Trotz Kita-Engpass: Betreiber fürchten um ihre Zukunft

Von: Margot Gasper
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Cornelia und Markus Adam betreuen in ihrer Kita „Bärenstark“ Kinder unter drei Jahren. Das Angebot der privaten Betreiber ist allerdings für die Eltern viel teurer als die Betreuung in öffentlich geförderten Einrichtungen der Stadt oder von freien Trägern. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Betreuungslücke ist abzusehen. Zum 1. August, wenn alle Kinder ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz bekommen, fehlen in Aachen nach letzter Rechnung mehr als 330 Kleinkind-Plätze. Die Kita „Bärenstark“ in Burtscheid hat Plätze für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Und doch sorgen sich die Betreiber, Cornelia und Markus Adam, jedes Jahr aufs Neue, ob ihre zwölf Plätze alle besetzt werden. Denn die Kita „Bärenstark“ ist eine private Kindertagesstätte. Die Plätze hier werden mit keinerlei öffentlichen Geldern gefördert.

2007 gegründet

„Warum eigentlich?“ fragt Cornelia Adam. „Warum werden private Einrichtungen in Aachen nicht subventioniert? Jeder U3-Platz wird doch dringend gebraucht.“ In den städtischen Statistiken zur U3-Versorgung tauchen die Plätze der Kita „Bärenstark“ auch regelmäßig auf – in der Rubrik „privatgewerbliche Einrichtungen“.

Cornelia Adam (35) und Markus Adam (42), beide ausgebildete Erzieher mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung, haben die Kita „Bärenstark“ im August 2007 in Burtscheid eröffnet. Sie reagierten damit auf den riesigen Bedarf an Kleinkindbetreuung. Aktuell betreut das Ehepaar ein Dutzend Kinder im Alter von acht Monaten bis drei Jahren.

Die mangelnde öffentliche Förderung macht die Einrichtung jedoch teuer für die Eltern und zum unternehmerischen Risiko für ihre Betreiber. Denn die Kita läuft nur, solange genügend Geld reinkommt – ausschließlich aus Elternbeiträgen. Jedes Jahr im Frühjahr bangen die Adams deshalb, ob fürs nächste Kita-Jahr wieder genügend Kinder angemeldet werden. Denn beim Preis kann die Kita „Bärenstark“ nicht mithalten mit Einrichtungen, die nach dem Kinderbildungsgesetz (Kibiz) vom Land und von der Stadt gefördert werden.

40 Stunden für 900 Euro

Wer bei den Adams einen vollen Platz bucht, 40 Stunden in der Woche einschließlich Mittagessen, legt dafür jeden Monat 900 Euro hin. Da kann Cornelia Adam verstehen, dass die Eltern ihrer Schützlinge jedes Jahr aufs Neue zusehen, ob sie nicht doch einen Platz in einer städtischen Kita oder in einer öffentlich geförderten Einrichtung eines freien Trägers bekommen. Und seit in Aachen auch die Kindertagespflege über eine Satzung organisiert wird, zahlen Eltern für eine Tagesmutter ebenfalls einen einkommensabhängigen Beitrag – unterm Strich meist deutlich weniger als früher.

Aus Sicht der Eheleute Adam wäre eine Zusammenarbeit der Kommune mit privaten Kitas angesichts des Mangels an U3-Plätzen ein sinnvoller Weg. „Die Stadt würde Geld sparen und könnte einen Betreuungsengpass auch langfristig zumindest abmildern“, sagt die Erzieherin. Räume und Personal seien schließlich vorhanden.

„Die Eltern schätzen unsere Arbeit“, wissen Cornelia und Markus Adam. „Denn wir gehen flexibel auf die Bedürfnisse der Familien ein. So können – bei einem Mindestkontingent von 20 Stunden pro Woche – die Zeiten flexibel gebucht werden. Michaela Vögele und Christoph Herold zum Beispiel bringen ihren kleinen Sohn in die Kita „Bärenstark“. Sie schätzen die kleine Gruppe und die festen Bezugspersonen für ihr Kind. Und sie sagen: „Es ist unserer Meinung nach dringend erforderlich, private Einrichtungen in den Ausbau der U3-Betreuung mit einzubeziehen und finanziell zu unterstützen.“ Andere Eltern, die die Einrichtung nutzen, stimmen ihnen zu.

Das NRW-Kinderbildungsgesetz (Kibiz) allerdings sieht keine Förderung privatgewerblicher Kindertagesstätten mit öffentlichen Geldern vor. „Es geht hier um Steuergelder“, erklärt eine Sprecherin des NRW-Familienministeriums gegenüber den „Nachrichten“, „und die sind vorgesehen für die öffentliche Jugendhilfe.“

Gefördert werden danach zum Beispiel anerkannte Träger der Jugendhilfe, gemeinnützige Gesellschaften oder Vereine (etwa Elterninitiativen). „Gewerbliche Träger aber sind Unternehmen, die nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung arbeiten“, so die Ministeriumssprecherin, und damit seien sie von der öffentlichen Förderung ausgeschlossen.

Das Aachener Verwaltungsgericht hat das allerdings vor knapp zwei Jahren ganz anders bewertet. Das NRW-Kinderbildungsgesetz verstoße gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung, befanden damals die Richter der 8. Kammer, nachdem die Betreiberin einer privatgewerblichen Kita geklagt hatte, weil sie nicht wie andere Kitas bezuschusst wurde. Die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes könnte aber letztlich nur das Bundesverfassungsgericht feststellen.

Unterschriften gesammelt

Das NRW-Familienministerium kündigte damals an, die Frage der Finanzierung bei der zweiten Kibiz-Revision zu behandeln. Für diese Überarbeitung des Gesetzes, so die Sprecherin des Ministeriums jetzt, liege aber bisher noch nicht einmal der Referentenentwurf vor.

Cornelia und Markus Adam bangen unterdessen weiter. Auch Unterschriften haben sie gesammelt. Eines allerdings ist klar: Mit dem neuen Rechtsanspruch auf U3-Betreuung dürfte das Überleben für eine private Einrichtung wie der Kita „Bärenstark“ nicht einfacher werden. Denn ab August haben alle Eltern Anspruch auf öffentlich geförderte Betreuung.

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