U3-Kinderbetreuung: Bis 2013 fehlen fast 400 Plätze

Von: Margot Gasper
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Aachen. 371 zusätzliche Betreuungsplätze für unter Dreijährige müssen in Aachen bis zum 1. August 2013 geschaffen werden. Nur dann steht für 35 Prozent der unter Dreijährigen ein Platz zur Verfügung, und nur dann ist der Rechtsanspruch, der ab dem 1. August 2013 gilt, zu erfüllen.

Das ist die Schlussfolgerung aus einem fast 300-seitigen Zahlenwerk, das der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule jetzt den Jugendpolitikern präsentierte. Diese sozialraumbezogene Bedarfs- und Ausbauplanung für die Kindertageseinrichtungen soll die Basis legen für die konkrete Ausbauplanung in den kommenden Jahren.

371 zusätzliche Plätze sind ein dicker Brocken. Noch weitaus dramatischer allerdings wird die Zahl, wenn man beim Bedarf mehr als die gesetzlich geforderten 35 Prozent zugrunde legt. Auf der Basis einer Elternbefragung zum Betreuungsbedarf hat die Verwaltung eine zweite Rechnung aufgemacht. Will man zum 1. August 2013 für 44,4 Prozent der U3-Kinder eine Betreuung bereithalten - und diese Nachfrage gilt als durchaus realistisch -, dann müssen laut Verwaltung sogar 911 zusätzliche Plätze geschaffen werden.

Aktuell gibt es in der gesamten Stadt mehr Plätze für über Dreijährige, als benötigt werden. Die Versorgungsquote dieser Kinder liegt bei fast 110 Prozent. Bei den unter Dreijährigen gibt es aktuell lediglich für 28,67 Prozent der Kinder eine Betreuung.

Aachen verfügt über 7099 Plätze in Kindertagesstätten, die nach dem Kinderbildungsgesetz (Kibiz) gefördert werden. Die Kindertagespflege, also die Betreuung bei Tagesmüttern oder -vätern, steuert weitere 400 Plätze bei. Dazu kommen laut Verwaltung noch 301 Plätze in privatgewerblichen Einrichtungen oder „anderweiten Betreuungsformen”.

Ausdrücklich hatte die Politik aber nicht nur einen Blick auf die gesamte Stadt, sondern ein Bild von Bestand und Bedarf in den einzelnen Vierteln gefordert. Die Verwaltung hat deshalb jeden der 14 Sozialräume genau unter die Lupe genommen. Ergebnis: Der Bedarf in den Quartieren ist durchaus unterschiedlich. Beispielhaft erläuterte Manfred Ernst vom Fachbereich die Berechnungen für den Sozialraum 3, Ostviertel/Rothe Erde. Dort werden im Sommer 2013 insgesamt 94 Plätze fehlen, wenn man 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz anbieten will.

Einen hohen Bedarf an zusätzlichen U3-Plätzen stellt die Verwaltung außerdem für die Sozialräu me Zentrum/Soers und Burtscheid/Beverau, ferner für Forst/Driescher Hof und Brand fest.

Den 371 U3-Plätzen, die in Aachen fehlen, um bis 2013 den geforderten Rechtsanspruch zu erfüllen, steht nach Berechnungen der Verwaltung ein Überhang von 617 Plätzen bei den Kindern über drei Jahren gegenüber. „Diese Plätze können aber nicht einfach umgewandelt werden”, betonte Manfred Ernst. Unter anderem würden diese Plätze gebraucht, um die Sechsjährigen zu versorgen, die noch nicht eingeschult werden.

Zum Zahlenwerk des Jugendamts gibt es auch noch eine Machbarkeitsstudie, die das Gebäudemanagement in Auftrag gegeben hatte. Darin werden sieben Standorte aufgelistet, die für Kita-Neubauten grundsätzlich infrage kommen: Untersucht wurden zum Beispiel bestehende Kindertagesstätten, die umgebaut oder erweitert werden könnten, aber auch Schulstandorte, die in den nächsten Jahren schließen. Auch die Möglichkeit, komplett neu zu bauen, wurde geprüft. Auf der Liste des Gebäudemanagements mit grundsätzlich machbaren Projekten stehen drei komplette Neubauten (Schagen­straße, Eintrachtstraße und Kurbrunnenstraße), zwei Neubauten nach Teilabriss (Passstraße und Nerscheider Weg) sowie zwei Neubauten nach Abriss (Kalverbenden und Händelstraße).

Im Kapitel „Möglichkeiten der Umsetzung” erörtert die Verwaltung für die Sozialräume Zentrum/Soers, Ostviertel/Rothe Erde und Burtscheid/Beverau eine Kombination aus Neubauten, Anbauten und Baumaßnahmen im Bestand. So könnten, überschlägig berechnet, 185 neue U3-Plätze geschaffen werden. Gesamtkosten: rund 10,45 Millionen Euro.

Auch in Neubaugebieten sind Flächen für Kindertagesstätten vorgesehen. Allerdings steht laut Verwaltung auch für viele Wohngebiete noch nicht fest, wann gebaut wird und wo dann dort eine Kita entsteht.

Der Haushaltsentwurf für 2012 wird am 12. Oktober im Stadtrat eingebracht. „Im Etatentwurf sind Pauschalen vorgesehen, um zumindest Sofortmaßnahmen anzugehen”, erklärte Stadtdirektor Rombey, 2,5 Millionen Euro für einen Neubau und weitere 2,5 Millionen Euro zur Anpassung an das Raumprogramm.

Die Fraktionen wollen das dicke Zahlenpaket nun erst einmal studieren und in der Oktobersitzung des Kinder- und Jugendausschuss eingehend beraten. Die Zeit drängt. Bis zum 1. August 2013 sind es nicht einmal mehr zwei Jahre.
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