Trotz Rekordjahr wächst das Defizit: Das Geld geht aus

Von: Gerald Eimer
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Da freut sich der Tourismus- und Marketingexperte: In großer Zahl strömten die Besucher in diesem Jahr unter anderem in die Ausstellungen zum Karlsjahr. Sie bescherten der Stadt, den Hoteliers, Gastronomen und Geschäftsleuten ein Rekordjahr. Foto: Harald Krömer
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Muss trotz eines „phänomenalen Ergebnisses“ ein Defizit in der Geschäftsbilanz verkünden: ats-Chef Werner Schlösser. Foto: R. Roeger

Aachen. Wie nah Freud‘ und Leid beieinander liegen können, muss Aachens oberster Tourismus-Chef Werner Schlösser in diesem Jahr erfahren. Ausgerechnet im zu Ende gehenden Karlsjahr, einem touristischen Rekordjahr in jeder Hinsicht, schlittert der „aachen tourist service“ (ats) ins Minus.

Und dies nicht etwa, weil der Verein schlecht geführt wird, sondern weil offenbar die Zahlungsmoral der Profiteure zu wünschen übrig lässt. Vor allem Einzelhändler und Gastronomen würde nicht nur Schlösser gerne stärker in die Pflicht nehmen, auch die Politik sieht dort offenbar noch Potenzial für eine Stärkung des Aachener Tourismussektors.

Wie vertrackt die Lage ist, führte ats-Geschäftsführer Schlösser den Politikern im Hauptausschuss in seinem aktuellen Tourismusbericht vor Augen: Demnach wird Aachen in diesem Jahr voraussichtlich erstmals die magische Millionenmarke bei den Übernachtungszahlen knacken. „Es wird knapp“, meint Schlösser, aber ein sattes Plus wird es am Ende in jedem Fall geben.

Heiligtumsfahrt und Karlsjahr lassen die Rekorde nur so purzeln: 20 Prozent mehr Hotelübernachtungen, 19 Prozent mehr Hotelgäste, mehr als 5000 Stadtführungen und dazu auch noch mehr als 4000 Führungen durch die Karls­ausstellungen, mehr als doppelt so viel wie geplant. „Das ist ein phänomenales Ergebnis“, schwärmt Schlösser. Und doch hat es auch eine Kehrseite. Denn der als Verein geführte ats wird in diesem Jahr mit einem Minus von rund 60.000 Euro abschließen.

Dies liegt laut Schlösser vor allem an den „extrem hohen“ Personalaufwendungen. So habe man alleine in diesem Jahr zigtausend Auskünfte geben und Anfragen bearbeiten müssen, ohne damit Einnahmen erzielen zu können. In der Tourist-Info am Elisenbrunnen habe man alleine im August mehr als 32.000 Besucher gezählt, bis zu neun Mitarbeiter seien dort eingesetzt werden. „Wir waren am Rande der Kapazität“, sagt Schlösser.

Dass die Stadt ihren Zuschuss seit Jahren auf 500.000 Euro gedeckelt hat, macht die Situation nicht einfacher. „Personalkosten steigen nun mal“, sagt Schlösser. Und höhere Mitgliedsbeiträge hätten kaum den gewünschten Effekt, da sie regelmäßig Austritte nach sich ziehen würden. Der ats leide unter dem klassischen Problem der Solidarfinanzierung: Zwar nehmen alle die Leistungen gerne in Anspruch, doch nur wenige wollen dafür zahlen.

„Wir kriegen die Enden nicht mehr zusammen“, resümiert Schlösser und appelliert an die Politiker: „Helfen Sie uns, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können.“

Die Bereitschaft ist offenbar vorhanden, wie die beiden Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Harald Baal und Michael Servos, deutlich machten. Schließlich habe der ats in Zusammenarbeit mit dem Kulturbetrieb und den städtischen Marketingspezialisten das Karlsjahr genau zu dem gemacht, „was wir uns erhofft haben“, sagte Baal. Tourismusförderung sei Wirtschaftsförderung, ist auch Servos überzeugt. Das müssten eigentlich auch die Hoteliers und Gastronomen erkennen, meint er und wundert sich über die teils mangelhafte Zahlungsbereitschaft.

Neue Partner gesucht

Servos kündigte an, dass die schwarz-rote Mehrheit „weitergehende Überlegungen“ anstellen werde, um das touristische Marketing auch künftig finanzieren zu können. Gesucht werden also vor allem zahlungskräftige Partner.

Und erste Ideen, wie die Übernachtungszahlen weiterhin hochgehalten werden können, existieren auch schon: Auf der nächsten Tourismusbörse in Berlin werde dann zwar kein Karl mehr stehen, dafür soll aber ein Pferd zu sehen sein, kündigt Schlösser an. Die Reit-Europameisterschaften im August 2015 und das neue Centre Charlemagne – dann allerdings im Normalbetrieb – sollen als wesentliche Anziehungspunkte für Aachen beworben werden.

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