Aachen - Ulla Schmidt will es noch ein letztes Mal wissen

Ulla Schmidt will es noch ein letztes Mal wissen

Von: Achim Kaiser
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Mit viel Gelassenheit und Optimismus blickt Sozialdemokratin Ulla Schmidt auf den Wahltag. Sie hofft, dass sie ein besseres Ergebnis als vor vier Jahren erzielt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Vor vier Jahren ging Ulla Schmidt noch als Ministerin in den Wahlkampf – mit viel Energie und Optimismus. Am Ende stand ein Desaster. Die gestandene Politikerin erlebte in ihrer Heimat einen Absturz sondergleichen: Mit nur 29,95 Prozent der Erststimmen unterlag die Sozialdemokratin ihrem direkten Konkurrenten Rudolf Henke (39,42 ) überraschend deutlich.

„Das war schon ein Schock“, blickt die 63-Jährige zurück. „Diesmal ist die Stimmung aber anders“, macht sie sich Mut. Bei ihren zahlreichen Veranstaltungen in Aachen spüre sie den Rückenwind von den Bürgern. Auch habe sie sich gefreut, dass alle SPD-Größen einen Abstecher nach Aachen gemacht haben, um sie zu unterstützen – sei es nun Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel oder auch Altkanzler Gerhard Schröder.

Allerdings – und das weiß sie nur zu gut – hänge viel davon ab, ob die SPD-Wähler auch tatsächlich am kommenden Sonntag ihre Stimme abgeben. Denn, so die Bundestagsabgeordnete, „Merkel setzt auf Demobilisierung“. Die Kanzlerin sei gar nicht daran interessiert, dass viele Menschen zur Wahl gingen. Eine hohe Wahlbeteiligung würde Merkels Chancen im Amt zu bleiben nur mindern, glaubt Schmidt.

„Ich weiß, dass viele Leute noch unentschlossen sind. Ich hoffe, dass sie alle zur Wahl gehen“, betont die Aachenerin. Und will sie bis zuletzt leidenschaftlich um jede Stimme kämpfen. „Beide Kreuze sind sehr wichtig“, sagt die Vollblut-Politikerin, die seit 23 Jahren Mitglied des Bundestages ist, acht davon als Gesundheitsministerin. Zwar ist sie mit Listenplatz 10 eigentlich ganz gut abgesichert, dennoch weiß sie aus ihrer langjährigen Erfahrung: „Ein Direktmandat stärkt die Position. Außerdem gibt es keinen sicheren Listenplatz.“

Dennoch: Unabhängig vom heimischen Ergebnis der Erststimmen dürfte die Aachenerin am 22. September erneut in den Bundestag einziehen. Dann will sie peu à peu einen Nachfolger beziehungsweise eine Nachfolgerin aufbauen. Um dann möglicherweise 2014 oder 2015 in Aachen als Oberbürgermeister- Kandidatin gegen Marcel Philipp anzutreten? „Nein“, unterstreicht, der Politprofi, „die Aachener SPD muss einen jüngeren Kandidaten aufstellen. Ich widme mich der Frage: Wer wird 2018 mein Nachfolger in Berlin?“.

Bis dahin will sie sich in der Bundeshauptstadt weiter für die Belange der Menschen in ihrer Heimatstadt einsetzen und nennt als Beispiele ihren Einsatz für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Bombardier und im Schwertbad, ihre Bemühungen, Aachen als Gesundheitsregion zu stärken sowie ihr Engagement bei dem Aufbau einer neuen Hospiz-Stiftung für die Städteregion Aachen.

Als Verfechterin sozialer Gerechtigkeit will sie sich für die Stärkung der Tariflöhne ein- und den gesetzlichen Mindestlohn durchsetzen: „Junge Menschen müssen sich für Kinder entscheiden können. Dazu bedarf es einer klaren Ordnung auf dem Arbeitsmarkt.“ Besonders am Herzen liegt ihr auch, dass alle Bürger die bestmögliche Gesundheitsvorsorge und Pflege erhalten. „Was die Pflege betrifft, ist jetzt schon fünf nach zwölf. Da ist bei dieser Regierung alles liegen geblieben und nichts passiert.“

So spricht sie sich für einen Umbau des Gesundheitswesens aus, in deren Mittelpunkt die Einführung einer Bürgerversicherung steht. Sie soll das duale System mit privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen ersetzen. Weil dies mit der CDU nicht umsetzbar ist, hält Schmidt eine schwarz-rote Koalition für „die zweitschlechteste Lösung nach Schwarz-Gelb“. „Die aktuelle Koalition ist die schlechteste Regierung, die wir je hatten.“ Um so mehr setzt sie sich bei ihren zahlreichen Auftritten in Aachen und in der Region für die „beste Lösung“ ein: Rot-Grün. Und diese Auftritte absolviert sie in diesen Wochen lockerer als noch vor vier Jahren. Damals wurden ihr Wahlkampf von der sogenannten Dienstwagenaffäre überschattet. Ihre teils ungeschliffenen Sätze wurden genüsslich bundesweit seziert. Ihr Minister-Bonus erwies sich als zu schwere Last.

„Ich bin wie ich bin. Der eine oder andere unterschätzt mich, das weiß ich. Aber ich schreibe eben keine Bücher“, sagt die „echte Ulla“ aus Aachen und blickt dem Wahlsonntag mit viel Gelassenheit entgegen. Dabei schöpft sie viel Mut aus den sozialen Netzwerken. Viele junge Leute seien im Internet unterwegs, und bei diesen Abstimmungen lande Merkel nicht auf dem vordersten Platz. „Wie viel die ganzen Prognosen tatsächlich wert sind, werden wir am Sonntag wissen“, schaut Schmidt nach vorne und fügt mit einem charmanten Lächeln hinzu: „Ich rechne schon mit einem besseren Ergebnis als vor vier Jahren.“

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