Aachen - Tuchfabrik: 80 Stellen stehen in Brand auf der Kippe

Tuchfabrik: 80 Stellen stehen in Brand auf der Kippe

Von: Wolfgang Schumacher
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Die Pleite in Sachsen zieht Aachen mit: Der ehemaligen Tuchfabrik Becker wird nur die Produktion von Jeansstoffen bleiben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Stunde der Wahrheit für das Fortbestehen auch des Aachener Bereichs der seit November im Insolvenzverfahren steckenden Palla Creativ Textiltechnik GmbH & Co. KG (ehemals Tuchfabrik Becker) schlägt aller Voraussicht nach am Montag oder Dienstag kommender Woche.

Dann wird sich entscheiden, ob etwa 60 bis 80 der insgesamt etwa 160 Aachener Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit gehen werden. Denn dass Teile der sächsischen Produktion nach Aachen kommen und der Standort Brand von der Schließung in Sachsen profitieren könne, ist eine Legende.

Schon am Freitag wurden nach Informationen der „Nachrichten” eine Anzahl von Mitarbeitern „freigestellt”, heißt zum Arbeitsamt geschickt, was in einem laufenden Insolvenzverfahren durchaus möglich ist.

Dass das Schwesterwerk in St. Egidien bei Dresden mit etwa 465 Beschäftigten definitiv geschlossen wird, ist nach der Absage eines vier Millionen Euro Kredites durch den Freistaat Sachsen bereits seit Mitte der Woche klar und wurde auf einer Betriebsversammlung verkündet.

Mitte der Woche fand auch eine Demonstration von Betriebsangehörigen vor dem sächsischen Wirtschaftsministerium in Dresden statt. Trotz des Protestes bei Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) wurden keine Ergebnisse erzielt.

Insolvenzverwalter Christoph Niering und Geschäftsführer Peter Recker arbeiten derweil an einem so genannten Plan B. Der sei allerdings noch nicht fertig, hieß es wiederholt von Firmensprecher Thomas Schulz.

Der Kölner PR-Mann brachte zunächst die Sachsen wieder in die Schusslinie, sie alleine hätten ihre Vier-Millionen-Kreditversprechen gebrochen. Was vom Insolvenzverwalter allerdings ausgeblendet wurde, ist die niederschmetternde Einschätzung des Ministeriums.

Minister lehnte ab

Minister Jurk hatte vor Betriebsrats- und Belegschaftsvertretern offengelegt, dass die „Rettungsbeihilfe” durchaus gezahlt werden würde: „Dazu steht der Freistaat nach wie vor”, hieß es vom Minister und weiter: „Bisher hat es der Gesellschafter abgelehnt, sich ebenfalls zu bewegen.”

Denn auch der Investor müsse „einen angemessenen Teil” übernehmen. Jener Investor im Hintergrund, der auch bei der ebenso insolventen niederrheinischen Palla-Creativ-Tochter engagiert ist, tat das aber nicht, so dass der Deal platzte.

Ministeriumssprecherin Martina Pirk zu den „Nachrichten”: „Es lag kein schlüssiger Plan vor. Und der eigentliche Finanzbedarf ging auch eher gegen sechs Millionen. Das war dann rechtlich an der Grenze.”

Da Sachsen hochwertige Tuche für Markennamen wie „Boss” herstelle und die großen Marktführer Sicherheit für ihre Kollektionen haben müssen, sei der Zug inzwischen komplett abgefahren.

Für Aachen bleibe aber, so hofft IG-Metall-Chef Franz-Peter Beckers, die Fertigung der hochwertigen Jeansstoffe - Stellenbedarf für etwa 100 Mitarbeiter.
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