Umzug in billigere Wohnung scheitert fast am Jobcenter

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Es hätte nicht viel gefehlt und Fenada Dizdarevic hätte heute nicht gewusst, wohin mit ihren sechs Kindern und ihren Möbeln. Erst in buchstäblich letzter Sekunde und nach Vermittlung der „Nachrichten“ hat das Jobcenter Aachen eingelenkt und die Umzugskosten der hilfsbedürftigen und zuletzt völlig verzweifelten Mutter aus Bosnien übernommen.

„Herzlich willkommen“ – wie sich das Jobcenter selbst gerne präsentiert – konnte sich Dizdarevic bei ihren zurückliegenden Besuchen in der Behörde jedenfalls kaum fühlen. Immer wieder sei sie abgewimmelt und weggeschickt worden, sagt sie. Zuletzt habe man sie vier Mal kommen lassen und dann doch jedes Mal wieder abgewiesen. Selbst in der Notfallsprechstunde am gestrigen Freitag wollte man sie nicht mehr anhören, obwohl alle Beteiligten hätten wissen müssen, wie groß die Not ist und wie sehr die Zeit drängt.

Denn seit Juli ist klar, dass Dizdarevic und ihre Kinder im Alter von acht bis siebzehn Jahren ihre Wohnung in der Von-Coels-Straße in Eilendorf verlassen müssen. Schwarzschimmel habe sich dort gebildet, zudem wolle die Sparkasse als neue Eigentümerin die Wohnung verkaufen, schildert sie die Umstände. Die Folge: Am heutigen Samstag muss sie raus aus der Wohnung und die Schlüssel abgeben. Das Gute: Sie hat bereits mit Einverständnis des Jobcenters eine neue Wohnung in Haaren finden können, die noch dazu deutlich preiswerter als die bisherige ist. Statt rund 1300 Euro sind künftig nur noch 980 Euro für die Warmmiete fällig. Für das Jobcenter eigentlich eine gute Sache. Doch deren Mitarbeiter weigerten sich bis zuletzt beharrlich, Geld für die Umzugskosten (rund 100 Euro für einen Leihwagen) und eine Wohnungskaution (250 Euro) zur Verfügung zu stellen. Wie die Frau ihre Möbel von Eilendorf nach Haaren schaffe, sei ihr eigenes Problem, sei ihr beschieden worden. Sie habe ja 600 Euro für die Kinder bekommen, darauf könne sie zurückgreifen. Doch das benötige sie für Lebensmittel, sagt Dizdarevic, die in ihrer Not am Freitag die „Nachrichten“ um Hilfe bat. Denn sie habe weder Geld für die Transporter-Miete noch für die Kaution.

Das Jobcenter Aachen reagierte auf Anfrage ausgesprochen wortkarg. Die Pressestelle in Eschweiler verwies mit dem Hinweis, nicht über Einzelfälle sprechen zu können, an das Servicecenter, das wiederum aus Datenschutzgründen weitere Auskünfte verweigerte. Immerhin: Es folgte nach kaum einer Stunde der Rückruf, wonach eine Lösung gefunden worden sei. „Die Kundin ist informiert.“ Wenn überhaupt, dann könne sie ja weitere Auskünfte geben.

„Die Kundin“ hat sich tatsächlich über den Anruf einer Teamleiterin im Jobcenter freuen können. Man sei wohl nicht richtig informiert gewesen, teilte sie der ebenso überraschten wie erleichterten Mutter mit. Natürlich werde man sowohl die Umzugskosten als auch die Kaution übernehmen. So konnte sich Fenada Dizdarevic am Nachmittag dann doch noch eiligst auf die Suche nach einem Transporter begeben und einen Bekannten als Fahrer anheuern.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert