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Trotz Arbeit reicht es nicht

Von: Werner Breuer
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Aachen. Kein Auskommen mit dem Einkommen. Bei immer mehr Aachenern reicht der Arbeitslohn nicht mehr für den Lebensunterhalt. 2500 sogenannte „Aufstocker” hat Arge-Geschäftsführer Marcell Raschke derzeit in seiner Kartei.

Die Zahl derer, die neben ihrem Erwerbseinkommen auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sind, habe sich in den vergangenen vier Jahren etwa verdoppelt, sagt Raschke, „und der Trend geht klar rauf”.

Das merkt auch Andris Gulbins von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). In seinen Beratungsstunden für Hartz-IV-Empfänger, die bei dem Papierkram Hilfe brauchen, bilden die Aufstocker inzwischen einen starken Block. „Das sind zum Beispiel Männer, die im Sicherheitsdienst sechs Euro pro Stunde verdienen”, berichtet der KAB-Sekretär. Eine Familie sei mit diesem Verdienst nicht zu ernähren.

„Wenn die Ehefrau dann vielleicht noch eine Putzstelle hat und 400 Euro im Monat nach Hause bringt, reicht es immer noch nicht”, sagt Gulbins. Auch ein Mindestlohn von 7,50 Euro helfe da nicht weiter, meint Arge-Chef Raschke. Wer es damit auf ein Brutto-Einkommen von 1300 Euro bringe, habe nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben vielleicht noch 950 Euro übrig und könne damit nicht für eine Familie sorgen. Allenfalls ein Singlehaushalt komme dann ohne staatliche Hilfe aus. Die besteht in diesem Fall aus 352 Euro Regelleistung, etwa dieselbe Summe kommt noch einmal für Miete und Heizkosten hinzu.

„Prekäre Arbeitsverhältnisse”

Das sei zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig, beklagen Betroffene in Gulbins Beratungsstunden. „Ich habe hier Leute sitzen, die dringend einen Ein-Euro-Job suchen”, berichtet der KAB-Sekretär, „das ist für die dann schon eine große Entlastung.” Der Verdienst werde zwar mit den Hartz-IV-Bezügen verrechnet, es gebe aber Freibeträge. Schließlich soll sich die Arbeit auch lohnen. „Wer arbeitet, hat es leichter”, bestätigt Gulbins.

Doch immer öfter reicht die Arbeit eben nicht für den Lebensunterhalt. Der KAB-Sekretär weiß von Aufstockern, aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit wechselten und „vor allem in der Startphase” ihres Mini-Unternehmens auf die Unterstützung der Arge angewiesen sind. Andere brauchen Hilfe, weil sie statt eines Vollzeitjobs nur eine 12-Stunden-Stelle haben. „Auch wenn die richtig nach Tarif bezahlt werden, kommen sie damit nicht hin”, sagt Gulbins.

Überdies habe die Gesetzgebung selbst dafür gesorgt, dass es immer mehr „prekäre Arbeitsverhältnisse” gebe. „Da heißt es dann, wir zahlen nur die Löhne, die der Markt hergibt, und der Staat regelt den Rest”, so Gulbins. Und so werde eben mit den Steuermitteln für die Aufstocker das System subventioniert. Zudem habe die Politik den Kündigungsschutz eingeschränkt, um Einstellungen zu erleichtern. „Wenn aber Leute rausfliegen und dann als Leiharbeiter wiederkommen, um den gleichen Job für weniger Geld zu machen”, so Andris Gulbins, „dann ist das eine Schweinerei.”
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