Überraschung zum Abschied des Feuerwehr-Einsatzleiters Brewer

Von: Kristina Roeder und Wolfgang Schumacher
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Vor dem Rathausfenster weiß Einsatzleiter Norbert Brewer (Mitte) noch nicht, dass das alles nur für ihn geplant wurde. Fotos (2): Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger

Aachen. Da staunte der alte Feuerwehr-Fuchs Norbert Brewer nicht schlecht: Am rückwärtigen Fenster des Rathauses in schwindelnder Höhe direkt unter der Ebene des Krönungssaals steckte ihm sein Vorgesetzter, Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff, die Hände von innen durch die völlig verrauchte Fensteröffnung entgegen.

Brewer, seines Zeichens Brandoberamtsrat und Personalratsvorsitzender der Aachener Berufsfeuerwehr, wollte eigentlich nichts anderes, als weitere Personen aus dem vermeintlich vom Feuer heimgesuchten Rathaus retten. Sandra Sommer aus dem OB-Büro hatte sich bereits „freiwillig“ in den Korb des Hublastrettungsfahrzeugs gestürzt und wurde langsam nach unten gefahren. Andere „Gefährdete“, wie letztlich auch OB Marcel Philipp, sollten folgen, die Täuschung gelang perfekt.

Einfach retten, was es zu retten gibt, das wollte Brewer wie so lange Jahre schon auch an diesem Tag. Die Leitstelle hatte ihm bei seiner letzten Schicht als Einsatzleiter die Order gegeben „Aufsitzen, leichte Rauchentwicklung aus dem Rathaus!“.

Eine Fehlinformation, die allen sichtlich viel Spaß machte und als Hommage an den wehrhaften Gewerkschafter und Bundesvorsitzenden des Fachbereichs Feuerwehr und Rettungsdienste in der Komba-Gewerkschaft gedacht war. Und der fuhr mit dem kompletten Löschzug tatsächlich nichts ahnend zum Einsatzort.

Dann, im Rathaus war klar: Der Alarm war ein Vorwand, den seine Kollegen inszeniert hatten, um ihn zu überraschen und für seinen langjährigen Dienst bei der Feuerwehr und im Personalrat zu danken, denn Brewer geht mit 60 zum 31. März in den Ruhestand. „Ich bin richtig platt“, gestand der Einsatzleiter, als er aus dem luftigen Korb durchs Fenster gekrabbelt war und in voller Montur auf der Treppe zum Krönungssaal stand.

Dann gingen er und Wolff mit weiteren Kollegen und begleitet vom Leiter des Oberbürgermeisterbüros, Alexander Lohe, durch den künstlichen Qualm aus einer Disco-Nebelmaschine zum Weißen Saal, ein offizieller Empfang war fällig. „Hier ist ja alles verraucht, das darf doch nicht wahr sein!“ machte sich der alte Kämpe richtig Sorgen um das alte Gemäuer der Karlspfalz. Wolff beruhigte: „Das zieht schnell wieder raus.“

Wieder schlagfertig

Unten in Parterre dann im Weißen Saal fand Brewer seine Schlagfertigkeit wieder, als OB Marcel Phi­lipp gemeinsam mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg den Raum betrat: „Herr Oberbürgermeister, ich wollte Sie eigentlich retten!“, rief der Feuerwehrmann lachend aus und schüttelte beiden Verwaltungschefs nacheinander die Hand. Philipp dankte dem Personalratsvorsitzenden für die jahrelang geleistete Arbeit – nicht nur als aktiver Berufsfeuerwehrmann und kompetenter Einsatzleiter, sondern gleichermaßen für die im Ehrenamt geleistete Arbeit auf Orts-, Landes- wie auf Bundesebene für die Belange der Kollegen.

Brewer dankte seinerseits bewegt. Der Simmerather versicherte: „Ich habe immer mit großer Freude für die Stadt Aachen gearbeitet.“ Mit Blick auf Philipp und Etschenberg beeilte sich Brewer zu sagen, dass er trotz aller kleinen Scharmützel zwischen Aachen und der Städteregion sicher sei, dass „dies der richtige Weg in die Zukunft“ sei.

Die guten Wünsche von seinem Chef, dem OB und dem Stadtregionsrat für seine Zukunft ohne Wehr nahm er dankend entgegen. Er freue sich darauf, weiter im Ehrenamt, heißt in der Fachgewerkschaft Komba, tätig sein zu können und dafür nun mehr Zeit zu haben. „Man muss sich natürlich darüber im Klaren sein, dass ich mit 60 jetzt in den letzten Lebensabschnitt eingetreten bin“, stellte er nüchtern und doch beinahe philosophisch fest. Dann gab es ein Schlückchen Sekt, auch für die „gerettete“ Sandra Sommer, die noch ein wenig blass ob der gelungenen Höhenrettung war.

Wann die Wehr zum letzten Mal aus ernstem Anlass vor die Tore des Rathauses anrückte, wusste indes spontan niemand so recht. Philipp erinnerte sich an eine folgenlose Verqualmung, die ihre Ursache in der Küche des Ratskeller-Restaurants hatte.

Alexander Lohe steuerte bei, dass bei einer Übung vor etwas mehr als drei Jahren so genannte Höhenretter der Feuerwehr zum Einsatz kamen. Ansonsten gab es nichts zu melden in Sachen Feuer und Rathaus, glücklicherweise!

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