Aachen - Überfälle trotz der massiven Polizeipräsenz

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Überfälle trotz der massiven Polizeipräsenz

Von: Heiner Hautermans
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Raubüberfall Symbolbild
Sieben Raubüberfälle sind jetzt wieder über das lange Wochenende, also von Donnerstag, 2. Oktober, bis Sonntag, 5. Oktober, gezählt worden. Foto: colourbox/Royalty-free

Aachen. 365 Raubüberfalle haben sich im letzten Jahr in Aachen ereignet, also jeden Tag einer. Der Hinweis, dass man trotz der seit Ende August anhaltenden Serie von brutalen Übergriffen statistisch immer noch unter den Vorjahreszahlen liegt, hilft aber im Moment nicht groß weiter.

Sieben Raubüberfälle sind jetzt wieder über das lange Wochenende, also von Donnerstag, 2. Oktober, bis Sonntag, 5. Oktober, gezählt worden. Fast alle Überfälle trugen sich in der Innenstadt zu. Und fast immer gingen die Täter mit großer Brutalität vor. Zwei der Opfer mussten mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Gesamtzahl der brutalen Attacken ist damit auf fast 50 angewachsen.

Am Montag wollte die Polizei weitere Einzelheiten, etwa zu Personenbeschreibungen und Fahndungsansätzen bekanntgeben. Doch die sind dünn. Neu ist lediglich, dass in der Gruppe der zehn Täter, die auf der Trierer Straße aktiv waren, auch vier junge Frauen gewesen sein sollen. Ein 38-Jähriger war dort am frühen Sonntagmorgen zusammengeschlagen worden, die Bande verletzte den Mann und raubte sein Handy.

Sieben neue Taten, das zweitschlimmste Wochenende seit Ende August. Und das, obwohl die Polizei ihre Präsenz in der Innenstadt mit Dutzenden Beamten, sowohl in Uniform als auch in Zivil, stark erhöht hatte. Sprecherin Iris Wüster: „Wir waren wieder massiv in der Stadt unterwegs.“ Und obwohl die Tätergruppierungen wieder sehr unterschiedlich gewesen seien, wiesen die Vorgehensweisen wieder einige Gemeinsamkeiten auf: „Was erschreckt, ist wieder das brutale Vorgehen mit Tritten und Schlägen.“ Und die Überfallenen eine die Hilflosigkeit, etwa alte Menschen auf dem Friedhof oder Betrunkene, die allein auf dunklen Straßen und Plätzen unterwegs waren und deshalb leichte Opfer seien, die auch keine präzisen Beschreibungen liefern könnten.

Nach wie vor empfiehlt die Polizei Nachtschwärmern, „sich bewusst nicht in Gefahr zu begeben“, etwa zu mehreren nach Hause zu gehen, möglichst belebte Straße zu wählen, teure Smartphones auch schon in der Disco möglichst nicht zu zeigen. Da viele Opfer unter Schock stehen und erst nach Hause gehen, vergehe kostbare Zeit. Deswegen werden Zeugen gebeten, sofort den Notruf 110 zu wählen. Wüster: „Besser zwei Mal anrufen als gar nicht. Oft wird das nicht getan, weil jeder denkt, der andere hat das schon gemacht.“

Für eine Verschärfung der Regeln, wie sie jetzt von mancher Seite gefordert wird, sind auch routinierte Polizisten, die seit vielen Jahren mit Verbrechen zu tun haben, nicht. Holger Kroth, stellvertretender Leiter des Kommissariats Vorbeugung: „Das Strafrecht, wie wir es haben, ist gut.“ Ob es immer richtig angewendet werde, sei eine andere Frage. Wichtig sei aber, dass die Bürger mitzögen, etwa die Vorsichtsmaßnahmen der Polizei beherzigten, vom Meiden dunkler Straßen in einsamer Nacht bis zu Vorsorge am eigenen Haus durch Sichern von Fenstern und Türen: „Man sollte es den Tätern so schwer wie möglich machen.“

Ohnehin, ergänzt Opferschutzbeauftragte Sylvia Reinders, könne die Polizei das Problem der Gewaltdelikte nicht allein lösen. „Die Gesellschaft muss mehr Geld investieren.“ Etwa in Jugendzentren, soziale Einrichtungen oder Sportvereine. Stattdessen würden überall Zuschüsse gekürzt, sollen etwa die Stellen von Sozialarbeitern an Schulen gestrichen werden: „Es sind jetzt schon viel zu wenige.“ Schließlich müsse man erst einmal auf die Idee kommen, jemanden zu überfallen.

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