Tumulte haben ein Nachspiel

Von: Achim Kaiserund Gerald Eimer
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Die Tumulte auf der Ersti-Rallye von Donnerstag werden ein Nachspiel haben.

Aachen. Die Tumulte und Pöbeleien am Willy-Brandt-Platz, an denen am Donnerstag rund 200 Erstsemester-Studenten erheblichen Anteil hatten, beschäftigten auch am Freitag noch Hochschule, Polizei und Anwohner.

Während Studentenvertreter sich bereits als Opfer einer reißerischen Darstellung sehen, erhoben Anwohner und Geschäftsleute am Freitag weitere Vorwürfe gegen enthemmte und alkoholisierte Jung-Akademiker und gegen eine angeblich überraschte und nicht gewappnete Polizei.

Als Dennis Neffgen Freitagmorgen die Lokalpresse las, war er „schockiert”. Der 26-Jährige Asta-Referent saß am Donnerstag zunächst in der Koordinationszentrale für die Erstsemesterrallye, wurde später aber auch Augenzeuge der Auseinandersetzungen am Willy-Brandt-Platz. „Die Darstellung in den Zeitungen ist völlig übertrieben. Bis auf diesen Vorfall war das eine gute Rallye”, sagt Neffgen.

Wie berichtet, machte in der Einkaufszone zeitgleich der Truck der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar” Station. Dort warteten zahlreiche Aachener DSDS-Kandidaten auf ihren Auftritt. Laut Neffgen hätten die Studienanfänger auch an dem Casting teilnehmen wollen, um für ihre Gruppen im Rahmen der Rallye Extrapunkte zu sammeln.

In der Folge aber kam es zu Pöbeleien und verbalen Ausfällen gegen „DSDS-Talente”. Die angetrunkenen Studenten skandierten „Scheiß Dieter Bohlen” und beschimpften die Casting-Kandidaten. „Man konnte deutlich spüren, wie die Stimmung immer aggressiver wurde”, sagt ein Tabakhändler, der eine völlig andere Bewertung vornimmt als Neffgen. „Das war keine Party, die haben gegrölt wie die Idioten und wurden immer ausfallender. Das war reine Provokation.” Rundum hätten die Geschäftsleute Angst gekriegt, einige hätten vorsorglich ihre Läden zugemacht. Denn die Polizei „hatte nichts im Griff”, so die Kritik des Geschäftsmannes. Damit widerspricht er der Darstellung der Polizei, mit „starken Kräften” vor Ort gewesen zu sein. Stattdessen hätten drei Beamte machtlos zugesehen, wie Studenten Busse und Rettungswagen blockiert hätten.

Tatsächlich sei die Entwicklung für die Polizei nicht vorhersehbar gewesen, sagt Polizeisprecherin Sandra Schmitz. Dennoch sei es gelungen, kurzfristig Kräfte der Hundertschaft zusammenzuziehen, die die Lage schließlich beruhigen konnten. Nicht verhindern konnte die Polizei hingegen, dass ein 21-Jähriger mit einer starken Platzwunde in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er war bei einem Fluchtversuch gegen eine Schaufensterscheibe geprallt. Nach letztem Stand sollte er zur Beobachtung lediglich über Nacht im Krankenhaus bleiben.

„Wir werden Ende Oktober bei einem Reflexionstreffen mit städtischen Vertretern und Hochschulverantwortlichen über die Vorfälle reden und über Konsequenzen nachdenken”, sagt Asta-Referent Neffgen. Dass die Rallye aus dem Einführungsprogramm für die „Erstis” gestrichen wird, glaubt er nicht: „996 Tutoren waren mit mehreren tausend Erstsemestern unterwegs. Nur weil eine verhältnismäßig kleine Gruppe sich nicht an vorher vereinbarte Richtlinien hält, darf doch der große vernünftige Teil der Erstsemester nicht darunter leiden.”

Vorwürfe an die Tutoren

Ähnlich äußert sich auch die Hochschulleitung: „Wir bedauern das Verhalten einzelner Erstsemester. Im Vorfeld sind jedoch vielfältige Maßnahmen mit den Studierenden und den städtischen Einrichtungen ergriffen worden, um die Veranstaltungen in geordneten Bahnen ablaufen zu lassen. Wenn sich dennoch 200 von 7500 Erstsemestern nicht an die Regeln gehalten haben, so ist dies einerseits eine Aufgabe für das kommende Jahr, andererseits aber auch eine Frage individuellen Verhaltens, das nie vollkommen reglementiert werden kann.”

Schon vor der großen Aussprache richtet Neffgen auch Vorwürfe an einen Teil der Tutoren: „Der Vorfall wäre zu vermeiden gewesen. Die Tutoren hatten klare Anweisungen. Sie hätten den Willy-Brandt-Platz meiden müssen, beziehungsweise ihre bis zu 40-köpfigen Gruppen wegleiten müssen, als es brisant wurde.”
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