Ums „Lernen vor Ort” gibt es kräftigen Zoff

Von: mg
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Irgendwann, nach gut einer Stunde Vortrag und Debatte, hielt es Schuldezernent Wolfgang Rombey nicht mehr auf seinem Stuhl. „Diese Diskussion regt mich auf”, bekannte er, „da muss ich wirklich an mich halten”. Allzu harsch war aus Rombeys Sicht die vorangegangene Kritik ausgefallen.

Den versammelten Politikern aus Schulausschuss sowie Kinder- und Jugendausschuss hatte zuvor Dr. Sascha Derichs das Förderprogramm „Lernen vor Ort” vorgestellt, das beim Bildungsbüro der Städteregion angesiedelt ist. Das bundesweite Projekt im Rahmen der Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung soll Kommunen helfen, vor Ort ein kohärentes Bildungsmanagement zu entwickeln. So soll lebenslanges, aufeinander abgestimmtes Lernen für alle Bürger ermöglicht werden.

Die Städteregion Aachen ist eine von nur 40 Kommunen bundesweit, die mitmachen dürfen. Das Projekt läuft zunächst über drei Jahre und ist mit Fördermitteln in Höhe von 60 Millionen Euro ausgestattet. Rund 1,87 Millionen Euro davon fließen in die Städteregion.

Ausführlich erläuterte Projektleiter Derichs den Ausschüssen Schwerpunkte und Ziele, sprach zum Beispiel über den Übergang von Kindergarten zur Grundschule oder die Bedeutung der sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Nach dem Vortrag allerdings hagelte es Kritik. „Sie haben uns gerade erklärt, was wir in Aachen seit Jahren machen”, bemängelte etwa Ulla Griepentrog (Grüne). Ihr Eindruck: „Hier starten Leute, die die Region nicht kennen, und erzählen uns, was wir schon wissen.” An systematischer Schulentwicklung zum Beispiel werde in Aachen seit Jahren gearbeitet, genauso an den Übergängen zwischen den Schulformen.

„Sie machen viel Theorie und wenig Praxis”, bemängelte Ruth Wilms (CDU), Vorsitzende des Kinder- und Jugendausschusses. Kritik gab es auch an der Einbindung kommerzieller Stiftungen in das Projekt. Für Aachen ist das zum Beispiel die Bertelsmann-Stiftung.

Rot-grüner Ratsantrag

Der Front der Kritiker hielt Wolfgang Rombey entgegen, dass die frühere rot-grüne Ratsmehrheit doch seinerzeit ausdrücklich die Installation eines Bildungsnetzwerks beantragt habe. „Und genau das ermöglichen wir für die Städteregion mit Hilfe des Bundes und mit viel Knete.”

Zwar seien in Aachen Zahlen vorhanden ,„aber Bildungsbiografien können wir nicht nachzeichnen”. Zwar gebe es in der Stadt eine Vielzahl von Einzelinitiativen, „aber sie werden nicht unterstützt”. Ziel aller Bemühungen müsse es aber sein, allen Kindern die gleichen Chancen beim schulischen Übergang zu verschaffen.

„Wir bauen hier kein städteregionales Kultusministerium auf”, versicherte Rombey. „Aber man kann doch nicht so tun, als es ob es keine Brüche gibt bei den Übergängen. Das Projekt ist nötig für die Region. Und dafür werbe ich um Unterstützung.”

Auch Schulrätin Ulla Roder brach eine Lanze für „Lernen vor Ort”. Die Brücke vom Kindergarten zur Grundschule funktioniere an vielen Stellen. „Aber es gibt auch Standorte, da kooperieren Kindergärten und Schulen nicht.” Das Förderprogramm, hofft Roder, kann helfen, eine Systematik für alle Beteiligten zu entwickeln.

Die Jugend- und Schulpolitiker wollen auf jeden Fall am Ball bleiben. „Wir als Politiker in Aachen haben ein Interesse, eingebunden zu werden”, gab Martin Künzer (SPD) Projektleiter Derichs zum Abschied mit auf den Weg.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert