Aachen - Übeltäter im Schatten der Müllabfuhr aktiv?

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Übeltäter im Schatten der Müllabfuhr aktiv?

Von: Holger Richter
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Alle Jahre wieder fliegen in den ersten Wochen des neuen Jahres die Weihnachtsbäume aus den Aachener Haushalten. Doch wohin damit? Die Stadt hat einige Sammelstellen eingerichtet. Vielerorts – vor allem in den Außenbezirken – sind aber auch Messdiener oder Pfadfinder unterwegs, um gegen eine kleine Spende, die abgeschmückten Bäume einzusammeln und zu entsorgen.

Meist finanzieren sie damit Teile ihres Jahresprogramms, einen Ausflug oder ähnliches. Das machen auch die Vennfüßler in Oberforstbach, Schleckheim und Lichtenbusch seit Jahren so. Doch am vergangenen Samstag sind ihnen dabei vermutlich einige Bäume und damit auch einige Spenden entgangen.

Denn Michaela Nießen, die in der Oberforstbacher Straße wohnt und von dem Service der Pfadfinder Gebrauch machen wollte, erlebte am Samstag folgendes: „Ich hatte einen Zettel an den Baum gehängt mit der Bitte, bei mir zu klingeln, um eine kleine Spende in Empfang zu nehmen. Obwohl die Pfadfinder erst um 11 Uhr mit dem Abholen beginnen sollten, klingelte es bereits um 9 Uhr bei uns“, berichtet sie den „Nachrichten“.

Ein Mitarbeiter der Müllabfuhr habe mitgeteilt, dass er von der Stadt sei und den Biomüll mitnehme. Denn wegen der Feiertagsverschiebung fiel der Abholtermin für Rest- und Biomüll in diesem Jahr auf Samstag, 6. Januar. „Ich ging hinaus und sah, dass der Wagen für den Restmüll da war. Trotzdem wollte er offensichtlich unseren Baum dort entsorgen. Ich konnte ihn jedoch davon abhalten“, berichtet Michaela Nießen weiter. Schließlich seien Baum und Spende für die Pfadfinder vom Stamm der Vennfüßler gedacht gewesen.

Als Michaela Nießen kurz darauf mit einer Bewohnerin der unteren Oberforstbacher Straße telefonierte und dabei erfuhr, dass dort bereits alle Bäume weg waren, obwohl es noch lange nicht 11 Uhr und die Biotonne noch nicht geleert war, wuchs bei ihr der Verdacht, dass sich Mitarbeiter der Müllabfuhr das Geld und die Süßigkeiten, die die Anwohner häufig an die Bäume heften, genommen und die Bäume in den Restmüllwagen geworfen haben.

Doch dem ist nach Auskunft des Stadtbetriebs nicht so. „Wir haben unsere Mitarbeiter, die an diesem Tag in Oberforstbach unterwegs waren, befragt“, teilt Elisa Bresser vom städtischen Presseamt mit. „Sie beteuern, dass sie keine Spenden oder Süßigkeiten genommen hätten.“ Außerdem seien auch keine Bäume im Restmüll gelandet, sagt Bresser und fügt hinzu: „Wir würden uns von so einem Vorgehen auch entschieden distanzieren.“

Sie glaubt, dass es sich hier um Trittbrettfahrer handeln könnte, die sich als Mitarbeiter der Müllabfuhr ausgeben oder gezielt dann ihre Untaten ausüben, wenn auch die Müllabfuhr dort unterwegs sei, um den Verdacht auf deren Mitarbeiter zu lenken. „Wir hatten so einen Fall schon einmal vor einigen Jahren“, erzählt Elisa Bresser, „da wurde eine Reihe von Kellereinbrüchen immer an den Tagen verübt, als dort auch der Müll abgeholt wurde.“ Sie bittet Anwohner, die an Müll-Abholtagen Verdächtiges beobachten, dies dem Stadtbetrieb zu melden, um Probleme sofort zu klären und vielleicht sogar die Übeltäter zu schnappen. Die entsprechende Telefonnummer lautet Telefon 0241/42 31 86 66.

Eher mehr als weniger Bäume

Den Pfadfindern selbst ist am Samstag jedenfalls nichts Verdächtiges aufgefallen. „Wir haben weder auffällig weniger Bäume am Straßenrand gefunden, noch deutlich weniger Spenden eingenommen“, teilt der Vorstand der Vennfüßler mit. Ohne genau nachgezählt zu haben, sei es ihnen eher so vorgekommen, als seien es in diesem Jahr besonders viele Bäume gewesen.

Von dem Verdacht der Anwohner aber hätten sie sehr wohl gehört. „Für uns ist es manchmal ein Problem, dass die Anwohner ihre Spende an den Baum heften“, sagt eine Sprecherin. Wenn dies unterbliebe, würden potenzielle Übeltäter vielleicht erst gar nicht in Versuchung geführt. „Unsere Pfadfinder klingeln gerne an der Haustür, dann kann mit der Spende nichts schief gehen.“

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