Überirdisches aus dem Talkessel

Von: Lars Germann
Letzte Aktualisierung:
szene_23_bu
Links Ernst Wawra, rechts Asu Yalcindag, zusammen Alphawezen: Er bedient die Regler, sie sorgt mit ihrer bewegenden Stimme für den roten Faden in der Musik des Duos. Foto: Manja Schiefer

Aachen. „Mit unserer Musik versuchen wir, flüchtige Glücksmomente festzuhalten und zu verarbeiten.” Das sagt Ernst Wawra, eine Hälfte des Aachener Duos Alphawezen. Im Jakobshof gibt die Gruppe, die mit ihrer Mischung aus Ambient und Elektro-Pop international erfolgreich ist, am Donnerstagabend eines ihrer seltenen Konzerte.

Irgendwo ganz hinten am Firmament leuchten die beiden Sterne Delta Wezen und Alpha Sirius. „Daraus wurde unser ,künstlicher Stern´ Alphawezen”, erklärt Ernst Wawra vermutlich nicht zum ersten Mal die Herkunft des Bandnamens. Galaktisch fiel übrigens auch das Urteil der 3sat-Kulturzeit aus, die Alphawezen „Musik aus einem anderen Universum” bescheinigte.

Glücklicherweise sind Ernst Wawra und Sängerin Asu Yalcindag trotz aller überirdisch anmutenden Attribute nach wie vor bodenständig geblieben. Genauer gesagt, fühlen sie sich auch im Aachener Talkessel recht wohl. Hier produzieren sie ihre Musik: Wawra an den Reglern, Yalcindag am Mikro. Und selbst wenn der eine oder andere beim Hören derselben wahre Höhenflüge zu erleben scheint, sind die Stücke von Alphawezen doch letztlich irdisch angelegt: Zwar überwiegend elektronisch produziert, wirkt ihre Musik nicht zuletzt dank Yalcindags einzigartiger Stimme organisch und berührend.

„Schwebcore”

Manch einer mag Alphawezen mit Elektro-Pionieren wie Massive Attack oder Air vergleichen. Sie selbst stellten einmal den Begriff „Schwebcore” in den Raum, beschrieben ihre Musik als „Gleiten auf dem gewissen Scheitelpunkt von Schwere und Leichtigkeit”. Genauso ambivalent ist auch Wawras Verständnis von „Glücksgefühlen” zu verstehen, die das Duo zu konservieren suche: Denn Alphawezen sind keineswegs eine fröhliche Disco-Truppe für schweißtreibende Tanzeinlagen bei sommerlichen Temperaturen. In Asu Yalcindags Gesang und Texten spielt viel mehr die Melancholie eine tragende Rolle, das Gefühl am „Ende eines Urlaubs, wenn man sich als Kind vom Meer verabschiedet.”

Elektronische, zuweilen monotone Beats, flirrende Synthesizerklänge und Samples aus der Dose hin oder her: Alphawezen transportieren in erster Linie Emotionen, verpackt in eingängige Melodien und zum Leben erweckt in der Person Yalcindags, deren liebliche, aber auch bewegende Stimme den roten Faden in der Musik Alphawezens bildet. Steril ist das Ganze keinesfalls. Schon gar nicht im Live-Kontext, selbst wenn da keine Band im klassischen Sinne auf der Bühne steht, sondern ein Mann an Keyboards, Laptops und allerlei Gerätschaften herumschraubt, während seine Muse den Kontakt zur Erde herstellt.

Seit über zehn Jahren sind Alphawezen bereits aktiv, haben drei Studio-Alben und zuletzt ein Remix-Album veröffentlicht - und ihre Fangemeinde wächst stetig. Auftritte in ganz Europa haben sie hinter sich und einen Titel zum Soundtrack des Kinofilms „Nathalie” (2003) mit Grard Depardieu beigetragen. Ihre Musik wird in spanischen Cafs und bulgarischen Clubs, in Modegeschäften und Chillout-Lounges gespielt. Kürzlich trat das Duo in einem Club in Istanbul auf und konnte kaum fassen, dass die über 200 Gäste sämtliche Texte auswendig kannten.

Trotz des Erfolges sind Asu Yalcindag und Ernst Wawra bodenständig geblieben, machen ihre Jobs neben der Musik und treten nur fünf- oder sechsmal im Jahr auf. Eine dieser seltenen Gelegenheiten ergibt sich am Donnerstagabend um 20 Uhr im Jakobshof, wo Alphawezen vor den Lokalmatadoren von Senor Torpedo an den Start gehen. Letztere bestreiten ihren Auftritt übrigens mit Pat Appleton, der Sängerin von De-Phazz.

Konzerte in Aachen:

Donnerstag, 23. Dezember: Jakobshof: Weihnachtskonzert zugunsten des Chill Out e.V. mit Alphawezen (Ambient-Elektro-Pop) und Senor Torpedo (Elektro-Pop). 20 Uhr. Autonomes Zentrum: Original Richie Pong & Sane Ground (Reggae). 20 Uhr.

Samstag, 25. Dezember: Hotel Europa: Die Teilnehmer (Deutsch-Pop). 20 Uhr.

Montag, 27. Dezember: Domkeller: Trapset (Upliftingweirdcosmicrock) und Oile Lachpansen (Akustik-Indie-Punk). 19.30 Uhr.

Mittwoch, 29. Dezember: Jakobshof: Peter Sonntag Quartett (Modern Jazzrock). 20 Uhr. Autonomes Zentrum: Faster Pussycat! Kill! Kill!, Epia und Endnote (Screamo, Hardcore). 20 Uhr.

Last Exit: Moodcut (Acoustic Groove Pop). 20 Uhr. Hauptquartier: Jancee Pornick Casino (Rockabilly, Surf Rock). 21 Uhr.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert