Aachen - Trotz Sieg: CDU sieht Gesprächsbedarf

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Trotz Sieg: CDU sieht Gesprächsbedarf

Von: akai
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Große Koalition? „Die Skepsis hier vor Ort ist sehr groß“, sagt der Aachener SPD-Vorsitzende Karl Schultheis. SPD-Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt sagt: „Die große Koalition will eigentlich keiner, aber die Wähler haben nun mal so abgestimmt, und jetzt liegt es an uns, damit klar zu kommen.“ Foto: Archiv

Aachen. Sie schlief erst noch eine Nacht darüber, dann hatte Ulla Schmidt die hundertprozentige Sicherheit, dass sie über die Liste erneut in den Bundestag einzieht.

Eine kleine Unsicherheit hatte sich am Wahlabend überraschenderweise bei den Sozialdemokraten eingeschlichen. „Man weiß ja nie, ob die Liste zieht. Deshalb habe ich abgewartet, bis das endgültige Ergebnis vorlag“, erläutert die Bundestagsabgeordnete Schmidt. Und so checkte sie am Montagmorgen erst ihre E-Mails und durfte sich dann freuen: „Als immer mehr Glückwünsche eintrudelten, war ja alles klar.“

Der SPD-Vorsitzende Karl Schultheis hatte sich in der Nacht zu Montag schon bei der Landespartei informiert. Er wusste noch vor seiner Parteifreundin, dass Schmidt ihr Ticket nach Berlin gelöst hatte: „Sie war mit Platz 10 auf der Liste abgesichert, da konnte kaum etwas passieren.“

Sehr freut die ehemalige Ministerin, dass neben ihr auch der Heinsberger Sozialdemokrat Norbert Spinnrath den Sprung nach Berlin noch über die Liste geschafft hat: „Das ist eine gute Unterstützung für die Region.“

Derweil richtete SPD-Chef Schultheis das Augenmerk schon auf die kommende Kommunalwahl: „Dass wir hier in der Stadt über dem Bundestrend liegen, hat auch etwas mit dem guten Erscheinungsbild der SPD in Aachen zu tun. Das ist ein positives Signal.“ So sieht es auch die Bundestagsabgeordnete: „Das Ergebnis ist ein guter Rückenwind für den Kommunalwahlkampf.“

Zunächst stehen für die Aachenerin in der Bundeshauptstadt aber parteiinterne Beratungsgespräche auf dem Programm. „Ich rechne damit, dass es zu einer schwarz-roten Koalition kommt“, sagt die 63-Jährige. Jedoch müsse ihre Partei mittelfristig mit den Linken ins Gespräch kommen. Nur mit ihnen sei künftig eine Regierungsbildung links der Mitte ohne die CDU möglich.

Mehr Pils und Kölsch

Während Schultheis und das junge SPD-Team im Egmont bis in die Montagnacht die „tolle Stimmung“ genossen, knallten im Tonnengewölbe Sektkorken. „Es gab auch Sekt, aber es ist mehr Pils und Kölsch geflossen“, gestand der direkt gewählte CDU-Mann Rudolf Henke. Er war „unbändig froh über das klare Wahlergebnis“. 3500 Stimmen mehr als bei der letzten Wahl, 7300 Stimmen Vorsprung vor Ulla Schmidt – das seien Zahlen, die sich sehen lassen könnten. Nicht nachvollziehen konnte der Christdemokrat, dass bei der SPD am Sonntagabend so lange Unklarheit geherrscht habe, ob Schmidts Listenplatz nun ziehe oder nicht: „Sie war doch bestens abgesichert.“

Auch Henke sieht in dem Aachener Ergebnis eine Botschaft für die Kommunalwahl im Mai 2014: „Nur gemeinsam kann man erfolgreich sein.“ Als Beispiel nennt er „die jungen Teams der SPD und der CDU“. Sie hätten allen gezeigt, „wie man richtig kämpfen kann“. Es gelte nun, diese „Kampfeslust“ und diese „Begegnungslust“ auch im nächsten Jahr zu entfachen.

Deutlicher wird die Kreisvorsitzende der CDU Ulla Thönnissen: „Das Signal für uns kann nur lauten: Parteien, die sich intern streiten, werden nicht gewählt.“ Bestes Beispiel sei der Totalabsturz der Bundes-FDP. Damit spielt Thönnissen auf die in sich zerrissene Aachener CDU-Fraktion an, die seit Monaten aufgrund von Streitereien und Intrigen ein handlungsunfähiges Bild in der Öffentlichkeit abgibt.

Obwohl Aachen nicht gerade als SPD-Hochburg gelte, hinke die CDU in Aachen bei den Zweitstimmen rund fünf Prozent hinter dem Bundestrend her. Darüber müsse, so die Parteivorsitzende, intern gesprochen werden. Mit Blick auf den Mai nächsten Jahres müsse sich die CDU zwar strukturell neu aufstellen, das gute Henke-Ergebnis zeige aber, dass die CDU „kampagnefähig“ sei.

Für Thönnissen dürften die kommenden Wochen höchst spannend werden. Denn sollte Parteifreund Armin Laschet im Merkel-Kabinett einen Ministerposten übernehmen, und sollte er dann auch noch einen CDU-Landtagsabgeordneten beispielsweise als Staatssekretär mit nach Berlin nehmen, würde die CDU-Chefin in den Landtag nachrücken: „Wenn tatsächlich jetzt zwei Mitglieder gehen, würde ich das Mandat in Düsseldorf annehmen.“

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