Trump und Schulz würzen den Kappesball

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Drummer der Band „The Four Shops“ wird traditionell in einem Einkaufswagen hereingeschoben. Das Finale beim Kappesball Nummer vier war beeindruckend und ein echter Abschlusshöhepunkt. Foto: Andreas Herrmann
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Herr Schulze und Herr Schröder „glänzten“ als Nazis. Foto: Andreas Herrmann
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Kurt Radermacher bringt uns die Bedeutung des „Ho“ nahe. Foto: Andreas Herrmann
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Aufgetrumpft: Necip Tokoglu bezieht sich in seinen Scherzen auf den amerikanischen Präsidenten. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Im vierten Jahr war jetzt in der Kappeshölle, Pardon Kappertzhölle natürlich, Premiere des Aachener Kappesballs, jener jecken Veranstaltung, auf der die legitimen Nachfolger der närrischen Strunx-Akteure weiterhin den alternativen Karneval zelebrieren.

Jetzt kann man es sagen: Mit dem diesjährigen Programm hat sich das Ensemble unwiederbringlich in die Liga der Traditionsveranstaltungen gespielt, die Gags kamen ebenso spontan wie präzise, der Saal ging ab wie ein Zäpfchen, die aktiven Närrinnen und Narren zeigten selber richtig Spaß an der Freude_SSRq.

Und letztlich endete die freudige Sache in einem Beifallssturm mit mehrminütigem Finale, in dem die kultige Band „The Four Shops“ bei ihrem Klenkes-Song so richtig ins Jammen kam – es hätte Stunden so weiter gehen können.

Dabei ist in dieser Session Kappesballgründer Meikel Freialdenhoven (Wahlspruch: „Da freu' ich mich ein zweites Loch in de Fut“) nicht dabei, es sei ein „einmaliger Verzicht“ des langen Humor-Urgesteins, rein aus privaten Gründen, berichtete Kappes-Wirt Peter Kappertz.

Das Riesengemüse

Ob gut oder schlecht für ihn: Der lange Meikel wurde fraglos zu hundert Prozent ersetzt. Wie immer krochen einzelne Akteure aus dem fahl-grünen Riesengemüse auf der Bühne – der Türe aus dem Weißkohl – heraus. In den Kohl hinein hatte es selbst ein quietschend orangefarbener dickbäuchiger Kürbis geschafft, in dem Thorsten Neumann (Hoppla – Das Duo) steckte und den Pausenclown gab. Als völlig nutzlos wurde er von den anderen mehrfach unerbittlich von der Bühne hinunter gemobbt. Als Ur-Öcher hatte zuvor Komiker Kurt Radermacher die Menge im Saal über die zweibuchstabige simple Öcher Silbe „Ho“ aufgeklärt.

Erstauntes „Ho“

Die unglaubliche Bedeutungsvielfalt des einfachen „Ho“, etwa wenn ein Öcher Polizist erst auf der Wache erfahre, dass der festgenommene Penn-Soldat gar kein richtiges Gewehr mit sich herumtrage, sondern nur eine Anscheinswaffe: „Dann entfährt ihm ein hocherstauntes ‚Ho!‘“, ulkte der Kurt, um am Ende das Kappeslied „du bis die Stadt für mich, und der Kappes singt für mich“ anzustimmen.

Doch nach solch wertfreiem Ulk wurde es mehrfach politisch. Necip Tokoglu pflanzte sich ein absolut aktuelles, blondes „Wiesel“ als Haupthaar auf den Kopf und glänzt als der „Trumpf“, anmoderiert mit der Melodie „Musik ist Trumpf“, der Hitparade der „rechten Laune“, steigt er aus dem Kappesmaul. Hillary sei ihm im Traun erschienen, das sei ganz furchtbar gewesen. Doch jetzt sei alles gut, mit seinem Buch „mein Trumpf“ sei er hochzufrieden. „Ich regiere eben mit Sekreten“, platzierte Tokoglu einen echten Brüller.

Immer wieder ging es gegen Rechts, die „Four Shops“ spielten als Noten ein „A“, ein „F“und ein „D“, einzeln okay, aber als AFD-Akkord „klingt das richtig scheiße“, lachten sie sich ins Fäustchen. Politisch ging es selbstverständlich auch um SPD-Shootingstar Schulz aus Würselen. Vorher gab Necip Tokoglu den eigentlich zeitlosen „Hans Hase“ vom Ordnungsamt. Doch schnell landete er „in Würselen, dem neuen Brüssel“, wo der St. Martin (Schulz) wohne und „der SPD gefühlte 15 000 neue Mitglieder beschert“ habe. Neben dem Aquana-Bad solle das Martin-Schulz-Haus entstehen, dann könnten „die Genossen sich beim Baden zusehen“, freute man sich in der Kappertzhölle.

Tragende Nummern bieten in den vier Jahren regelmäßig das Wallstreet Theatre mit ihren Herrn „Schröder“ und „Schulze“. Die beiden Artisten verknüpften auch jetzt Akrobatik mit britischem Humor, manchmal sehr politisch, wenn es gegen rechte Strömungen unserer Zeit geht, die alternativen Jecken sind eben auch politisches Kabarett. Großes Lob im Übrigen ebenso für das „Duo Diagonal“, das slapstikartig immer wieder mit Kunststücken (Deana Kozsey etwa als „stabiles“ Hula-Hup-Girl) für Lacher sorgte, die beiden waren ein Programmpunkt von hoher Qualität in der Show. Zum Ende hin noch die als „4 Amigos“ angekündigten drei Mexikaner, die aus dem Kappes in die Freiheit flohen und ausriefen: „Oh, alles rote Erde hier“ – bekanntlich befindet sich der Saalbau Kappertz in Rothe Erde.

Beinahe genial sind Michael Dannhauer und Thorsten Neuman (sie sind „Hoppla – das Duo“) in ihrem Abschlusssketch als die „Lustige Semmelbrösel“: Aufgemacht als klassische Karnevalisten, die nach etlichen durchzechten Nächten noch einen Bühnenauftritt hinlegen müssen, schaffen die beiden es, mit sprachlich minimalem Aufwand den Karneval der klassischen Art gnadenlos auf die Schippe zu nehmen, das muss man einfach gesehen haben.

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