Aachen - Übernachten in einer Welt aus Eis und Schnee

Übernachten in einer Welt aus Eis und Schnee

Von: Katharina Menne
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Aachen. Blau beleuchtet hebt sich der kantige Schriftzug vom weißen Hintergrund ab. „Iglootel“ steht da. Es ist ein Hotel aus Eis und Schnee mitten in der verschneiten Weite von Schwedisch-Lappland nahe dem Polarkreis. Bereits zum vierten Mal haben Studenten der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg die Innengestaltung entworfen und sich am Bau der eisigen Unterkunft beteiligt.

Das Hotel besteht aus über 20 einzelnen Iglus, die mit Gängen miteinander verbunden sind. Der gesamte Komplex erstreckt sich auf einem ungefähr 3000 Quadratmeter großen Grundstück in der Nähe der lappländischen Stadt Arjeplog. Von einer Rezeption, mehreren Schlafzimmern, einer Bar bis hin zu einem großzügigen Wellnessbereich hat das Hotel alles, was das Herz erwärmt.

Besondere Herausforderungen

Seit Ende August haben die 23 Studenten, die sich für das Studienprojekt gemeldet haben, das Konzept entworfen und an der Ausführung gefeilt. Das Hotel entsteht in Kooperation mit einem Unternehmen, das Mitarbeiter der internationalen Automobilindustrie zu ihren Wintertestgebieten in Lappland fliegt. Der Kontakt ist durch eine ehemalige Studentin der Akademie entstanden.

„Der Realitätsbezug macht für mich den besonderen Reiz des Projekts aus“, sagt Kolja Heinrichs. Der 27-Jährige ist wie auch seine Mitstudenten mit Feuereifer dabei. Keiner hier habe vorher jemals mit Eis und Schnee gearbeitet, sagt er – das stelle alle vor ganz besondere Herausforderungen. Sie mussten sogar spezielle Werkzeuge anfertigen, um dem besonderen Material gerecht zu werden.

Klimawandel verändert Polarkreis

In diesem Jahr steht das Iglootel unter dem Motto „Die arktischen Völker heute“. Einerseits ist es der Klimawandel, der die Landschaft und das Leben im Polarkreis verändert, andererseits die Globalisierung und der Fortschritt der Technik. Die indigenen Völker, wie die Samen oder die Bujaten, leiden darunter.

Dieses Thema haben die Studenten in ihren Entwürfen aufgegriffen. Die Wandschnitzereien in den Schlaf-Iglus stellen abstrahiert den Rückgang der Lärchenwälder, die landschaftstypische Moltebeere, den Schneemobilverkehr, das Tauen des Permafrostbodens oder die geplante Errichtung eines riesigen Parks mit Windkraftanlagen dar. In den Gängen liest der Hotelbesucher die Namen der verschiedenen arktischen Völker. Für die besondere Stimmung sorgen die Lichtinstallationen.

Viele Arbeitsstunden sind in das Projekt hineingeflossen. Das gilt nicht nur für die umfangreichen Vorbereitungen. Im vergangenen Dezember sind die Projektteilnehmer zusammen mit ihrem Dozent Hans Präffcke in den eisigen Norden geflogen, um ihre Entwürfe in die Tat umzusetzen. „Das Hotel ist sogar noch größer geworden als in den letzten Jahren“, sagt Hans Präffcke. Es sei noch ein großer Eventbereich hinzugekommen.

Doch bevor die Studenten mit ihren Schnitzereien und der Einrichtung loslegen konnten, musste das Hotel erst einmal gebaut werden. Auch dabei halfen sie tatkräftig mit. Riesige Ballons wurden dazu an Ort und Stelle platziert und mithilfe von Schneekanonen mit Schnee umhüllt. Dieser vereist über Nacht, am nächsten Morgen wird die Luft aus den Ballons gelassen – und fertig sind die Iglus.

„Der Umgebungsschnee eignet sich nicht besonders gut zum Bauen, da er zu trocken ist und deshalb nicht haftet“, erzählt Präffcke. Insgesamt herrsche dort ein sehr trockenes Klima, ganz anders als im deutschen Winter.

Auch die Temperaturen vor Ort waren gewöhnungsbedürftig, erzählt Anja Reimann. „Bis etwa -15 Grad ist es noch gut auszuhalten“, sagt die 24-Jährige. „Alles, was kälter ist, war wirklich anstrengend.“ Man müsse sich viel bewegen.

Im Vergleich zu den Außentemperaturen herrschen im Iglootel jedoch recht konstante null Grad.Der Boden ist mit Holzplanken ausgelegt. In den Schlaf-Iglus wurden stilecht Rentierfelle ausgelegt und Kerzen aufgestellt. Die Hotelgäste schlüpfen nachts in Polarschlafsäcke, die angenehm warm halten.

Trotz der anstrengenden Arbeit und einer leicht verspäteten Eröffnung am 14. Januar sind sich alle einig, dass sich der Aufwand gelohnt hat. „Das Projekt war wie ein kleines Abenteuer“, sagt Kolja Heinrichs. „Und Lappland ist wunderschön – vor allem die Polarlichter waren beeindruckend.“

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