Aachen - U3-Betreuung: Auch bei den Notlösungen wird‘s eng

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U3-Betreuung: Auch bei den Notlösungen wird‘s eng

Von: mg
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Es ist nicht einmal sicher, dass man allen Familien zumindest eine Notlösung für den Übergang anbieten kann. Foto: dpa

Aachen. Jetzt warten alle gespannt auf den 4. Juni. Dann will der Kinder- und Jugendausschuss Übergangslösungen beraten und beschließen, mit denen man ab Sommer die Betreuungslücke bei der Versorgung der unter Dreijährigen schließen will. 332 Familien mit Kindern zwischen einem und drei Jahren stehen nach derzeitigem Stand zum 1. August unversorgt auf der Warteliste – mindestens 332.

Und es ist nicht einmal sicher, dass man allen Familien zumindest eine Notlösung für den Übergang anbieten kann. Die Übergangslösungen interessieren auch die Erzieherinnen. Denn wenn womöglich die Betreuungsgruppen in den Kindertagesstätten überbelegt werden, ginge das auch zu ihren Lasten. Deshalb war das Kita-Personal am Dienstag in großer Zahl zur Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses vertreten, als die Verwaltung den aktuellen Anmeldestand vorlegte.

Mit einer U3-Versorgungsquote von immerhin gut 37 Prozent kann sich Aachen im landesweiten Vergleich selbstbewusst präsentieren. Mit 332 Familien auf der Warteliste ist nun aber mit Zahlen belegt, was Fachleute und Politik für Aachen stets vorausgesagt haben: Der Bedarf an Kleinkindbetreuung ist sehr viel größer. Hinzu kommt: Auch der „sehr gute Ausbaustand“ (so Jugendamtschefin Elke Münich) von 37 Prozent wird nur nach und nach erreicht. Etliche Baumaßnahmen, die in der Vorbereitung sind, werden erst 2014 oder sogar 2015 fertig. Die SPD geht davon aus, dass am 1. August, wenn der neue Rechtsanspruch auf U3-Betreuung gilt, 80 eingeplante Plätze noch nicht zur Verfügung stehen.

„Noch schneller schaffen wir den Ausbau nicht“, erklärte Elke Münich. Deshalb müsse man mit den freien Kita-Trägern über Übergangslösungen nachdenken. Etliche Varianten seien denkbar.

Container-Module könnten für eine Übergangszeit angemietet werden und zusätzliche Kita-Gruppen aufnehmen. In Schulen, die demnächst leer stehen, ließen sich Kleinkindgruppen einrichten. Auch eine Überbelegung von Kita-Gruppen ist im Gespräch. Hilde Scheidt (Grüne) versicherte, man werde solche Maßnahmen „nur im Einvernehmen mit den Kitas“ anpacken. „Wir werden nicht einfach die Kinder verteilen und abwarten, was passiert.“

Gleichwohl hat der Personalrat mögliche veränderte Gruppenstärken vorsorglich durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen lassen. In einem Schreiben an den Oberbürgermeister mahnt Personalratsvorsitzende Karola Hoch in solchen Fällen die Beteiligung des Personalrats an. Ohnehin lehne der Personalrat eine Vergrößerung der Kita-Gruppen grundsätzlich und entschieden ab, heißt es in dem Brief.

Nächste Woche wird auch der Runde Tisch zum U3-Ausbau beraten, welche Notlösungen praktikabel sind. Hilde Scheidt sieht aber auch das Land in der Pflicht, finanziell nachzulegen. Denn die Kibiz-Pauschale gebe die notwendige personelle Ausstattung nicht her. Und die Qualität der Kinderbetreuung dürfe auf keinen Fall leiden.

Die SPD kritisierte erneut, dass die Stadt nicht früher und mehr ausgebaut habe. „Wenn wir 2010 und 2011 nicht auf der Bremse gestanden hätten, dann wären wir jetzt weiter“, mahnte Martin Künzer (SPD).

Stadtdirektor Wolfgang Rombey warnte ausdrücklich vor zu hohen Erwartungen an die Übergangslösungen: „Ich muss die Erwartung, dass jeder einen Platz findet, drosseln.“ Nach den Beschlüssen am 4. Juni werde man darangehen, „die dringendsten Fälle“ abzuarbeiten. Man werde sogar bei den Nachbarkommunen nachfragen, ob es dort vielleicht noch freie U3-Plätze gibt.

Auch Notlösungen seien nicht von heute auf morgen möglich, warnte der Schuldezernent. „Auch wenn wir in leere Schulen gehen, brauchen wir Geld und müssen die Räume herrichten.“

Für den Übergang sind in Aachen auch „Lena-Gruppen“ im Gespräch, Großtagespflegestellen für bis zu neun Kinder, die eng mit einer Kita verzahnt sind. Ein bunter Werbe-Flyer liegt mittlerweile druckfrisch auf dem Tisch. „Die Großtagespflegestellen scheitern aber schon daran, dass keine freien Wohnungen in passender Größe in der Nähe der Einrichtungen zu finden sind“, erklärte Rombey mit Blick auf den angespannten Wohnungsmarkt in Aachen.

Die Erzieherinnen auf den Zuhörerbänken hätten im Ausschuss gerne auch etwas zur Personalentwicklung in den Kitas gehört. Schließlich hat eine Organisationsuntersuchung ergeben, dass in Aachen rund 80 Fachkräfte in den Kitas fehlen. Dieses Thema konnte in der Sitzung allerdings nicht angepackt werden, weil die zuständigen Experten aus dem städtischen Fachbereich Personal und Organisation nicht anwesend waren. Übers fehlende Personal soll nun ebenfalls am 4. Juni geredet werden.

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