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Troubadours d´Aix stellen ihre Arbeit vor

Von: Birgit Bodden
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Neuer Chorleiter: Die Troubadours d´Aix freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Luis Castellanos. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der aus Kolumbien stammende Luis Castellanos ist gerade einmal 23 Jahre alt und damit etwa halb so alt wie der Durchschnitt seiner Sängerinnen und Sänger. Mit Castellanos weht ein deutlich frischer Wind durch den Chor, der dem Französischen Kulturinstitut angeschlossen ist und so „rüttelt” der energische Mann zu Beginn der Probe seine sangesfreudigen Damen und Herren erst einmal gründlich wach.

Mit einem kurzen gymnastischen Auflockerungsprogramm beginnt die Arbeit; denn, so ermuntert Castellanos den Chor: „Es ist wichtig, dass der ganze Körper wach ist, bereit ist, der zum Singen nötigen Luft auch den nötigen Raum zu verschaffen.” Strecken, Recken, Arme hoch, noch höher, und dann bis zum Boden. Ja, die Hände berühren den Boden, das Becken kreist, Beine und Füße kreisen, Atmen und herzhaft Gähnen.

Solchermaßen erfrischt gelingen die nun folgenden Stimmübungen ganz leicht. Mit den Lippen geformte und stoßweise hervorgebrachte Konsonante, die die Zwerchfellatmung aktivieren, werden gefolgt von weicheren Lauten, die nun endlich die ersten gesungenen Töne in dieser Probe produzieren: Halbtonschritte, Tonleiterstudien, Dreiklangübungen mit Vokalen, die jeweils verlangen, dass die Lippen gespitzt und das Gesicht entspannt werden. Dann erst beginnt die Arbeit an den ausgewählten Liedern.

Gründlich und leidenschaftlich

Castellanos arbeitet gründlich und leidenschaftlich und sein Enthusiasmus wird von den Sängerinnen und Sängern gespiegelt. Aufmerksam und bereitwillig folgen sie seiner Führung ebenso wie den zahlreichen eingeflochtenen, auf dem Flügel dargebotenen Demonstrationen aus einem überwältigenden Wissen um Beispiele ähnlich gelagerter Tonfolgen aus dem Repertoire ihres Dirigenten.

Der 1985 in Kolumbien geborene Castellanos fing mit elf Jahren an, Klavier zu spielen; schon mit vierzehn gab er große Konzerte und wurde mit zahlreichen Preisen bei nationalen Wettbewerben geehrt. Seit 2004 ist er in Deutschland und studiert an der Musikhochschule Köln, Abteilung Aachen, in der Klasse von Professor Ilja Scheps. In Kürze wird er sein Examen machen. Auch wenn er bereits ein wenig Erfahrung im Dirigieren hat, so sind die Troubadours d„Aix doch sein erster Chor, den er verantwortlich leitet.

Und dieser Aufgabe widmet er sich mit Begeisterung. Gelegentlich, wenn er den Chor zu einem differenzierten Ausdruck auffordert und dies so, wie er es sich vorstellt, auf dem Flügel zeigt, bricht es aus ihm hervor: „Da krieg´ ich Herzklopfen.” Und er entdeckt immer wieder neu die unerschöpflichen Möglichkeiten der menschlichen Stimme: „Mit der Stimme kann man alles machen: Staccato, Legato, Pianissimo...”

„Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten”, bestätigt Castellanos das Offensichtliche. Der Chor zeige sich flexibel und aufgeschlossen. Anfangsunsicherheiten seien schnell einer gemeinsamen Passion gewichen, und so wundert es nicht, dass sich bei dieser offenen Probe, der nur sechs reguläre Proben vorangegangen sind, eine ebenso intensive wie auch heitere Atmosphäre herrscht. Castellanos lobt häufig und zeigt seine Zufriedenheit, wenn Passagen nach der Arbeit Fortschritte zeigen. Und auch während des Singens verzichtet Castellanos nicht auf Bewegung. Die Trennung von Alt und Sopran, Tenor und Bassstimmen, die sich in der Platzwahl der Sängerinnen und Sänger üblicherweise zeigt, wird gelegentlich aufgehoben und die Stimmen finden sich bunt gemischt.

34 Stimmen hat der Chor zur Zeit, leider, wie alle bedauern, viel zu wenig Männer, vor allem viel zu wenig Tenöre. Ganze drei Tenorstimmen müssen diesen Part vertreten. Wer Lust zu singen habe, Interesse an der französischen Sprache, und am besten eine Tenorstimme, sei sehr herzlich willkommen. Das Liedgut besteht vor allem aus französischen Chansons, aber auch geistliche Chorsätze und Stücke aus der Renaissance bestimmen bisher das Repertoire, das gemeinsam von Chor und Dirigenten ausgewählt wird.

Der Deutsch-Französische Chor begeht im nächsten Jahr sein zehnjähriges Jubiläum und ist Mitglied in der Fdration des Chorales Franco-Allemandes, zu der zur Zeit 15 Chöre aus Frankreich, Deutschland und Polen gehören. Und wie die Namensgeber des Chores reisen auch diese Troubadours. Konzerte in Paris und Köln dienen dem Ziel der Fdration: Völkerverständigung auf dem Weg über die Musik. Castellanos und die Troubadours freuen sich auf eine spannende Zusammenarbeit und haben ihre nächsten Ziele fest im Auge: Das zehnjährige Jubiläum, eine Reise nach Polen und natürlich weitere öffentliche Auftritte in Aachen.
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