchtlinge brauchen aber nicht nur ein Dach über dem Kopf und eine Betreuung durchs Jugendamt, sie müssen auch zur Schule gehen. Hier sieht die Schulaufsicht bereits Engpässe. Denn Internationale Förderklassen, in denen die jungen Zuwanderer zunächst Deutsch lernen, bieten bisher vor allem die Hauptschulen an. Und deren Zahl wird durch Schulschließungen immer kleiner.

Schwerpunkt-Grundschulen?

Die Aachener Grünen haben jetzt angeregt, auch im Grundschulbereich über internationale Förderklassen nachzudenken. Bisher werden Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an ihren jeweiligen Grundschulen an die deutsche Sprache herangeführt. Konzentrierter Unterricht an Schwerpunkt-Grundschulen könnte den Weg in die deutsche Sprache vielleicht erleichtern, heißt es in einem Ratsantrag der Fraktion. Die Verwaltung möge prüfen, was sinnvoll sei.

In der Städteregion denken CDU und Grüne ebenfalls über internationale Förderklassen an Grundschulen nach. Allerdings: Grundschulkinder für die sprachliche Integration zu einigen Schwerpunkt-Schulen zu transportieren, das widerspricht eigentlich dem ehernen Prinzip der Grundschulbildung: kurze Beine, kurze Weg.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert