BM Freisteller VIDEO

Umweltverbände warnen: „Dreckige Luft wie in China“

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
14006717.jpg
Erkennt dicke Luft: die Messstation Wilhelmstraße. Foto: Harald Krömer

Aachen. Vor chinesischen Verhältnissen warnen die Umweltverbände. Die Luftqualität in Aachen sei bei ungünstigen Witterungslagen so schlecht wie im dafür berüchtigten Reich der Mitte, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

Bei Politik und Verwaltung mahnen sie „effektivere Maßnahmen zur Luftreinhaltung“ an. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid sei im vergangenen Jahr an vielen Stellen in der Stadt deutlich überschritten worden, beklagen die Umweltverbände. An der Messstation Wilhelmstraße werde seit Bestehen der Umweltzone ein Jahresmittelwert von 50 Mikrogramm gemessen, am 27. Januar 2017 sei sogar der Ein-Stunden-Wert von 200 Mikrogramm gerissen worden.

Schuld daran ist nach Ansicht von Volker Schober vom ADFC Aachen eine verfehlte Verkehrspolitik. „Im Ergebnis ist es für viele Menschen attraktiver, das eigene Auto zu nutzen als mit dem Bus, dem Rad oder zu Fuß in die Stadt zu kommen.“ So werde eine Anpassung der Parkgebühren in der Innenstadt zur Reduzierung des Parkplatz-Suchverkehrs von der politischen Mehrheit aus ideologischen Gründen abgelehnt. Politisch unerwünscht sei auch die Umrüstung von Bussen mit Filtern, die den Ausstoß von Stickstoffdioxid verringern. Dabei könne das durch die Knöllchen-Einnahmen bei den Umweltzonensündern finanziert werden.

Einspruch erhebt da Harald Beckers vom städtischen Presseamt: Die Nachrüstung sei kostspielig und aus Sicht der städtischen Tochter Aseag betriebswirtschaftlich fragwürdig. Das Verkehrsunternehmen hält es für günstiger, direkt neue und modernere Busse anzuschaffen. So sollen bis 2018 insgesamt 15 Elektrobusse in Dienst gestellt werden. Einer wurde im vergangenen Jahr bereits ausgeliefert, sieben weitere sollen in diesem Jahr folgen, der Rest kommt dann im nächsten.

Damit kontert Beckers auch die Kritik der Umweltverbände, die Stadt erreiche bei der Erneuerung der Busflotte die selbstgesteckten Ziele nicht. Weil die E-Busse teurer seien, verzögere sich das Beschaffungsprogramm. Derweil fahren weiter Busse ohne grüne Plakette durch die Innenstadt, merken die Umweltverbände an, die Stadt erteile dafür immer noch neue Ausnahmegenehmigungen. Bei der Aseag sind laut Beckers noch 24 ältere Busse ohne das erforderliche Schildchen unterwegs, bis zum Ende des Jahres soll damit Schluss sein. Auch bei den Subunternehmern sei das angestrebt, sagt Beckers, hier gebe es noch vier Busse mit gelber und weitere vier mit roter Plakette. Den Segen der Stadt haben sie nur, um in Spitzenzeiten den Schülerverkehr zu verstärken.

Viele Ausnahmetatbestände würden die Wirkung der Umweltzone beeinträchtigen, kritisiert Ulrich Bierwisch vom VCD Aachen. Überhaupt sei die viel zu klein. Ihre Wirkung werde ohnehin überschätzt, hält Beckers dagegen, weshalb sich die Stadt ja auch lange dagegen gesträubt habe. Gegen die Feinstaubbelastung habe sie geholfen, Stickstoffdioxid sei damit aber nicht zu bekämpfen. Über 90 Prozent der Autos hätten ja eine grüne Plakette und würden dennoch die Luft mit Stickstoffdioxid belasten.

Lastwagen und Busse seien dabei oft sauberer als PKW, weshalb der Erneuerung der Busflotte große Bedeutung zukomme. Die Neuanschaffungen müssten „höchste Normen erfüllen, sonst macht das bei einem auf zehn Jahre ausgelegten Betrieb keinen Sinn“.

In Sachen Radverkehr gehe es ebenso nicht recht voran, monieren die Umweltverbände. Dessen Anteil soll laut Plan von elf Prozent im Jahr 2011 auf 20 Prozent im Jahr 2020 gesteigert werden. Grundlegende Verbesserungen seien jedoch seit Jahren nicht umgesetzt worden, bemängeln die Kritiker. Beckers verweist auf „viele kleine Maßnahmen“ wie etwa die Markierungen auf dem Adalbertsteinweg, wo eine Linksabbiegespur an der Josefskirche den Autofahrern weggenommen und den Radlern zugeschlagen wurde.

Dennoch hilft es den Aachenern wohl nicht wirklich aufs Rad. Auch im vergangenen Jahr seien wieder mehr Autos und Lastwagen zugelassen worden, sagen die Umweltverbände, in den vergangenen fünf Jahren drängten fast 6500 zusätzliche Fahrzeuge auf Aachens Straßen. Darauf habe die Stadt keinen Einfluss, meint Beckers, überhaupt könne die Verwaltung nur Beschlüsse der Politik umsetzen.

Das könnte womöglich nicht reichen, meinen ADFC und VCD. Sie erwarten negative Folgen nicht zuletzt für den Einzelhandel und die lokale Wirtschaft „aufgrund der spätestens 2018 drohenden Fahrverbote für dreckige Dieselfahrzeuge“. Beckers sieht das derzeit weniger dringlich: „Für Dieselfahrverbote gibt es noch keine rechtliche Grundlage.“

Leserkommentare

Leserkommentare (13)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert