Übergriffe in der Kita: Eltern kritisieren Jugendamt

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Körperkontakt kann so schön sein. In einer Aachener Kindertagesstätte soll es jedoch Ubergriffe unter Kindern gegeben haben, auf die das Personal angeblich nicht angemessen reagiert habe. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Aachen. Nach Berichten über sexuelle Übergriffe von älteren auf jüngere Kinder in einer Aachener Kindertagesstätte drängen die betroffenen Eltern weiter auf schonungslose Aufklärung. Sie werfen dabei nicht nur der Leitung und dem Vorstand der Einrichtung Versagen vor, sondern kritisieren inzwischen zunehmend auch das städtische Jugendamt und die zur Aufklärung eingesetzte Fachstelle.

Kritisiert wird insbesondere, dass die Fachstelle keine direkten Gespräche mit den betroffenen Eltern geführt habe. In einer am Freitag verbreiteten Pressemitteilung der von einigen Eltern und dem Ratsherrn Horst Schnitzler gegründeten Initiative „Augen auf 2011” heißt es unter anderem, dass sich die Fachstelle bislang ausschließlich mit dem Kita-Vorstand besprochen habe. „Verhält sich so eine Fachstelle, die ernsthaft an einer Aufklärung des Sachverhalts interessiert ist?”

Ferner fragen die Vertreter der Initiative nach, ob inzwischen alle Opfer der sexuellen Übergriffe und alle übergriffigen Kinder festgestellt wurden. Sie wollen wissen, ob ihnen und den Eltern weitere Hilfe und Beratung angeboten und ob Ursachenforschung betrieben wurde.

Natürliche Entwicklung ermöglichen

Ziel müsse es sein, Kindern eine natürliche sexuelle Entwicklung frei von Gewalterfahrungen zu ermöglichen, betont die Initiative. Bei „übergriffigen Kindern” müsse die Ursache für ihr Verhalten ergründet werden, um Fehlentwicklungen frühzeitig gegenzusteuern.

Wie berichtet, soll es in einer Kita über längere Zeit hinweg zu massiven sexuellen Übergriffen zwischen Kindern gekommen sein, die Personal und Vorstand als „Doktorspiele” abgetan hätten. Die Vorfälle seien bagatellisiert, die betroffenen Kinder nicht genügend geschützt worden. Die ersten Vorfälle wurden im September 2009 gemeldet, das Jugendamt erhielt im Februar 2010 Kenntnis davon, im Sommer erstattete eine Mutter Anzeige.

Bereits einmal eingestellte Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die Kita-Leitung sind inzwischen wieder aufgenommen worden. Die Untersuchungen zu den Vorfällen laufen, wann mit einem Abschluss zu rechnen ist, kann Robert Deller, Sprecher der Staatsanwaltschaft, nicht absehen. Kita-Leitung und -vorstand sowie der als Dachverband zuständige Paritätische Wohlfahrtsverband wollen den Ausgang des Verfahrens abwarten, bevor sie sich äußern.

Einheitliche Notfallpläne

Unterdessen hat die Stadt mehrfach erklärt, dass allen betroffenen Eltern und Kindern unmittelbar Hilfe angeboten worden ist. Auch wird die Einrichtung, in der es zu den Vorfällen gekommen sein soll, kontinuierlich beraten und begleitet. Für alle Aachener Kitas gelten im Falle sexueller Übergriffe die gleichen Notfallpläne, betont die Stadt. Bei Verdachtsmomenten der Kindeswohlgefährdung werden sofort speziell ausgebildete Fachkräfte und die Fachabteilung Soziale Dienste und Jugendpflege hinzugezogen.
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