Umstrittener Preisträger verlässt den Friedenspreis

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Initiative Kölner Klagemauer, Träger des Aachener Friedenspreises 1998, hat kommentarlos ihren Austritt aus dem Friedenspreis-Verein erklärt. Dies bestätigt auf Anfrage Friedenspreis-Sprecher Dieter Spoo. Es sei schade, wenn Preisträger austreten, sagt er, weiter wolle der Vorstand den Vorgang jedoch nicht kommentieren.

„Nach den Querelen im vergangenen Jahr wollen wir das jetzt am liebsten auf sich beruhen lassen.” Spoo bezieht sich damit auf die Antisemitismus-Debatte, die dem Friedenspreis zugesetzt und zu schweren Zerwürfnissen innerhalb des Vorstands geführt hat. Ausgelöst wurde der Streit nicht zuletzt durch antisemitische und israelfeindliche Karikaturen, die Klagemauer-Initiator Walter Herrmann ausgehängt hat und die ihm unter anderem Klagen wegen Volksverhetzung eingebracht hatten. Mehrere Friedenspreis-Mitglieder forderten die Vereinsspitze in der Folge auf, sich deutlich von Herrmann zu distanzieren.

Dazu konnte sich der Verein unter dem damaligen Vorsitz von Karl-Heinz Otten jedoch nicht durchringen. Stattdessen wurden weitere Solidaritätserklärungen für Herrmann verfasst. Mit Matthias Fischer und Hilde Scheidt erklärten wiederum zwei Vorstandsmitglieder ihren Rückzug. Otten ist seinerseits nach einer turbulenten Mitgliederversammlung unmittelbar nach seiner Wiederwahl im vergangenen November von seinem Posten zurückgetreten. Seither arbeitet der Friedenspreis mit einem verkleinerten Vorstand ohne Vorsitzenden. Der Fall Herrmann ist für den Aachener Friedenspreis seitdem kein Thema mehr.

Anfangs habe Herrmann mit seiner Idee zur Klagemauer „Großes geleistet”, meint Spoo rückblickend. In den letzten zwei Jahren sei aber jede Kommunikation mit ihm „sehr, sehr schwierig geworden”. Herrmann steht mit seiner Klagemauer seit 1991 auf der Kölner Domplatte und machte zunächst auf die Not der Obdachlosen aufmerksam, später bezog er Position gegen den Golfkrieg. Kritik hat er sich insbesondere durch seine Haltung zum Nahostkonflikt eingefangen, indem er Israel einseitig als Aggressor darstelle.

Neben Herrmann seien in diesem Jahr drei weitere Mitglieder aus dem Friedenspreis ausgetreten, sagt Spoo. Er hofft nun, dass die im Vorstand eingeleitete „Verjüngung” des Friedenspreises auch Folgen für die Mitgliederstruktur insgesamt habe. „Es gibt im Verein ganz viele Alt-68er”, sagt er, „wir hoffen, dass mehr junge Leute dazukommen und sich engagieren.” Aktuell habe der Verein etwa 370 Mitglieder.

Wichtigste Aufgabe ist die alljährliche Verleihung des Friedenspreises. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an die beiden Menschenrechtsorganisationen „Bor­derline Europe - Menschenrechte ohne Grenzen” und das mexikanische „Comité Cerezo”. Der Festakt findet am Samstag, 1. September, ab 19 Uhr in der Aula Carolina statt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert