Aachen - Umsetzungspläne für die Campusbahn: Imagegewinn durch Innovation

Umsetzungspläne für die Campusbahn: Imagegewinn durch Innovation

Von: Werner Breuer
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Zukunftsvision am Elisenbrunne
Zukunftsvision am Elisenbrunnen: Die Campusbahn würde in der Innenstadt ohne Oberleitungen auskommen. Die gäbe es in den Außenbereichen, wo nicht nur die Bahn, sondern auch Elektrobusse ihre Batterien aufladen könnten.Fotomontage: www.grueger-medien.de

Aachen. „Campusbahn” - das klingt etwas beschaulich nach guter alter Tram, vielleicht etwas aufgebrezelt. Die Pläne für eines der laut Oberbürgermeister Marcel Philipp „wichtigsten Projekte” der Stadt könnten allerdings die Verkehrsgewohnheiten der Aachener in Zukunft gründlich umkrempeln.

Eine solche moderne Stadtbahn wäre „das Rückgrat für die Elektromobilität in Aachen”, meint Prof. Dr. Adolf Müller-Hellmann. Der Geschäftsführer des Förderkreises des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen hat die Stadt bei der Erstellung des Umsetzungskonzepts beraten.

Was dabei herausgekommen ist, nennt der Oberbürgermeister ein „bekanntes System mit High-Tech-Komponenten”. Und diese könnten dafür sorgen, dass künftig nicht nur eine Stadtbahn mit Strom fahren würde. Oberleitungen müssten dafür nicht quer durch die Innenstadt gezogen werden. „Die gäbe es nur im Außenbereich”, verspricht Prof. Müller-Hellmann, „innerhalb des Alleenrings würden keine Masten aufgestellt und keine Oberleitungen verlegt.”

Infrastruktur für Ladestationen

Den Strom für die drahtlosen Passagen durch die Innenstadt bekäme sie dann aus Batterien, die bei den Fahrten durch die Außenbereich über die Oberleitungen aufgeladen würden. Auf diese Art könnten auch Elektrobusse ihre Stromspeicher füllen, die sich streckenweise an die Oberleitung anklemmen, um für ihre Touren durch die Wohngebiete wieder genügend Saft zu haben. Aber auch andere Elektrofahrzeuge könnten von der neuen Infrastruktur profitieren. Denn für die technisch notwendige Umstellung von Wechsel- auf Gleichspannung müssten einige sogenannte Unterwerke installiert werden.

Auf Park&Ride-Parkplätzen könnten die als Ladestationen für Elektrotaxis, E-Autos oder andere Fahrzeuge mit Stromantrieb dienen. Die dafür benötigte Energie könnte nach Auskunft von Stawag-Chef Dr. Peter Asmuth aus erneuerbaren Quellen kommen. Entstehen würde somit auch ein „intermodaler Mobilitätsverbund”, bei dem Bahn, Stadtbahn, bus und Individualverkehr miteinander vernetzt wären. Und das sollte möglichst mit einem durchgängigen Ticket zu nutzen sein, meint Hans Joachim Sistenich, der Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbunds. Er sieht in den Plänen ein „Fundament für ein komplett neues Mobilitätskonzept für die Stadt”.

Kosten: Über 200 Millionen Euro

Das würde allerdings auch ein hübsches Sümmchen kosten: Erste Schätzungen gehen von einem Investitionsvolumen von etwa 170 Millionen Euro allein für Fahrweg und Betriebshof nebst Planungs- und Baunebenkosten aus. Hinzu kommen die Kosten für die Fahrzeuge, die mit 54 bis 67,5 Millionen Euro beziffert werden. Immerhin könnte es bei der Streckeninfrastruktur eine Förderung von rund 90 Prozent geben. Geld könnte auch eine erfolgreiche Beteiligung am Bundeswettbewerb „Schaufenster Elektromobilität” einbringen. NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger unterstützt jedenfalls die Aachener Bewerbung. Für den Betreiber der Campusbahn ergäbe sich ein zusätzlicher jährlicher Finanzierungsbedarf von 4 bis 6,5 Millionen Euro.

Da fragt sich natürlich nicht nur der Oberbürgermeister, ob die Stadt das braucht. „Wir meinen: Ja”, gibt Marcel Philipp auch gleich die Antwort. Die Aseag stoße jedenfalls mit ihren Beförderungskapazitäten an Grenzen, meint Vorstand Michael Carmincke. Ein erwarteter Zuwachs des Fahrgastaufkommens durch die Campus-Projekte und steigende Studentenzahlen (Stichwort: doppelter Abiturjahrgang) wäre mit einem reinen Bus-System kaum zu stemmen. Außerdem wäre Aachen als Wissenschaftsstandort für solche innovativen Vorhaben doch prädestiniert, meinen neben Carmincke auch Prof. Günther Schuh von der Campus GmbH und IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Drewes.

Auf jeden Fall müsste es flott gehen, weil es Fördergelder nur dann gibt, wenn bis 2019 mit dem Vorhaben begonnen wird. Um das zu schaffen, muss die Politik schon bald Beschlüsse fassen.
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